Traditionsbäckerei zu verschenken

Die Krachts wollen sich von ihrem Haus trennen - Neuer Besitzer muss nur das Grundstück bezahlen

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Traditionsname: Die Bäckerei Kracht in der Breiten Straße/Ecke Neue Straße. Das Haus ist jetzt gratis zu haben, wenn der neue Besitzer das dazu gehörige Grundstück kauft. Foto: Reineke
Traditionsname: Die Bäckerei Kracht in der Breiten Straße/Ecke Neue Straße. Das Haus ist jetzt gratis zu haben, wenn der neue Besitzer das dazu gehörige Grundstück kauft. Foto: Reineke

Lemgo (Rei). Eine Lemgoer Institution zum Nulltarif: Laut Angaben von Herbert Kracht (72) wird das Haus der Traditionsbäckerei Kracht in der Breiten Straße kostenlos abgegeben. Die einzige Bedingung: Der neue Besitzer muss das dazu gehörige Grundstück kaufen.

Versuche, in dem Ende Februar 1998 geschlossenen Bäckerei-Café wieder eine Gastronomie anzusiedeln, schlugen bereits vor Jahren fehl. Jetzt wohnt nur noch der Sohn von Herbert Kracht im Haus. Die ehemaligen Café-Räume und die hinten angrenzende Bäckerei stehen seit langem leer. "Auch der Backofen ist weg, es sind nur noch ein paar Knetmaschinen da", so Herbert Kracht. Zu dem ungewöhnlichen Angebot habe er sich zusammen mit seinen Brüdern Heinz (77) und Hermann (76) entschlossen, weil mit dem Gebäude nur Kosten verbunden seien. Als Preis für das Innenstadt-Grundstück stellen sich die Brüder 170 Euro pro Quadratmeter vor.

Das Haus Kracht steht unter Denkmalschutz. Der Fachwerkbau stammt aus dem Jahre 1456, die angrenzende Scheune, wo die Backstube untergebracht war, aus 1792. Die Familie Kracht übernahm das Bürgerhaus 1856. In vier Generationen wurden an der Breiten Straße Backwaren hergestellt und verkauft. Bekannt war der Name Kracht insbesondere für die Strohsemmel - und das weit über die Grenzen der Stadt hinaus. Lieferungen der ebenso schmackhaften wie haltbaren Ware wurden von Lemgo bis nach Südamerika exportiert. Die täglich rund 1000 gebackenen Spezialitäten gingen meistens im wahrsten Sinn des Wortes "weg wie warme Semmeln". Dabei war die Herstellung sehr aufwändig: Die Krachts (betrieben wurden die Bäckerei von Heinz und Herbert) siedeten den Semmelteig noch, so dauerte die gesamte Herstellungsprozedur gut zwei Stunden. "Normale Brötchen dauerten bei uns nur die Hälfte der Zeit", so Herbert Kracht. Noch genau kann sich der Bäcker an weitere markante Zahlen erinnern: "Der Ofen wurde auf 280 Grad geheizt. Die Semmel backten darin genau zehn Minuten - natürlich auf Stroh."

In einem Schaufenster der Krachtschen Bäckerei hängt noch heute das Rezept für Original-Strohsemmel. Vielleicht hat der neue Besitzer ja auch eine Schwäche für die Lemgoer Spezialität...

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