Vatertag mit Edel-Bollerwagen

Yvonne Glandien

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Arbeiten seit Wochen an ihrem Bulli: (von links) Marek Hanheide, Lucas Steinmeier, Till Johannmeier, Gernot Becker, Leon Szage und Marvin Stockhuß. - © Yvonne Glandien
Arbeiten seit Wochen an ihrem Bulli: (von links) Marek Hanheide, Lucas Steinmeier, Till Johannmeier, Gernot Becker, Leon Szage und Marvin Stockhuß. (© Yvonne Glandien)

Lemgo-Leese. Dem Namen nach ist es den Männern vorbehalten, wenn sich am Vatertag mit Sack und Pack und Bollerwagen karawanenartige Züge durch die Straßen bewegen. In Lemgo steckt noch etwas mehr dahinter. Hier geben sich besonders die Jugendlichen richtig Mühe, den Feiertag voll auszunutzen. Und wie das geht, machen sieben Jungs aus Leese vor.

„Eigentlich war es nur eine Schnapsidee", erzählt Till Johannmeier. Dass zu Vatertag etwas Besonderes her sollte, war längst klar. Gemeinsam mit seinen Freunden Leon Szage, Marvin Stockhuß, Gernot Becker, Lucas Steinmeier, Marek Hanheide und Pascal Kastrup entwarf er einen Plan für ein auffälliges Gefährt. Bereits im vergangenen Jahr war die Clique mit ihrem außergewöhnlichen Wagen im Abteigarten aufgefallen.

„Die meisten Bollerwagen dort sind ein bisschen langweilig. Wir wollten etwas mit Wiedererkennungswert", meint Gernot Becker. Und Wiedererkennungswert hat der VW T1, den sich die jungen Männer in den vergangenen vier Wochen zum Vorbild genommen haben.

Bei Wind und Wetter haben sich die Freunde jeden Tag getroffen, auch an den Wochenenden, und an ihrem Wagen gebastelt. „Wir haben beinahe jedes Teil selbst gebaut, jede Schraube selbst gedreht, auch die Verkabelung für die Musikanlage gelegt", sagt Marvin Stockhuß stolz. Sogar der Rahmen ist selbst geschweißt.

Die handwerklichen Fähigkeiten kommen dabei nicht von ungefähr. „So richtig wussten wir erst nicht, was wir tun. Wir haben einfach angefangen", erzählt Leon Szage. Doch einige von ihnen, so wie er selbst, haben diese Arbeit in die Wiege gelegt bekommen. Lucas Steinmeier zum Beispiel fährt in seiner Freizeit viel Kart, „da wird auch mal einiges selbst geschraubt."

Hinter der blau-weißen Fassade zeigt sich erst die ganze Arbeit, die die Männer geleistet haben. Klappen an der Seite und am Heck bieten eine Theke sowie einen geschickten Zugriff zum Innenleben. Hier ist Platz für Autobatterien, die den Betrieb der Musikanlage sichern. „Es wird viele Schlager geben, aber auch einiges aus den 90ern und 80ern", erzählt Marek Hanheide. Daneben wollen sie einen Grill und Grillgut sowie die dazugehörige Kühlung mittels Eiswürfeln und ein paar Getränke transportieren.

Das Trinken spielt für die Gruppe aber eher eine nebensächliche Rolle. „Wir haben uns vier Wochen lang Mühe gegeben und gemeinsam Zeit verbracht, das war das Wichtigste daran. Es hat uns zusammengeschweißt", erzählt Gernot Becker. Für die Gruppe zähle der Spaß an der Veranstaltung. Wünschen würden sie sich allerdings, dass die Bollerwagenkultur mehr gefördert würde. Einen Wettbewerb im Abteigarten gefiele den Bastlern gut.

Die Jugend braucht auch einen Platz
Es wird in der Innenstadt am Feiertag vermutlich wieder eine besondere Atmosphäre herrschen, wenn sich Hunderte zum Feiern treffen. Vor allem Jugendliche zieht es dabei in den Abteigarten. Im vergangenen Jahr haben sich dort etwa 600 Menschen versammelt, berichtet Hendric Schwär-Fröhlich vom Jugendamt Lemgo.

„Etwa zwei Drittel dort sind in der Regel Mädchen", meint Schwär-Fröhlich. Hier wird der Vatertag nicht so wörtlich genommen, wie in anderen Städten. Auch der Alkoholgenuss stehe nicht so sehr im Vordergrund. In den vergangenen Jahren habe es zwar kleinere Auseinandersetzungen gegeben, die Lage sei aber im Großen und Ganzen ruhig geblieben. „Wir rechnen mit ganz überwiegend friedlich feiernden Jugendlichen", meint Schwär-Fröhlich.

Zeitgleich nutze das Jugendamt den Anlass für eine Präventionskampagne. In der Lemgoer Innenstadt werde unter dem Motto „Alkohol? Kenne dein Limit" an verschiedenen Stellen über Alkoholmissbrauch aufgeklärt. Hierfür wurden bereits im Vorfeld Briefe zum Jugendschutz verschickt.

Während des Vatertages werden außerdem Müllbeutel an die Umherziehenden verteilt. „Wir als Stadt sind eigentlich recht froh, wenn sich die Jugendlichen alle an einer Stelle treffen. So lässt sich das Aufräumen am nächsten Tag besser handhaben", sagt der Jugendamtler. Vorausgesetzt, dass dies wieder im Abteigarten der Fall sei, würden Polizei und Stadt gemeinsam dafür Sorge tragen, dass am Abend wieder
Ruhe einkehre.

„Die Jugendlichen wollen einen Platz zum Feiern haben. Wir als Stadt gehen da positiv dran", meint Hendric Schwär-Fröhlich, der selbst den ganzen Tag vor Ort sein wird.

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