Queer-Café lädt Menschen jedweder sexueller Orientierung zum Gespräch ein

Tanja Watermann

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Werbung für den Treffpunkt: Sozialreferent Johannes Nock (30) hat das Queer-Café im Sommer-Semester 2015 ins Leben gerufen und weist mit Plakaten und Flyern auf die Treffen hin. Sie sollen einen Raum für Austausch, Vernetzung und Diskussion für alle Studierenden der Hochschule OWL, gleich welcher sexuellen Orientierung, bieten. Auch Gäste sind willkommen. - © Tanja Watermann
Werbung für den Treffpunkt: Sozialreferent Johannes Nock (30) hat das Queer-Café im Sommer-Semester 2015 ins Leben gerufen und weist mit Plakaten und Flyern auf die Treffen hin. Sie sollen einen Raum für Austausch, Vernetzung und Diskussion für alle Studierenden der Hochschule OWL, gleich welcher sexuellen Orientierung, bieten. Auch Gäste sind willkommen. (© Tanja Watermann)

Lemgo. Viele Städte arbeiten aktiv daran, „bunter“ zu werden, mehr Toleranz für die Vielfältigkeit der Menschen zu zeigen und ihnen eine Plattform zu geben. Seit dem Sommersemester 2015 öffnet an der Hochschule OWL in Lemgo zwei Mal im Monat das Queer-Café der Studentenvertretung (AStA).

Hier können sich Schwule, Lesben, Inter-, Bi- und Transsexuelle, polyamouröse und alle anderen Studenten treffen und austauschen – und auch Azubis und Berufstätige sind willkommen. „Queer“ ist amerikanisch und bedeutet „andersartig“. Student Johannes Nock (30) ist Sozialreferent an der Hochschule und hatte im Winter 2014 die Idee für diesen besonderen Ort der Begegnung. Ihm ist wichtig zu betonen, dass es sich nicht um eine „Coming-out“-Gruppe handelt, sondern dass es das Ziel ist, sich ungezwungen austauschen zu können. Eine feste Tagesordnung gibt es an den Queer-Nachmittagen nicht.

Zurzeit setzen sich die Studenten zusammen, trinken Kaffee, sprechen über Filme oder diskutieren rege über Themen, die die Welt bewegen. „In Lemgo gibt es (noch) keinen Raum für Subkulturen. Ich kann hier keine ganze Szene abdecken, aber es ist ein Anfang“, erklärt Nock, der sich wünscht, dass jeder seine eigene Ausrichtung offen ausleben darf.

„Oft ist es keine Frage, ob man seine sexuellen Vorlieben preisgeben will, sondern auch eine Frage der Sicherheit. Auch hier in Lemgo gehe ich nicht mit meinem Freund Hand in Hand durch die Stadt, denn man provoziert Reaktionen“, erklärt der Student, der sich in kreativen Aktionen für die Vielfältigkeit in der Alten Hansestadt einsetzt.

Valide Statistiken zur sexuellen Orientierung gibt es nicht, jedoch liegt der vermutete Prozentsatz der Nicht-Heterosexuellen bei acht bis zehn Prozent. Bei 4.000 Studenten gäbe es in der Hochschule rechnerisch knapp 400 Interessenten für das Queer-Café.

Um Schwellenängsten zu begegnen, bietet Nock auf den Flyern und Postkarten mit einem hellblauen Schaf als Symbol den Kontakt zum „Queer-Buddy“ an. Wer nicht alleine ins Café kommen möchte, verabredet sich vorab mit einem „Buddy“ (Kumpel), so dass der erste Besuch entspannter ist. „Künftig soll es Filmvorführungen und Vorträge mit queer-spezifischen Inhalten geben. Großen Bedarf sehe ich für eine Auseinandersetzung zum Thema Blutspenden, da es ,Männern, die mit Männern schlafen‘ immer noch untersagt wird“, berichtet er über seine Erfahrung bei einer Aktion vom Roten Kreuz.

Das Café läuft gerade erst richtig an und ist in erster Linie für Studenten gedacht. Auch für Menschen, die im Berufsleben stehen oder eine Ausbildung absolvieren, stehen die Türen des AStA-Büros jeden ersten Dienstag und dritten Donnerstag von 16.00 Uhr an offen.

Unter queer@asta-lemgo.de ist Johannes Nock als Gründer des Cafés erreichbar.

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