Absolutes Raketen- und Böllerverbot im Staff-Park Lemgo

Till Brand

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Böller (© Symbolbild: Pixabay)
Sauerei: Partygäste haben in der letzten Neujahrsnacht Spuren im Staff-Park hinterlassen. - © Privat
Sauerei: Partygäste haben in der letzten Neujahrsnacht Spuren im Staff-Park hinterlassen. (© Privat)

Lemgo. Der Staff-Park ist eine Top-Adresse, was die Begrüßung des neuen Jahres angeht. Eine Spitzen-Sicht auf die Stadt, auf Leuchtfeuer und Raketenschein in den Gassen Lemgos. Doch nach den Erfahrungen der vergangenen Silvesternacht sieht sich die Staff-Stiftung gezwungen, in ihrer Grünanlage härtere Saiten aufzuziehen – mit Hilfe eines Sicherheitsdiensts.

Zur Erinnerung: Im vergangenen Jahr war im Staff-Park nach der Silvesterböllerei mit bestem Blick auf die Lemgoer Stadtsilhouette so viel Müll zusammengekommen, dass die Staff-Stiftung lange damit beschäftigt war, alles wegzuräumen und die Scherben aus dem Rasen zu klauben. Der soll übrigens eigentlich als Futter dienen.

Nach Angaben von Ralf Gerke, dem Geschäftsführer der Staff-Stiftung, gilt in diesem Jahr ein absolutes Raketen- und Böllerverbot in der Naherholungsanlage. Ebenso dürfen keine Glasflaschen mitgebracht werden, weil diese im vergangenen Jahr so zahlreich zerdeppert worden waren. Tagelang hätten kleine Glasscherben aus dem Rasen geklaubt werden müssen, der eigentlich als Rinderfutter diene.

Zwei Anhängerladungen an Müll kamen zusammen. „So etwas haben wir noch nicht erlebt – um Viertel vor zwölf kamen mindestens 25 Autos, die Kofferräume voll mit Krachern und Raketen", betonte Gerke im vergangenen Jahr.

Dieses Mal ist der Sicherheitsdienst jedoch angewiesen, hart durchzugreifen. Der Geschäftsführer: „Es werden nur Leute reingelassen, die kein Feuerwerk und keine Glasflaschen mitbringen." Ausnahmen? Gibt es keine.
Der Staff-Stiftung steht es frei, solche Verbote zu erlassen, handelt es sich bei dem Park unterhalb des Waldrandes doch um ihr Privatgelände – Ähnliches gilt für die Kuppe des Biesterbergs, die im Übrigen Naturschutzgebiet ist und wo die Stiftung nach Angaben des städtischen Pressesprechers Karl-Heinz Mense ebenfalls die Hosen anhat.

Bereits am Himmelfahrtstag habe die Stiftung gute Erfahrungen gemacht, wenn gleich rigoros durchgegriffen werde, bevor es richtig eskaliere, sagt Gerke. Andere neuralgische Punkte sieht Frank Laukamp, für die öffentliche Ordnung zuständiger Geschäftsbereichsleiter der Stadt, nicht.

Ob der Wetterlage blickt auch Feuerwehrchef Klaus Wegener dem Treiben vergleichsweise entspannt entgegen. Brennende Papierkörbe zum Jahreswechsel gehörten zwar zum Tagesgeschäft, so dass sich seine Truppe in halber Stärke einsatzbereit halte. Mit Sorge sieht der Wehrführer dagegen das Aufrüsten seitens der Böllerindustrie. „Immer länger, immer größer", ärgert sich Wegener.

Würden sich alle an das Bundessprengstoffgesetz halten, wäre der historische Innenstadtring von Lemgo faktisch knallerfreie Zone. Steht doch in der Verordnung, dass beispielsweise 200 Meter rund um Kirchen oder Fachwerkhäuser nicht geböllert werden darf. Und in Lemgo steht bekanntermaßen an jeder Ecke zumindest ein historischer Giebel... Andere Städte – Tübingen, Konstanz, Hildesheim – haben Raketen und Böller in den historischen Altstädten verboten.

So etwas ist in Lemgo nicht geplant. „Was schon verboten ist, müssen wir nicht noch mal verbieten", sagt Bürgermeister Dr. Reiner Austermann. So bewegt sich die verrauchte Silvesternacht in einer Grauzone.

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