Dörthe Höft rät zur Fastenkur - Gesundbrunnen mit Apfel

Alexandra Schaller

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Mit einem Apfel geht es los: Nach dem Fasten leitet ein Apfel den Start der Aufbautage ein. - © Alexandra Schaller
Mit einem Apfel geht es los: Nach dem Fasten leitet ein Apfel den Start der Aufbautage ein. (© Alexandra Schaller)

Lemgo. Ein Croissant zum Frühstück, mittags Spaghetti in der Kantine und abends geht es zum Chinesen. Schon beim Gedanken daran knurrt der Magen. Wer fastet, muss darauf allerdings verzichten – bis zu zehn Tage lang. Die Lemgoerin Dörthe Höft ist ärztlich geprüfte Fastenberaterin. Sie steht Menschen auf ihrem Weg durch die Fastenzeit zur Seite und ist vom positiven Effekt des zeitweisen Verzichts überzeugt.

Vor einem Jahr haben Sie noch Kühlschränke & Co. verkauft. Jetzt sind Sie Coach fürs Fasten – hat beides mit Essen zu tun. Ist aber doch eine ungewöhnliche berufliche Veränderung.

Dörthe Höft: Nicht unbedingt. Jetzt beschäftige ich mich quasi mit der Software des Kühlschranks – nämlich den Lebensmitteln, die darin stecken. Ich wollte in meinem Leben etwas ändern, mich bewusster ernähren. Und bin dadurch zum Fasten gekommen.

Was finde ich denn aktuell bei Ihnen im Kühlschrank?

Höft: Dazu muss man sagen, dass ich gerade nicht faste. Viel Gemüse, Salate und Obst. Aber durchaus auch Käse, Wurst, Fleisch, Fisch, viel in Bio-Qualität.

Sie fasten nach Buchinger. Wie läuft das konkret ab?

Höft: Man beginnt mit Entlastungstagen, an denen leicht verdauliche Kost zu sich genommen wird. Mit Hilfe von Abführsalz wird der Darm entleert: Jetzt beginnt das eigentliche Fasten, also der Verzicht auf feste Nahrung. Pro Tag sollten dann maximal 500 Kilokalorien in flüssiger Form aufgenommen werden.

500 Kalorien – so wenig? Das ist ja gerade mal ein Cheeseburger...

Höft: Zum Beispiel, den gibt es dann aber garantiert nicht. Stattdessen einmal täglich Gemüsebrühe, und sonst nur Tee, Wasser oder Saft. Danach folgen Aufbautage – das „Fastenbrechen" wird regelrecht zelebriert: Denn das erste feste Nahrungsmittel, das dann gegessen wird, ist in der Regel ein Apfel.

Quasi der Sündenfall...

Höft: (lacht) Danach ernährt man sich nach und nach wieder normal.

Und das ist wirklich gesund?

Höft: Meiner Meinung nach ja. Schließlich benötigen wir 30 Prozent unserer Energie für die Verdauung. Nehmen wir aber nur flüssige Nahrung zu uns, reduziert sich dieser Anteil und kann anderweitig eingesetzt werden. Studien belegen, dass Fasten viele positive Nebeneffekte haben kann – auch bei Krankheiten.

Ist Fasten gleichbedeutend mit Hunger?

Höft: Auf keinen Fall. Es steckt so viel mehr dahinter. Gepaart mit Bewegung und Erholung entspannt das Fasten und befreit von Stress. Man nimmt seinen Körper bewusster wahr und fühlt sich wie neu geboren. Fasten kann richtig Spaß machen.

Spaß – mit knurrendem Magen?

Höft: Am ersten Tag knurrt der Magen, das stimmt. Dann heißt es: standhaft bleiben, viel trinken. Bereits am dritten Tag schaltet der Stoffwechsel auf die „Ernährung von innen". Er geht dann an unsere Reserven und Depots. Dann ist auch das Hungergefühl weg.

Wie viel speckt man dabei ab?

Höft: Je mehr man wiegt, desto mehr wird man abnehmen. Wenn man allerdings anschließend genauso weiter isst, wie davor, hat man die verlorenen Pfunde schnell wieder auf den Hüften. Fasten sollte immer mit einer Ernährungsumstellung und Bewegung einhergehen, um der Gesundheit langfristig etwas Gutes zu tun.

