In der Mittelstraße wird es bunt

In der Mittelstraße soll der Stein aus China Einzug halten – in zwei Formaten

Till Brand

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Zwei zur Auswahl: Landschaftsarchitektin Anke Deeken stellt den Politikern das schwedische Pflaster (im Vordergrund) und den Granit aus China vor. - © Till Brand
Zwei zur Auswahl: Landschaftsarchitektin Anke Deeken stellt den Politikern das schwedische Pflaster (im Vordergrund) und den Granit aus China vor. (© Till Brand)

Lemgo. Die Entscheidung ist gefallen: Farbiger Granit aus China soll in den kommenden vier Jahren in der Innenstadt verlegt werden. Doch Stadtentwicklungs- und Verkehrsausschuss haben am Dienstag nicht nur über das Grundmaterial befunden – auch das Aussehen der Mittelrinne und der Traufstreifen direkt vor den Geschäften steht fest.

„China dreifarbig“, fasste Veronika Sauerländer, Vorsitzende des Stadtentwicklungsausschusses, die Entscheidung zusammen. Ausgelegt ist diese Variante bei der Probefläche auf Höhe des Rathauses gleichwohl nicht – dort wurde „China vierfarbig“ gepflastert, inklusive gelber Steine. Dem Votum der Politiker zufolge sollen aber keinerlei gelbe Steine verarbeitet werden.

Genau das hatte auch Landschaftsarchitektin Anke Deeken empfohlen, da die gelben Steine doch deutlich empfindlicher als ihre andersfarbigen Pendants seien. Stadtplanerin Berit Weber befand ebenfalls: Bei Dunkelheit steche der gelbe Stein zu sehr hervor.

Noch lieber wären dem Bauamt und der Landschaftsarchitektin die Steine aus Schweden gewesen (Deeken: „Sie haben in sich mehr Nuancen“). Doch die Fraktionen wünschten sich bei insgesamt nur einer Enthaltung den Granit aus China. Wolfgang Führing (CDU): „Wir sind für den lebhafteren Stein. Das belebt die Mittelstraße.“ Renate Bauer (SPD) fand, das China-Pflaster „nimmt die Farben der Fassaden auf“. Barbara Schiek-Hübenthal, FDP-Fraktionschefin, fand die Fernost-Variante schlichtweg „lebendiger“.

Für Oliver Drexhage von den Grünen sprach zwar die räumliche Nähe für den Schweden-Stein. „Wenn es aber fair gehandelt ist, sind wir auch für das farbige Modell aus China.“ Am Preis konnten es die Politiker schließlich nicht festmachen. Zwar verlangen die Skandinavier zehn Prozent mehr fürs Material – angesichts der Gesamtbausumme von 8,3 Millionen Euro gab es über diese 150.000 Euro aber keine Diskussion.

Auch entlang der Geschäfte, bei den sogenannten schmalen Traufstreifen, soll der Granit und kein Sandstein, der stärker verschmutzt, zum Einsatz kommen. Allerdings wird der einzelne Stein hier nicht länglich, sondern eher quadratisch zugeschnitten.

Die Mittelrinne soll nach Meinung der Politiker als Mulde verlegt werden anstatt mit klar geschnittenen Kanten. Auch für Blinde ist dies interessant. Hatte doch der Landesbehindertenverband echte Leitbänder gewünscht, wie sie hellweiß etwa an Bushaltestellen liegen. „Solch ein Leitsystem braucht man aber nur, wenn man sich zu verirren droht oder Gefahren lauern, wie auf dem Bahnsteig“, sagte Markus Baier, Geschäftsbereichsleiter Bauen.

Eine genaue Wegeführung für Blinde tue angesichts der schmalen Mittelstraße nicht Not. Zumal exakt die nun ausgewählte Mittelrinne in einem Leitfaden des Bundes als Alternative zu Leitstreifen aufgeführt sei. Die Behindertenbeauftragten aus Lemgo und Lippe gaben ihr Okay.

