Eisenbahnfreunde Lippe renovieren alten Bahnhof in Ehlenbruch

Guntmar Wolff

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Schon bald sollen mit Hilfe von Thomas Weber, Dirk Schneider und Friedhelm Rakowsky, Modell-Eisenbahnen durch das renovierte Bahnhofsgebäude in Ehlenbruch rollen. - © Guntmar Wolff
Schon bald sollen mit Hilfe von Thomas Weber, Dirk Schneider und Friedhelm Rakowsky, Modell-Eisenbahnen durch das renovierte Bahnhofsgebäude in Ehlenbruch rollen. (© Guntmar Wolff)

Lage-Ehlenbruch. Keine fünf Meter vor seinem Fenster fährt mit lautem Getöse ein Zug vorbei. Was für andere Mieter eines Hauses der blanke Horror wäre, ist für Dirk Schneider, Thomas Weber und ihre Freunde ein echter Glücksfall. Denn Schneider und Weber sind die Vorsitzenden der Eisenbahnfreunde Lippe. Der Verein mit 85 Mitgliedern hatte bisher seine Räumlichkeiten im Bahnhof Lage. Da der Mietvertrag aber gekündigt wurde, suchten die Modelleisenbahnfans eine neue Unterkunft. „Der alte Bahnhof in Ehlenbruch wurde uns von der Stadt Lage empfohlen", erzählt Schneider freudestrahlend.

Zwar sei der Mietvertrag mit der Kommune erst zum 1. September geschlossen worden, um aber das neue Vereinsheim nutzen zu können, legten sich die „Eisenbahner" seit Pfingsten bereits richtig ins Zeug. „Aus dem Keller haben wir mehr als 35.000 Liter Wasser gepumpt", berichtet Lutz Gebhardt, der bei den Renovierungsarbeiten der zweite Bauleiter ist. Zuerst seien Fachleute durch das Gebäude gegangen, das 1902 gebaut wurde. Im Anschluss habe man den alten Bahnhof völlig entkernt. „Mehr als 80 Kubikmeter Schrott haben wir hier abtransportiert", beschreibt Gebhardt den Umfang der Bauarbeiten. Vor dem Kauf des Bahnhofs durch die Stadt gehörte der Bahnhof der rechtsextrem zuzuordnenden „Road Crew OWL". Die Gruppierung hat sich mittlerweile in andere Gefilde verabschiedet.

„Im Augenblick befinden wir uns in einem schleichenden Übergang zwischen Abbruch und Aufbau. Wir haben heute die letzte Decke vom Dachboden entfernt und begonnen, im Keller Lampen zu installieren und elektrische Leitungen zu verlegen", berichtet Schneider. Viele Arbeitsstunden hätten die Vereinsmitglieder seit Pfingsten hier jeden Samstag verbracht. „Zu zehnt waren wir hier immer, die mit angepackt haben", freut sich Friedhelm Rakowsky, der ehemalige Vereinsvorsitzende. Wenn nun alles so weiterläuft, sollen ab Frühjahr 2017 die monatlichen Treffen in den neugestalteten Räumlichkeiten stattfinden. „Auf der einen Seite werden wir dann eine Spur N und auf der anderen Seite eine Spur 0 verlegen, mit insgesamt mehr als 200 Meter Schienenlänge", freut sich Thomas Weber, der zweite Vorsitzende.

Geht es nach den Eisenbahnfreunden soll Pfarrer Dirk Gerstendorf im Vereinsheim auch einen Gottesdienst halten. „Wir wollen einen Neuanfang machen, auch für unseren Verein", so Weber. Aber auch die Bevölkerung kann sich freuen: Denn in Zukunft soll es auch Tage der offenen Tür geben, an denen sich Interessierte die Modellbahnen anschauen können und – wichtig – auch fahren lassen dürfen.

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"Road Crew OWL"


Die Stadt hat den Bahnhof Ehlenbruch vor gut einem Jahr gekauft. Vorher diente er als Domizil der der rechtsextremen Szene zuzuordnenden „Road Crew OWL". In dieser Zeit bildete sich ein starker öffentlicher Druck, durch den die Gruppe schließlich abzog. Nachdem der Bauhof die Hinterlassenschaften ausgeräumt hatte, nutzte er das Gebäude als Lager. Wie Kämmerer Frank Limpke in der jüngsten Sitzung des Rates bekanntgab, hat die Stadt nun einen Mietvertrag mit den Eisenbahnfreunden Lippe abgeschlossen. Der Zustand des Bahnhofs sei desolat. „Die Eisenbahnfreunde werden in Eigenleistung Maßnahmen ergreifen, um ihn wieder herzurichten". Die Stadt werde selbst auch Arbeiten vornehmen müssen. Dafür werden 50.000 Euro außerplanmäßig bereitgestellt. An Mieteinnahmen sei nicht viel zu erwarten, ergänzte Bürgermeister Christian Liebrecht. Wichtig sei, dass die Eisenbahnfreunde das Gebäude gut in Schuss hielten.

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