Ziegeleimuseum räumt auf

Cordula Gröne

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Noch ist unklar, ob diese alte Bremse in Hagen bleibt oder in Dortmund beim Landschaftsverband aufbewahrt wird. Foto: Cordula Gröne - © Cordula Gröne
Noch ist unklar, ob diese alte Bremse in Hagen bleibt oder in Dortmund beim Landschaftsverband aufbewahrt wird. Foto: Cordula Gröne (© Cordula Gröne)

Lage-Hagen. Alt und verstaubt – das ist das Ziegeleimuseum des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe in Hagen wahrlich nicht. Zwar hat es schon 20 Jahre auf dem Buckel, doch es entwickelt sich ständig weiter. Auch für die kommenden Monate sind wieder Ausstellungen und Veranstaltungen geplant.

Da das Museum aufgrund der Coronakrise derzeit noch geschlossen ist, wurde in den vergangenen vier Monaten ausgemistet. Rund 2000 Objekte lagerten in der sogenannten Trockenhorde, einer Holzscheune auf dem Gelände. Hier habe der frühere Besitzer der Ziegelei die Ziegel mit einem Handwagen hineingefahren und auf Regalen getrocknet, erzählt Museumsleiter Willi Kulke.

Museumsleiter Willi Kulke zeigt Mundstücke für die Strangpresse mit Mustern für Ziegel, von denen das Museum nur 20 behalten kann. Foto: Cordula Gröne - © Cordula Gröne
Museumsleiter Willi Kulke zeigt Mundstücke für die Strangpresse mit Mustern für Ziegel, von denen das Museum nur 20 behalten kann. Foto: Cordula Gröne (© Cordula Gröne)

Der Industriebetrieb war jedoch im Jahr 1979 eingestellt worden. In dieser Zeit suchte der Landschaftsverband nach einem Grundstück für ein Industriemuseum in Lippe. Da traf es sich gut, dass die Ziegelei zu verkaufen war. Der Vorlaufbetrieb startete im Jahr 1996 mit der Ausstellung „In der Fremde", die es jetzt noch gibt, einem Rundweg und dem Ringofen. 1999 kam Willi Kulke hinzu, bereitete alles für die Eröffnung des Museums im Jahr 2001 vor. Wissenschaftliche Vorarbeit hatte Andreas Immenkamp vom Landschaftsverband geleistet.

Großes Besucherinteresse

„Damals haben alle gesagt, das wird nichts", erinnert sich der Leiter an die Unkenrufe, weil das Museum in einem Ortsteil abseits den Zentrums lag. Die Skeptiker lagen falsch. Das Museum verzeichnet jährliche Besucherströme von 40.000 bis 50.000 Besuchern – natürlich, als es Corona noch nicht gab.

Das Sammeln von Objekten hatte längst vor der Öffnung des Museums begonnen. Immenkamp trug aus aufgegebenen Ziegeleien, beispielsweise aus Büsum und Lippstadt, viele Objekte zusammen. Die Sachen lagern teilweise seitdem ungenutzt in der Scheune.

Durch die coronabedingte Schließung – die Mitarbeiter hatten nun Zeit dafür – ergab sich die Gelegenheit, alle Objekte zu erfassen und dann zu überlegen, was noch gebraucht wird. Die Ausstellungsstücke sollten entweder wichtig für die künftige Entwicklung des Museums sein, technisch-geschichtliche Änderungen oder Schnittstellen dokumentieren oder als Ersatzteile für bestehende Maschinen verwendbar sein.

Ziegel für den Denkmalschutz

So kam auch viel Schrott zusammen, der nun entsorgt wird. Aber nicht nur. Das Museum schrieb andere Museen an, ob sie etwas davon gebrauchen könnten. Denn alle Museen, die im Deutschen Museumsbund organisiert sind, haben ein Abkommen unterzeichnet, dass Objekte, die sie nicht mehr benötigen, nicht weggeworfen, sondern zuerst anderen Mitgliedern zur Verfügung gestellt werden.

Die Resonanz war nicht sehr groß, aber das Ziegeleimuseum im brandenburgischen Glindow war interessiert. Dieses fertigt Ziegel für den Denkmalschutz an. Dessen Geschäftsführer Harald Dieckmann nahm Kontakt auf und war begeistert, dass er Schüttapparate, die er bis dato selbst anfertigen lassen musste, bekommen konnte. Diese werden auf das Schüttloch des Ringofens gesetzt und geben automatisch Kohle an den Ringofen darunter ab. 15 Apparate nahm der Geschäftsführer bereits mit, 40 weitere will er das nächste Mal aufladen.

Alle übrigen Objekte, die nicht weggeworfen werden sollen, kommen ins Depot des Landschaftsverbandes in Dortmund. Derweil hofft das Museum, bald wieder öffnen zu können. Willi Kulke und sein Team haben ein volles Programm mit Kabarett, Kinderworkshops und vielem mehr ab Juli bis zum Jahresende vorbereitet. „Sobald wir eine Eröffnungsperspektive haben, werden wir bewerten, was von den Veranstaltungen möglich ist", so der Leiter.

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