Beschäftigte des Heinrich-Hansen-Hauses sorgen sich um ihre Zukunft

Verdi plant nach der Schließung zum Ende des Jahres den Verkauf des Gebäudekomplexes im Luftkurort Hörste. Seminare finden künftig in anderen Einrichtungen statt

Wolfgang Becker

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„Was wird jetzt aus uns?“: Das fragen sich die Beschäftigten des Heinrich-Hansen-Hauses Steffie Rost, Stefanie Seul, Anette Hein, Astrid Schulte, Maike Schmidt, Detlef Schulz, Leane Schulz, Nelly Reger und Ulrike Gerhard (von links). - © Becker
„Was wird jetzt aus uns?“: Das fragen sich die Beschäftigten des Heinrich-Hansen-Hauses Steffie Rost, Stefanie Seul, Anette Hein, Astrid Schulte, Maike Schmidt, Detlef Schulz, Leane Schulz, Nelly Reger und Ulrike Gerhard (von links). (© Becker)

Lage. Der Verdi-Gewerkschaftsrat hat beim Bundeskongress in Leipzig seinen Beschluss aufrecht erhalten: Das Heinrich-Hansen-Haus, die Bildungsstätte von Verdi im Luftkurort, wird zum Ende des Jahres geschlossen.

Die für den Brandschutz im Rahmen einer Modernisierung der Einrichtung erforderlichen drei Millionen Euro könne die Gewerkschaft nicht stemmen, teilte die Vorsitzende des Gewerkschaftsrates, Monika Brandel, den Delegierten mit. Seminare würden ab nächstem Jahr in anderen Häusern von Verdi, unter anderem im Bunten Haus in Bielefeld, stattfinden.

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Stadt ist nicht an Kauf interessiert

Für die Stadt komme ein Kauf des Heinrich-Hansen-Hauses nicht in Frage, sagte gestern Bürgermeister Christian Liebrecht. Die Verwaltung sei aber behilflich, wenn es eine Institution gebe, die den Komplex erwerben wolle. Denkbar sei auch eine Begleitung des Verfahrens, falls die Bezirksregierung das Haus für die Erstunterbringung von Flüchtlingen nutzen wolle.

Christoph Schmitz, der Leiter der Pressestelle der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft mit Sitz in Berlin, bestätigte, dass der Schließungsbeschluss gefasst worden sei. Verhandlungen für einen Sozialplan liefen bereits, Verdi stehe als Arbeitgeber in Kontakt mit dem Betriebsrat des Heinrich-Hansen-Hauses in Hörste. „Die Einrichtung werden wir bis kurz vor Weihnachten ordnungsgemäß weiter betreiben, danach planen wir den Verkauf“, sagte Schmitz. Zu dem Verkaufspreis könne er nichts sagen, nur soviel: „Das Heinrich-Hansen-Haus ist keine Immobilie, mit der man reich werden kann.“

Die Gewerkschaft, so der Pressesprecher weiter, plane auf keinesfalls eine Vermietung an Dritte, die den Gebäudekomplex in eine Flüchtlingsunterkunft umfunktionieren wollen. In den vergangenen Tagen waren Gerüchte aufgekommen, dass dort Flüchtlinge und Asylsuchende untergebracht werden könnten. „Wir werden keine Flüchtlingseinrichtung in eigener Regie betreiben. Was nach einem Verkauf passiert, darüber stellen wir keine Spekulationen an“, so Schmitz weiter.

Zu möglichen Interessenten des Gebäudes wollte er sich nicht äußern. Solche Gespräche fänden üblicherweise diskret statt. Erst einmal müsse man miteinander einig werden, ob es ein Interesse gebe. Im Moment stünden die Sozialplan-Verhandlungen im Vordergrund. „Was aus uns wird, werden wir wahrscheinlich erst ab nächster Woche erfahren“, so Maike Schmidt, eine der 25 Beschäftigten im Heinrich-Hansen-Haus.

Etliche ihrer Kolleginnen und Kollegen seien schon seit über 20 Jahren in der Einrichtung beschäftigt. Was jetzt aus ihnen werde, wisse keiner genau. Einige hofften, in anderen Bildungsstätten der Gewerkschaft unterzukommen. Beklagt wurde von den Beschäftigten auch, dass sie in der Vergangenheit von der Verdi-Spitze schlecht informiert worden seien. „Als feststand, dass es hier zu Ende geht, hat uns das keiner vermittelt“, so eine Frau. Nachdem Josef Peitz erkrankt ist, leitet Uwe Carstensen kommissarisch das Haus.

 


Kommentar: Ein Sinnbild für Toleranz

von Wolfgang Becker
Ein paar knappe Sätze, das war’s. Aber immerhin hatte es das Thema bis zum Verdi-Bundeskongress geschafft. Der Beschluss, das Heinrich-Hansen-Haus zu schließen, wurde trotz aller Appelle aus Lippe nicht aufgehoben.

Bis zuletzt hatten nicht nur Gewerkschafter, sondern auch und vor allem die Beschäftigten gehofft, dass die Bildungseinrichtung weiter besteht. Doch die von Gutachtern geschätzten drei Millionen Euro zur Modernisierung des Brandschutzes kann und will Verdi nicht aufbringen. Das Heinrich-Hansen-Haus ist in den Augen der Gewerkschaftsoberen unrentabel geworden. Auch sie müssen genauso wie die von ihnen oft gescholtenen Firmenbosse rechnen, zumal nicht weit entfernt in Bielefeld Verdi mit dem Bunten Haus die nächste Bildungseinrichtung dieser Art zur Verfügung steht.

Den Beschäftigten in Hörste ist eine Übernahme zu wünschen und ein Sozialplan, der vor allem die Belange Älterer berücksichtigt. Bei allen nun anstehenden Überlegungen zur Zukunft des Gebäudes sollte nicht vergessen werden, für was das Haus steht: für Bildungsarbeit im Sinne von Toleranz und Demokratie. In einer dort eingerichteten Flüchtlingsunterkunft wäre die Vermittlung solcher Werte auch möglich.

WBecker@lz.de

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