Flipper-Freunde lassen die Kugeln rollen

Die "Electric Friends" wollen ihre Geräte-Sammlung künftig öffentlich präsentieren

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Sabrina Woggon (links) pflegt ein "Hobby, das nicht jeder hat". Neben ihr spielt Jörg Lepping in der Halle des Vereins, dessen Mitglieder zahlreiche Flipper-Automaten gesammelt haben. - © Foto: Krull
Sabrina Woggon (links) pflegt ein "Hobby, das nicht jeder hat". Neben ihr spielt Jörg Lepping in der Halle des Vereins, dessen Mitglieder zahlreiche Flipper-Automaten gesammelt haben. (© Foto: Krull)

Lemgo (lz).Mit bunt blinkenden Flipper-Automaten hat der Verein "Electric Friends" eine Halle an der Lageschen Straße bestückt. Jetzt will der Club seine Schätze zugänglich machen und das "Museum zum Anfassen" öffnen.

Kim Danielmeier weiß, wie’s geht. Er steht lässig mit den Handinnenflächen gegen einen Flipperautomaten gestützt und jagt die Stahlkugel durch die "Twilight Zone" zu neuen Rekorden. Danielmeier ist Vorsitzender des Flippervereins, der die Maschinen in der Halle auf dem ehemaligen Stegelmann-Gelände an der Lageschen Straße gesammelt hat. Sie erinnern an kleine Kneipen, vergangene Zeiten und verflipperte Jugendtage.

Jeden ersten und dritten Samstag oder Sonntag im Monat sollen sich Neugierige jetzt die Flipper ansehen können. "Der Tag steht noch nicht ganz fest, wird aber auf unserer Internetseite bekanntgegeben", wirft Mitbegründer Martin Langenau ein, auf dessen Initiative sich in Lemgo schon 2003 ein Kern von Flipperliebhabern gebildet hatte.

Der ist inzwischen zu einer beachtlichen OWL-Flipperliga gewachsen und Teil einer weltweiten Gemeinde von Freunden der interaktiven Automaten. "Es boomt", weiß Vereinsmitglied Jörg Lepping und berichtet von europaweiten Turnieren, "Conventions" und Weltmeisterschaften, auf denen Hunderte Teilnehmer sich regelmäßig "die Stahlkugel geben".

Ist das die Sehnsucht nach unkomplizierter Vergangenheit, eine Gegenreaktion auf allzu perfekte digitale Welten? Ja, schon, räumen die Vereinsmitglieder ein. Sie seien alle ein bisschen "verrückt". Was ja schon wieder normal ist, denn das haben sie mit anderen Jägern und Sammlern gemeinsam. Dann ist da noch die Geselligkeit, die Lust am Schrauben und die Jugenderinnerungen, die wieder lebendig werden, wenn sie beispielsweise in der Wiederholung von "Drei Engel für Charly" einen "Night-Rider"-Flipperautomaten sehen, an dem sie so manche Stunde verbracht haben.

Dabei sind Flipper eine "bedrohte Art". Sie sind aus den Gaststätten und Spielhallen weitgehend verschwunden. Wenn man sie auch kaum noch in der Öffentlichkeit sieht, so vegetiert die Art noch in vielen ehemaligen Partykellern und Garagen dahin. "Selbst in so einer kleinen Stadt wie Lemgo stehen noch 20 Flipper irgendwo rum", meint Danielmeier – Material für das "Museum zum Anfassen", das der Verein mit den "interaktiven Murmelbahnen" aufgebaut hat.

Die Vereinsmitglieder wollen aber auch Hilfe für diejenigen anbieten, die ihr Gerät wieder herrichten und in die Wohnung stellen möchten. Und: Sie wollen nicht mit einer Spielhölle verwechselt werden. "Hier kann man kein Geld verspielen", sagt Langenau. Die Geräte sind freigeschaltet, und Jörg Lepping zeigt einen Mustersteckbrief, der zu jedem Gerät erstellt wird und die wesentlichen Daten preisgibt. Sind das jetzt alles Männerspielzeuge? Sind im Verein die üblichen Herren im mittleren Alter unter sich? "Wir haben auch Frauen in der Truppe, das ist kein reines Männerhobby", stellt Danielmeier fest. Gestylt im Stil der 50er Jahre, erinnert sich beispielsweise Gründungsmitglied Sabrina Woggon an den Flipper ihrer Kindheit. Sie mag das "Hobby, das nicht jeder hat". www.electric-friends.de

Geräte sind aus den Kneipen verschwunden
"Ein Flipperautomat (kurz Flipper; englisch: pinball machine) ist ein Geschicklichkeits-Spielautomat ohne Geldgewinnmöglichkeit", heißt es bei Wikipedia. Schon 1871 gab es einen Vorläufer, ein Brett, auf dem Felder mit unterschiedlichen Punktzahlen mit Nägeln gekennzeichnet waren. In denen blieb dann die Kugel hängen. Die Flipper, also die kurzen Hebel, die mit seitlichen Knöpfen kontrolliert und mit denen die Stahlkugeln im Spiel gehalten werden, tauchten kurz nach 1948 an den Geräten auf. Die produzierten Stückzahlen blieben aber immer relativ gering. 1979 hatte Deutschland mit rund 200 000 aufgestellten Geräten die größte "Flipperdichte". Das Modell "Addams Family" ist mit mehr als 20 000 produzierten Exemplaren der meistverkaufte Flipper. Obwohl sie das Sprechen lernten und moderne Elektronik spendiert bekamen, konnten sich die Flipper nicht auf dem Markt halten. Die Firmen "Stern Pinball" und "Jersey Jack Pinball" produzieren immer noch Flipper. (khk)

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