In die Fugen kommt kein Mörtel; es wird Material eingefegt. Das hat einen guten Grund: Weil unter der Mittelstraße viele Leitungen und Kanäle liegen, kann es sein, dass sie öfter aufgerissen werden muss. Die Fugen möchte die Stadt möglichst schmal gestalten, daher werden die Steine geschnitten, nicht gespalten.


So sehen die Pläne für die Mittelstraße aus. Die Grafik in voller Größe finden Sie HIER


Laternenmasten sollen nahezu überall verschwinden

Mit ihrer Entscheidung von Dienstag haben die Fachausschüsse nicht nur das neue Pflaster für die Mittelstraße ausgesucht. Auch das übrige Ausbauprogramm für die Fußgängerzone ist damit auf den Weg gebracht worden. Was ist im Einzelnen geplant?

Zeitplan: Mit dem Beschluss kann die Stadt den Umbau der Mittelstraße über den Winter anschieben... das Ganze ausschreiben, Firmen aussuchen und Aufträge vergeben. Wichtig ist dies, damit die Pflasterer nach Wetterlage noch im Frühjahr anfangen können, um es 2016 wie geplant vom Lippegarten bis zur Wasserstraße zu schaffen. Erst kommen der Kanal, Wasser-, Fernwärme- und Telefonleitungen, dann der Unterbau und schließlich das neue Pflaster. Drei Bauabschnitte sind für die Jahre bis 2019 geplant: alle vergleichsweise kurz, um nicht zeitgleich die halbe Mittelstraße aufzureißen.

Beleuchtung: Die Stadt will sich fast komplett von der klassischen Mastlaterne verabschieden. Künftig sollen kaum noch Masten in der Fußgängerzone stehen. Ausnahmen wird es geben müssen – beispielsweise am Ostertor, wo es nicht möglich ist, die Ausleuchtung allein von den Fassaden her zu sichern. Im Übrigen werden überwiegend Strahler an die Häuser angebracht, die den Straßenraum ausleuchten und gegenüberliegende Fassaden in Szene setzen sollen. Für jedes Haus wird es hierzu ein Lichtkonzept geben. Das Lampenmodell steht noch nicht fest, soll aber ohnehin gestalterisch zurückhaltend sein.

Bänke, Mülleimer und Fahrradständer: Bislang stehen diese in den meisten Fällen in direkter Nachbarschaft zu Laternen. Da jedoch kaum noch Mastleuchten in der neuen Mittelstraße stehen sollen, fallen diese als Orientierungspunkte weg. Die Bänke und Mülleimer sollen weiter an den Rand rücken, um die sogenannte Flanierzone in der Mitte von „Gedöns“ zu befreien. Welche Bank, welcher Mülleimer ganz konkret gekauft wird, haben Stadt und Politiker noch nicht entschieden – es wird Muster geben.

Einmündungen: Hier möchte die Stadt im Einzelfall entscheiden, wie der neue China-Granit in der Mittelstraße und das aus einer Gasse oder Nebenstraße kommende Pflaster aneinander stoßen. Kommt ein hochwertiges Material aus der Seitenstraße an, könnte es ergänzt werden. Das Ziel: eine möglichst harmonische Angleichung, die den Materialmix nicht so hervorhebt. Das Traufpflaster, das sich vor den Häusern entlang zieht, wird an den Einmündungen unterbrochen, um diese zu betonen. Bei wichtigen Nebenstraßen soll es Reliefs geben.

Baukosten
: 9500 Quadratmeter Mittelstraße hat die Stadt vor der Brust. Inklusive Material wird der Straßenbau auf 4,3 Millionen Euro geschätzt. Für den Kanal, der noch von 1938 stammt, sind etwa 4 Millionen Euro vorgesehen. Dazu kommen Ausgaben, die bei den Stadtwerken als Tochtergesellschaft anfallen: weitere 2 Millionen. Unterm Strich stehen so etwa 10,3 Millionen.

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