An diesen Fassaden scheiden sich die Geister

Stadtbaumeister Meßmann prägte um 1900 das heutige Bild des Lagenser Marktplatzes

Von Patrick Bockwinkel

Neues schaffen oder Altes bewahren? - © Lage
Neues schaffen oder Altes bewahren? (© Lage)

Lage. Seit Jahrzehnten stehen "Hotel Freitag" und "Karbach-Haus" am Lagenser Marktplatz. Die LZ hat einen Blick auf die Historie der beiden Gebäude geworfen, über die momentan viel diskutiert wird. Müssen "Hotel Freitag" und "Karbach-Haus" erhalten werden, oder können sie einem City-Center-Neubau weichen? Eine Frage, zu der die LZ bei einer Mobilen Redaktion am Freitag, 4. Juli, die Meinung der Bürger hören will. Ab 10 Uhr werden die Redakteure Wolfgang Becker und Patrick Bockwinkel am Stand der Lippischen Landes-Zeitung während des Wochenmarktes präsent sein und mit den Lagensern über die beiden Gebäude sprechen.

Mit der Bahn war im 19. Jahrhundert der wirtschaftliche Aufschwung nach Lage gekommen, womit sich auch allmählich das Bild der Stadt veränderte. Am Marktplatz wichen viele der älteren Häuser moderneren und größeren Neubauten. Den Anfang machte laut einer Studie von Merret Sievers über den Lagenser Architekten Gustav Meßmann das "Hotel Freitag", das schon 1898 diesen Namen trug und von Meßmann in diesem Jahr um ein Geschoss aufgestockt wurde. Damit überragte es nicht nur die anderen, meist zweigeschossigen Häuser am Marktplatz, sondern auch das benachbarte Rathaus.

Gegenwart und Vergangenheit: Seit 1898 steht das "Hotel Freitag" mit drei Geschossen gegenüber dem Rathaus am Marktplatz. 1930 wurde daneben das sogenannte "Karbach-Haus" gebaut, für das ein kleineres Gebäude - auf einer alten Postkarte unten rechts neben "Hotel Freitag" zu sehen - weichen musste. - © Collage: Brettmeier
Gegenwart und Vergangenheit: Seit 1898 steht das "Hotel Freitag" mit drei Geschossen gegenüber dem Rathaus am Marktplatz. 1930 wurde daneben das sogenannte "Karbach-Haus" gebaut, für das ein kleineres Gebäude - auf einer alten Postkarte unten rechts neben "Hotel Freitag" zu sehen - weichen musste. (© Collage: Brettmeier)

Nachdem Meßmann 1903 Stadtbaumeister geworden war, und weitere Häuser wie das Haus Busemeyer (heute ist dort NKD zu finden) und der Alte Ratskeller (heute Brasserie Max) in die Höhe gewachsen waren, wurde auch das Rathaus an die Größe der Umgebung angepasst. Langsam wandelte sich so das Gesicht des ganzen Markt-
platzes.

1930 wich das kleine, zweigeschossige Gebäude neben "Hotel Freitag" einem neuen, expressionistisch gestalteten Neubau der Gebrüder Richts. Der heute als "Karbach-Haus" bekannte Bau wurde als Wohn- und Geschäftshaus konzipiert. Im Erdgeschoss gab es etwa das Allround-Lädchen "Thams & Garfs". Von 1959 bis in die 1980er Jahre hinein hatte die Restaurant-Kette "Nordsee" dort eine Filiale, ehe das Optik-Geschäft "Karbach" einzog. Seither ist das Gebäude im Volksmund unter diesem Namen bekannt. In den Stockwerken darüber zog etwa 2005 ein Teil der Stadtverwaltung ein, die dort aber in vorherigen Jahren schon einmal untergebracht gewesen sein soll.

Das benachbarte "Hotel Freitag" war jahrzehntelang für Übernachtungsgäste da, später wurde der Name in "Hotel Stadt Lage" geändert. Seit den 1980er Jahren ist im gesamten Gebäude ein weiterer Teil der Stadtverwaltung untergebracht, von der es offiziell "Rathaus II" genannt wird.

Copyright © Lippische Landes-Zeitung 2020
Inhalte von lz.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.