Karla Raveh ist tot

Till Brand

  • 5
Karla Raveh starb in Lemgo - © privat
Karla Raveh starb in Lemgo (© privat)

Lemgo. Karla Raveh, Ehrenbürgerin der Stadt Lemgo, ist tot. Knapp zwei Wochen nach ihrer Feier zum 90. Geburtstag ist sie in ihrer Heimatstadt gestorben. Hier hatte sie noch am 15. Mai mit einer großen Feierstunde in der nach ihr benannten Gesamtschule den runden Geburtstag begangen. "Die alte Hansestadt trauert mit den Angehörigen um ihre Ehrenbürgerin", teilt Pressesprecher Karl-Heinz Mense mit. Karla Raveh verstarb am frühen Samstagmorgen im Klinikum Lemgo.

Anfang des Monats war Karla Raveh aus Anlass ihres 90. Geburtstages eigens aus Israel gekommen - begleitet wurde sie dabei von LZ-Mitarbeiterin Judith Stracke. Mehr als 140 Gratulanten zählte Bürgermeister Dr. Reiner Austermann bei dem Geburtstagsempfang in der Karla-Raveh-Gesamtschule. Auch Landrat Dr. Axel Lehmann und Schulleiter Bernd Hendig hatten in ihren Ansprachen die menschliche Größe und das Lebenswerk der Holocaust-Überlebenden hervor gehoben.

Karla Raveh wurde als Tochter der alteingesessenen Lemgoer jüdischen Familie Frenkel im Haus Echternstraße 70 geboren. Nur ihre Großmutter Helene Rosenberg und Karla Raveh selbst überlebten als einzige Familienmitglieder den Holocaust. Alle anderen zehn Familienangehörigen starben im Warschauer Getto, in Theresienstadt oder im Vernichtungslager Auschwitz.

Nach ihrer Emigration nach Israel nahm Karla Raveh in den 1980er Jahren den Kontakt zu ihrer Heimatstadt wieder auf - und berichtete fortan über ihre grauenvolle Erlebnisse in der Zeit des Nationalsozialismus. "Seitdem hat sie nicht nur mit ihren Erzählungen und Aufzeichnungen über ihr eigenes Schicksal und das ihrer Familie maßgeblich zu der Entstehung der Dokumentations-, Begegnungs- und Gedenkstätte Frenkel-Haus und der Aufarbeitung der jüdischen Geschichte in Lemgo beigetragen", ordnet die Stadt Lemgo das Leben Karla Ravehs ein.

Auch in vielen Gesprächen mit jungen Menschen habe sie die Zeit des Nationalsozialismus begreifbar gemacht. Trotz ihres hohen Alters nahm sie interessiert am Leben der Stadt teil - am vergangenen Wochenende war sie noch Gast beim großen Hansefrühstück auf dem Marktplatz gewesen. "Sie ging aus dem vollen Leben", schreibt die Stadt.

Die Stadt hat Karla Ravehs Familie noch in der Nacht über den Tod benachrichtigt - ein Sohn ist bereits am Samstagnachmittag in Lemgo eingetroffen. Ihrem Wunsch gemäß wird Karla Raveh ihre letzte Ruhe in Tivoon in Israel finden - an der Seite ihres Ehemannes Szmuel. Die alte Hansestadt wird die Rückführung organisieren.

Ab Montag, 14 Uhr, soll in der Rathaushalle am Marktplatz ein Kondolenzbuch ausliegen. Das Gebäude ist täglich von 7 bis 17 Uhr geöffnet.

Copyright © Lippische Landes-Zeitung 2018
Texte und Fotos von lz.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

5 Kommentare
5 Kommentare

Das Kommentieren ist nur mit einem gültigen LZ-Plus-Zugang möglich. Jetzt testen!