Mittelstraßen-Umbau: Lemgo legt die Stolpersteine gut weg

Bevor der Bagger mit der großen Schaufel zupackt, stellen die Arbeiter die kleinen Erinnerungsstücke an die jüdischen Nazi-Opfer sicher.

Till Brand

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Petra Hilker vom Mittelstraßen-Infobüro, Bauleiter Klaus Hagemeister, Kultur-Geschäftsbereichsleiterin Annette Paschke-Lehmann mit Enkel Paul, Bürgermeister Dr. Reiner Austermann und Kulturausschussvorsitzende Liesel Kochsiek-Jakobfeuerborn (von links) sehen zu, wie Ernst Breithaupt mit Spezialgerät einen der Stolpersteine aus dem Mittelstraßenpflaster zieht. - © Till Brand
Petra Hilker vom Mittelstraßen-Infobüro, Bauleiter Klaus Hagemeister, Kultur-Geschäftsbereichsleiterin Annette Paschke-Lehmann mit Enkel Paul, Bürgermeister Dr. Reiner Austermann und Kulturausschussvorsitzende Liesel Kochsiek-Jakobfeuerborn (von links) sehen zu, wie Ernst Breithaupt mit Spezialgerät einen der Stolpersteine aus dem Mittelstraßenpflaster zieht. (© Till Brand)

Lemgo. In dem neuen Granitpflaster, das in den kommenden vier Jahren in der Mittelstraße verlegt wird, sollen die Stolpersteine besser zur Geltung kommen als bisher. Sie erinnern vor deren einstigen Wohnhäusern an die jüdischen Nazi-Opfer. Die Arbeiter haben nun die ersten Exemplare gesichert – sie werden bis zur Verlegung des neuen Pflasters sicher verstaut.

Auch für die erneute Pflasterung, bei der nach Angaben von Bauleiter Klaus Hagemeister der großformatigere chinesische Granit entsprechend zugeschnitten wird, zeichnet die Stadt selbst verantwortlich: für Bürgermeister Dr. Reiner Austermann ein Vertrauensbereich. Behält es sich Künstler Gunter Demnig, dessen Projekt auf inzwischen mehr als 40.000 verlegte Steine nicht nur in Deutschland zurück blickt, doch nach Angaben des Stadtoberhauptes vor, bei Neuverlegungen im Zweifel selbst tätig zu werden.

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Schließlich sind die mit einer gravierten Metallplatte beschlagenen Quader keine normalen Pflastersteine. Sie stehen für menschliche Schicksale und sollen entsprechend würdevoll behandelt werden. Lemgo genieße hier nach einer bereits erfolgreich abgeschlossenen Neuverlegung allerdings offensichtlich Gunter Demnigs Vertrauen, blickt Austermann auf die Zusage des Urhebers, die Arbeiten in die Hand der Stadt zu legen.

Im neuen Pflaster besteht die Chance, die Steine gleich an gut sichtbarer Stelle und in passender Ausrichtung zu verlegen. Das alte Pflaster hatte Demnig seinerzeit etwas eingeschränkt – durch die Waschbetonplatten aber auch durchs schräg angeordnete Pflaster, in denen die Stolpersteine nun teilweise schräg zu den Häusern stehen. „In Zukunft sollen sie deutlicher wahrgenommen werden", hofft Bürgermeister Austermann. Denn die Steine können sich sehen lassen. Gibt es doch inzwischen eine Kooperation mit der Jugendfeuerwehr, die für die Reinigung der stadtweit 51 Exemplare – die meisten in der Innenstadt – verantwortlich zeichnet. Zwei Mal im Jahr rückt der Nachwuchs mit Schrubbern an.

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