Ausstellung im Düsseldorfer Landtag blickt auch nach Lemgo

Till Brand

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Das „Schofar", das alte Widderhorn, aus der früheren Lemgoer Synagoge ist im Frenkelhaus ausgestellt. - © Städtische Museen Lemgo
Das „Schofar", das alte Widderhorn, aus der früheren Lemgoer Synagoge ist im Frenkelhaus ausgestellt. (© Städtische Museen Lemgo)

Lemgo. Zurzeit ist Lemgo im Landtag in Düsseldorf präsent – und zwar im Rahmen einer landesweiten Ausstellung mit Info-Tafeln über die Gedenkstätten in ganz Nordrhein-Westfalen. Der Titel der am Dienstag eröffneten Schau: „Mehr als man kennt – näher als man denkt". Dabei geht es einer Presseinformation des Landestages zufolge um Objekte, die normalerweise an NS-Gedenkstätten und Erinnerungsorten im ganzen Land gezeigt werden.

„Diese Geschichten erzählen von Menschen, denen die Gegenstände gehörten, denen sie geraubt wurden oder die sie für die Gegenwart retteten." Hinter jedem Objekt stehe eine Gedenkstätte – für Lemgo ist dies das Frenkelhaus, in dem einst Lemgos Ehrenbürgerin Karla Raveh (früher Frenkel) lebte und von wo sie und ihre Familie von den Nationalsozialisten deportiert wurden.

Ein Widderhorn aus der zerstörten Synagoge

Mit der Beteiligung an der Ausstellung reiht sich Lemgo zwischen 29 Gedenkstätten aus NRW ein, die etwas für den Landtag beigesteuert haben. Aus Lemgo geht es dabei um das alte Widderhorn, das „Schofar". Zum Einsatz kommt ein solches am jüdischen Neujahrstag, es produziert überraschend laute und nicht immer wohlklingende Töne, heißt es weiter.

Denn mit dem jüdischen Neujahrstag beginne eine „sehr ernst gestimmte Phase von zehn Tagen, in denen die Menschen sich um Versöhnung und Verständigung mit ihren Nächsten bemühen sollen". Das Schofar ist zusammen mit zwei kleinen Löwenfiguren aus Metall das Einzige, was aus der Lemgoer Synagoge erhalten blieb, die am 10. November 1938 niedergebrannt wurde.

Entdeckt wurde das Schofar in den Nachkriegsjahren von Shmuel Raveh, dem Ehemann Karlas. Er war, geboren in Polen, als Zwangsarbeiter nach Deutschland verschleppt worden und kam nach seiner Befreiung 1945 in ein Lazarett in Lemgo. Dort eröffnete er 1946 einen Laden für Haushaltswaren und Küchengeräte und wurde auf einem Flohmarkt auf die Objekte aus der von den Nazis zerstörten Synagoge aufmerksam. In Lemgo lernte Shmuel Raveh die Holocaust-Überlebende Karla Frenkel kennen. Beide heirateten und wanderten im Jahre 1949 nach Israel aus. Schofar und Löwen nahmen sie dorthin mit.

Ausstellung zu Shmuel Raveh ab Mitte Mai im Hexenbürgermeisterhaus

1988 brachte Karla Raveh aber das Schofar und die Löwen anlässlich der Eröffnung der Gedenkstätte Frenkelhaus wieder mit in die alte Hansestadt, wo sie seither zu sehen sind – als „Weck- und Mahnruf für die nachfolgenden Generationen", wie es seitens der Landeszentrale für politische Bildung heißt.

Die genannten Originalstücke aus der Lemgoer Synagoge werden dieses Jahr übrigens in einer Sonderausstellung im Museum Hexenbürgermeisterhaus zu sehen sein, wie Museumsleiter Fabian Schröder betont. Die Ausstellung widmet sich dem Leben Shmuel Ravehs – die ihm gewidmete Ausstellung soll ab dem 16. Mai eröffnet werden.

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