48-jährige Lagenserin gesteht Betrieb von Neonazi-Portal

Erol Kamisli und Roland Böhm

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Symbolfoto (© Foto: Sebastian Duda - Fotolia.com)

Lage/Stuttgart. Die Call-Center-Mitarbeiterin Jutta V. aus Lage hat vor Gericht zugegeben, das inzwischen verbotene Neonazi-Portal „Altermedia" betrieben zu haben. Für sie sei es zunächst ein Portal für Meinungsfreiheit gewesen, sagte die 48-Jährige vor dem Oberlandesgericht Stuttgart. „Ich hätte nicht gedacht, dass so viel geschrieben wird, was ins Verbotene geht", fügte sie hinzu. Die Seite wurde 2016 vom Bundesinnenministerium verboten.

„Meine Mandantin will reinen Tisch machen", sagt ihr Verteidiger Johannes Salmen. Sie habe die Verantwortung für das Internetportal 2012 übernommen und wollte einen „freien Austausch von Ideen" ermöglichen. „Doch sie stellt sich nicht als Unschuldslamm, denn sie wusste um Strafbarkeit ihrer rassistischen Aktionen", soSalmen. Sie habe sich mit der Zeit immer weiter radikalisiert - auf der Plattform auch Nazi-Grüße, volksverhetzende Kommentare und Gewaltaufrufe gegen Ausländer zugelassen. In zwei Wochen wird der Prozess fortgesetzt. „Dann wird meine Mandantin über ihre Motive sprechen", fügt Salmen hinzu. Durch das umfassende Geständnis erhoffe sich Jutta V. natürlich auch eine mildere Strafe.

Laut Bundesanwaltschaft war „Altermedia" bis dahin das führende rechtsextremistische Internetportal im deutschsprachigen Raum. Die Angeklagte habe unter anderem einkommende Artikel freigegeben. Als weitere Schlüsselfigur gilt ein 28 Jahre alter Informatiker aus dem Schwarzwald. Mitangeklagte sind eine in Nürnberg geborene 63-Jährige sowie eine 61-Jährige aus Berlin. Neben verbotenen Grußformeln und Parolen seien volksverhetzende Äußerungen veröffentlicht worden: von Gewaltaufrufen gegen in Deutschland lebende Ausländer bis hin zur Leugnung des Holocausts.Das Verfahren ist bis ins nächste Jahr terminiert. Die vier Angeklagten stehen unter anderem wegen Volksverhetzung vor Gericht.

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