Denkmalschutz in Lage: Historische Werte erhalten

Cordula Gröne

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Seit Jahren verfällt der denkmalgeschütze Hof an der Breitenheider Straße. Die Scheune ist inzwischen eingestürzt. - © Cordula Gröne(LZ)
Seit Jahren verfällt der denkmalgeschütze Hof an der Breitenheider Straße. Die Scheune ist inzwischen eingestürzt. (© Cordula Gröne(LZ))

Lage. Ein schönes, altes Haus zu besitzen, kann ein Segen sein, ist aber häufig auch mit hohen Kosten verbunden. Steht es zudem unter Denkmalschutz müssen Auflagen bei Sanierungen beachtet werden – das kann teuer werden. Für Denkmalangelegenheiten ist die Stadt zuständig, seit einem Jahr in Person von Aldina Jazvin.

Ein Gebäude unter Schutz zu stellen – dafür kann der Eigentümer einen Antrag stellen oder der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL). Es folgt eine Anhörung durch die Stadt, der LWL fertigt anschließend ein Gutachten an, ob das Gebäude denkmalwürdig ist. Dies hat dann auch Auswirkungen auf bauliche Veränderungen. Der Eigentümer kann eine Steuerbescheinigung bekommen, wenn er erhöhte Ausgaben dadurch hat.

83 Denkmäler in der Zuckerstadt

„Die Entscheidung wird in allen Fällen im Benehmen mit der LWL getroffen", macht Aldina Jazvin im Kulturausschuss deutlich, dass die Behörde in Münster am längeren Hebel sitzt und die Entscheidungen trifft. Dort sitzen die Fachleute.

Alle 83 Denkmäler in Lage sind in einer Liste erfasst. Die letzte Eintragung erfolgte im Jahr 2017 für die zwei Eisenbahnbrücken in Wissentrup, eine einbögige und eine dreibögige. Für die einbögige habe es viele Gespräche zwischen der Deutschen Bahn als Eigentümerin, der Stadt und der Denkmalbehörde gegeben, berichtet Jazvin. Am 12. April 2018 sei die Abbruchgenehmigung erteilt worden. Die Brücke stehe aber noch, möglicherweise werde sie 2024 abgerissen.

Zimmertüren aus der Biedermeierzeit

Einen heruntergekommenen Eindruck macht der ehemalige Hof Mirow an der Breitenheider Straße. Er wurde 2007 in die Denkmalliste eingetragen, 2016 sein Denkmalwert überprüft und für dessen würdig befunden. Es handelt sich um einen Vierständerfachwerkbau mit verputzter Natursteinausfachung. Die ursprünglichen Wohnräume haben kassettierte Zimmertüren wohl aus der Biedermeierzeit, die ehemalige gute Stube ist mit einer hölzernen Lambris ausgestattet.

Doch das Gebäude verfällt zusehends. Eine nicht unter Schutz stehende Scheune auf dem von einer Natursteinmauer umfassten Grundstück ist bereits zusammengefallen. Es muss allerdings so gesichert sein, dass niemand, der vorbei geht oder fährt, gefährdet werden kann. Der Eigentümer wurde deshalb angeschrieben und musste einen Zaun aufstellen. Er kann jedoch nicht verpflichtet werden, das Gebäude zu sanieren, insbesondere, wenn kein Geld dafür vorhanden ist.

Entscheidung des LWL

Möchte der Eigentümer den Hof aus der Denkmalliste löschen, um ihn abreißen zu können, müsste er einen Abbruchantrag stellen. Zudem der Stadt darlegen, was dort stattdessen entstehen soll und eine Wirtschaftlichkeitsberechnung dafür vorlegen. Eine Entscheidung trifft der LWL. Für nächstes Jahr steht laut Stadt eine erneute Prüfung der Denkmalwürdigkeit an.

Ausschussvorsitzende Monika Beckmann (Bündnisgrüne) schlägt vor, dass die Stadt in solchen Fällen Unterstützung leisten könnte. Des Weiteren gibt es Fördermittel. Die Stadt kann solche Landesmittel abrufen, wenn sie gewünscht werden.

Kommunen sollen mehr Entscheidungsspielraum bekommen

Die Ausschussvorsitzende regt zudem die Aufstellung eines Denkmalpflegeplanes an. Dies sollen alle Fraktionen in ihren Reihen nun beraten. Aktuell steht eine Novelle des Denkmalschutzgesetzes NRW an. Der bisherige Entwurf sieht vor, die Rolle der Landschaftsverbände Rheinland (LVR) und Westfalen-Lippe (LWL) erheblich zu schwächen und den Kommunen mehr Entscheidungsbefugnis einzuräumen. Der Entwurf soll hierzu aber noch überarbeitet werden.

Nach einem Vorschlag Monika Beckmanns könnte der Kulturausschuss künftig um zwei beratende Mitglieder erweitert werden, die in der Denkmalpflege sachkundig sind. Einer entsprechenden Änderung der Hauptsatzung müsste der Rat vorher zustimmen. Erhard Kirchhof signalisierte Unterstützung für die CDU. Es handele sich dabei um Multiplikatoren, die der Sache dienlich seien.

Jedes Jahr soll nun im Ausschuss ein Bericht über die Denkmäler in der Stadt gehalten werden. Informationen zu den Denkmälern gibt es auf der Homepage der Stadt unter der Rubrik „Bauen und Wirtschaft".

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