Birgt das Fasten auch Gefahren?

Höft: Jeder, der sich körperlich fit fühlt, kann problemlos fasten. Wichtig ist immer: viel trinken. Mindestens zwei bis drei Liter pro Tag sind Pflicht. Bei Untergewicht, der Einnahme bestimmter Medikamente oder anderen Vorerkrankungen sollte vorab immer ein Arzt konsultiert werden.

Wie schaffe ich es, fünf bis zehn Tage durchzuhalten?

Höft: Man muss es wollen und konsequent sein. Sich in einer Gruppe auszutauschen, kann helfen. Und sich etwas zu gönnen – eine Massage etwa. Man wird überrascht sein, wie gut man ohne feste Nahrung auskommt. Je öfter man fastet, desto leichter fällt es.

Kann ich während der Fastenkur arbeiten? Was macht der Verzicht mit meinem Leistungsvermögen?

Höft: In den ersten drei Tagen kann es zu Stimmungsschwankungen kommen, denn unsere Hormone müssen sich erst an die neue Situation gewöhnen. Durch den plötzlichen Kaffeeentzug könnten Kopfschmerzen auftreten. Jeder reagiert anders. Manche Menschen können sich sogar besser konzentrieren, während sie fasten oder sind sportlich erfolgreicher. Wichtig ist immer, in Bewegung zu bleiben. Fasten bedeutet nicht, nur auf dem Sofa zu liegen.

Die fünf wichtigsten Regeln zum Fasten
Ärztlicher Rat: Auch Dörthe Höft empfiehlt, sich vor dem Fasten von einem Arzt gut durchchecken zu lassen. Selbst während der Fastenzeit kann es sinnvoll sein, hin und wieder den Arzt zu konsultieren. Hat man bereits eine Vorerkrankung, sollte ausschließlich unter ärztlicher Aufsicht gefastet werden – etwa in einer Fastenklinik. Menschen mit Unter- oder starkem Übergewicht, einer Erkrankung an Schilddrüse, Leber oder Niere sollten nicht fasten.

Verzicht: Ein Tabu während der Fastenzeit sind sogenannte Genussgifte. Dazu gehören Alkohol, Nikotin und Koffein.

Flüssigkeitszufuhr: Trinken ist das A und O. Vor allem ausreichend elektrolytreiche Flüssigkeit sollte zu sich genommen werden – mindestens zwei bis drei Liter täglich in Form von Gemüsebrühe, Schorlen oder Mineralwasser.

Aufbauzeit: Bekommt der Körper einige Tage keine feste Nahrung, muss sich die Darmflora im Anschluss erst wieder daran gewöhnen – das kann bis zu vier Tage dauern. Am besten startet man mit Äpfeln und Kartoffeln. Kohl, Bohnen und Fleisch sollten anfangs vermieden werden.

Bewegung: Um dem Abbau von Muskeleiweiß vorzubeugen, ist Bewegung wichtig. Höft empfiehlt zudem Entspannungstechniken wie Yoga oder Meditation.

Information
Persönlich
Dörthe Höft ist 44 Jahre alt, verheiratet und hat drei Kinder. Die Lemgoerin hat jahrelang den Elektrofachhandel Höft geleitet. 2016 hat sie die Ausbildung zur „Ärztlich Geprüften Fastenleiterin dfa" (Deutsche Fasten Akademie) erfolgreich abgeschlossen. Ab Mitte Februar will sie Gruppen- und Einzelkurse zum Fasten anbieten. „Meistens trifft man sich morgens und abends – es geht um praktische Infos, Rezepte, Bewegungs- und Entspannungseinheiten – alles rund um das Fasten und den Erhalt des Fastenerfolgs." Für Fragen stehe sie dann rund um die Uhr zur Verfügung. Zudem möchte sie eine Praxis für Gesundheit, Fitness und Ernährung eröffnen. Kontakt unter doerthe.hoeft@googlemail.com oder Tel. (01 70) 7 76 60 65.

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