Welt-Down-Syndrom-Tag: Achtjährige Lemgoerin spielt in Musikvideo mit

Sandra Castrup

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Mag es bunt: Die achtjährige Svenja Middeke aus Lemgo bei ihrem Auftritt im Musikvideo zu dem Inklusions-Song "Du bist so". - © Carolin Stangenberg
Mag es bunt: Die achtjährige Svenja Middeke aus Lemgo bei ihrem Auftritt im Musikvideo zu dem Inklusions-Song "Du bist so". (© Carolin Stangenberg)

Lemgo. Heute ist Welt-Down-Syndrom-Tag. Menschen mit Trisomie 21 sollen damit eine Stimme bekommen. Wie könnte das besser funktionieren, als mit einem Song? Aus dieser Idee einer Elterninitiative ist ein deutschlandweites Musikvideo-Projekt geworden. Mitten drin: die achtjährige Svenja Middeke aus Lemgo.


Sie mag Musik, wenn sie laut ist. „Thunderstruck" von AC/DC zum Beispiel. „Hauptsache, es kracht richtig", sagt Nicole Middeke und blickt lächelnd auf ihre Tochter Svenja. Partymusik geht auch und im Moment läuft im Hause der Middekes hauptsächlich ein Lied rauf und runter: „Du bist so und ich bin anders. Wir sind schön und gut und richtig wie wird sind." Geschrieben hat diesen Inklusions-Song Sebastian Dold, Frontmann der Kinder-Rockband Krawallo. Und das kam so: „Meine Freundin Vanessa Kristina Kristahn hatte im Oktober 2018 die Idee, ein Musikvideo zum Welt-Down-Syndrom-Tag zu drehen", erzählt Nicole Middeke. „Vanessa hat einen kleinen Jungen mit Down-Syndrom und wir haben uns über Facebook kennengelernt."

Eine geheime Facebook-Gruppe wurde gegründet und nahm in kürzester Zeit eine positive Eigendynamik auf. „Plötzlich hatten wir 130 Kinder zusammen, zahlreiche Sponsoren, sieben bekannte Bands und vor allem die Zusage von Sebastian Dold, einen passenden Song zu texten." Die 45-Jährige meldete sich freiwillig, als Mütter für den Backgroundchor gesucht wurden. „Dabei hatte ich nur Schulchor-Erfahrung", verrät die Krankenschwester und muss rückblickend schmunzeln, wenn sie an die unzähligen Aufnahme-Wiederholungen in einem Tonstudio auf einem Kornboden im Nirgendwo denkt.

Das Video wurde anschließend in einer Diskothek in Ibbenbüren gedreht. „Das Drehteam wollte möglichst keine Eltern dabeihaben, wir mussten uns also im Hintergrund halten", sagt Nicole Middeke. Sie hatte Bedenken, ob Svenja und die anderen Kinder auf der Tanzfläche lange genug bei der Stange bleiben würden. Doch die Sorge erwies sich als völlig unbegründet. „Svenja hat dank Luftballons und Konfetti zwei Stunden abgerockt."

Ein normales Leben und Spaß

Drei weitere Kinder aus Lippe seien dabei gewesen und Svenjas zwölfjähriger Bruder Jan, der vor allem das anschließende Holi-Spektakel voll cool fand. „Diese Aktion mit dem Farbpulver war ein großartiges Erlebnis", sieht Nicole Middeke die vor Glück strahlenden Augen noch genau vor sich. Und genau darum gehe es. „Wir Eltern wollen zeigen, dass wir ein normales Leben führen und durchaus auch Spaß haben." Mit dem Projekt soll eine Botschaft in die Welt gesetzt werden. Ein Zeichen für Akzeptanz, Vielfalt und Inklusion.

„Der Song wird per Untertitel noch auf Englisch übersetzt und es gibt bald die Noten dazu, denn mehrere Schulchöre haben bereits danach gefragt." Die Ostschule von Eben- Ezer, die Svenja besucht, übt bereits fleißig. „Das wird nicht das letzte Projekt gewesen sein", ist sich Nicole Middeke sicher. Sie zähle dabei auf das immer größer werdende Netzwerk der „Ja-Sager" zu Trisomie 21.

Erlös kommt komplett der Stiftung zugute

Ab sofort ist der Song in allen gängigen Streaming-Diensten verfügbar. Sämtliche Erlöse kommen der Deutschen Stiftung für Menschen mit Down-Syndrom zugute. Alle beteiligten Künstler verzichten daher auf Gagen. Neben zahlreichen Einzelkünstlern waren die Bands Krawallo, Andi und die Affenbande, Lieselotte Quetschkommode, Ich & Herr Meyer, Randale, Markus Rohde sowie Suli Puschban an dem Projekt beteiligt.

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