Kurator Dr. Bischoff erklärt, wie die Kunst ins Museum kommt

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Sammler Wolfgang Hönle besuchte seine entliehenen Kunstwerke in der Sonderausstellung „Alchemie – Magie oder Naturwissenschaft?“ im Weserrenaissance-Museum Schloss Brake. Kurator Dr. Michael Bischoff freut sich über den Kontakt. - © WRM/Herrmann
Sammler Wolfgang Hönle besuchte seine entliehenen Kunstwerke in der Sonderausstellung „Alchemie – Magie oder Naturwissenschaft?“ im Weserrenaissance-Museum Schloss Brake. Kurator Dr. Michael Bischoff freut sich über den Kontakt. (© WRM/Herrmann)

Lemgo. So mancher Besucher fragt sich, woher die vielen Ausstellungsstücke in einem Museum eigentlich stammen. Das Weserrenaissance-Museum Schloss Brake in Lemgo beispielsweise greift nach eigenen Angaben bei Sonderausstellungen teilweise auf eigene Bestände zurück, leiht sich passend dazu aber von unterschiedlichen Seiten gerne hochkarätige Gemälde, Grafiken und Skulpturen aus.

So auch im Fall der aktuellen Sonderausstellung „Alchemie – Magie oder Naturwissenschaft?“. Über einen gemeinsamen Freund kam der Kontakt zwischen dem Kurator der Ausstellung, Dr. Michael Bischoff, und dem Kunstsammler Dr. Wolfgang Hönle zustande. Rund 20 Exponate, die noch bis zum 29. Mai im Weserrenaissance-Museum Schloss Brake zu sehen sind, stammen aus dessen Privatbesitz.

Der Sammler besucht seine Kunst im Museum

Jetzt stattete der Sammler dem Museum einen Besuch ab. „Einerseits freue ich mich, dass meine Objekte hier ausgestellt und somit einer breiten Öffentlichkeit sind. Andererseits klafft bei mir zuhause jetzt ein großes Loch an der Wand“, sagt Wolfgang Hönle. Eines seiner Lieblingsstücke ist das Ölgemälde „Der kleine Alchemist“ aus den Jahren 1755/69 von Charles Eisen. Vor sechs Jahren hat er es ersteigert. Zu sehen ist darauf ein kindlicher Alchemist, dem nach dem Anfachen des Feuers mit dem Blasebalg die Versuchsanordnung explodiert.

Doch Wolfgang Hönle kann nicht nur das Gemälde sein Eigen nennen – ihm gehört auch eine später entstandene Radierung, die er bereits vor etwa 30 Jahren im Berliner Auktionshaus Bassenge ersteigerte. Er nennt es "eine perfekte Kombination". Besonders am Herzen liegt Wolfgang Hönle auch der ausgestellte Figurenleuchter „Paracelsius“ aus Meißner Porzellan. Das Ende des 19. Jahrhunderts entstandene Werk zeigt einen melancholisch sinnenden Alchemisten, aus dessen Börse sich Goldstücke ergießen.

Kunst als Ausgleich zum Beruf

Wolfgang Hönle, der 1947 im bayerischen Oettingen geboren wurde und jetzt in Ettlingen bei Karlsruhe lebt, arbeitete Zeit seines Berufslebens als Chemiker. Als Ausgleich zur Labortätigkeit sammelte er Kunst. Den Beginn machten während seiner Studienzeit in Münster Floh- und Antikmärkte. Nach dem Studium wechselte der Chemiker nach Stuttgart an das neugegründete Max-Planck-Institut für Festkörperforschung. Stuttgart bot ihm eine Antiquariatsmesse, die internationale Anbieter zusammenführt. Hinzu kamen kulturelle Angebote, die sein Kunstwissen schärften.

Später eröffneten ihm die Onlinekataloge der großen Antiquariate und Auktionshäuser neue Möglichkeiten. 1999 ging Hönle an das Institut für Chemische Physik fester Stoffe der Max-Planck-Gesellschaft nach Dresden. Um die über die Jahre systematisch aufgebaute Sammlung Hönle zu bewahren, gründete Hönle im Jahr 2017 die rechtlich unselbstständige Wolfgang Johannes Hönle-Stiftung Kunst und Chemie unter der Treuhänderschaft der Gesellschaft Deutscher Chemiker (www.gdch.de/gdch/stiftungen/wolfgang-j-hoenle-stiftung.html). Das Motto der Stiftung lautet "Die Wissenschaft ist der Verstand der Welt, die Kunst ihre Seele" (Maxim Gorki).

Die Sammlungsteile zur Chemie befinden sich noch in Hönles privatem Besitz. Aus diesem Grafiken, Gemälden, Skulpturen und Kunsthandwerk stellte er Exponate für die aktuelle Ausstellung im Weserrenaissance-Museum Schloss Brake zur Verfügung. Die Auswahl entstand bei einer Vor-Ort-Besichtigung des Ausstellungskurators Michael Bischoff.

Glück für Lemgo

„Welch ein Glück für unsere Besucher, für uns und für die Ausstellung, dass dieser einmalige Kontakt zustande gekommen ist. Denn die gut sortierte Sammlung an Alchemisten- und Chemiker-Darstellungen enthält alle ikonographischen Meilensteine“, freut sich Kurator Dr. Michael Bischoff.

Die Sonderausstellung „Alchemie – Magie oder Naturwissenschaft?“ ist noch bis 29. Mai im Weserrenaissance-Museum Schloss Brake zu sehen, und zwar dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr. An Feiertagen ist das Museum auch montags geöffnet. Der Eintritt kostet 6 Euro. Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre zahlen nichts.

Passend zur Ausstellung bietet das Haus museumspädagogische Programme und Begleitveranstaltungen an. Weitere Infos gibt es unter www.museum-schloss-brake.de.

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