Heimatverein bringt Voßheider Dorfchronik heraus

Von Tanja Fritzensmeier

Stolz auf die Chronik: Heimatvereinsvorsitzender Gerd Habericht (links) und Autor Ernst Rehm schlagen ein druckfrisches Exemplar im Bergkrug auf. - © Foto: Fritzensmeier
Stolz auf die Chronik: Heimatvereinsvorsitzender Gerd Habericht (links) und Autor Ernst Rehm schlagen ein druckfrisches Exemplar im Bergkrug auf. (© Foto: Fritzensmeier)

Lemgo-Voßheide. "Es ist vollbracht. Die Voßheider Chronik ist fertig. Davon haben wir lange geträumt." Mit diesen Worten hat Gerd Habericht, Vorsitzender des Heimatvereins, in der Gaststätte Bergkrug das Werk "Voßheide – eine Chronik" präsentiert. Dahinter steckt eine siebenjährige Detektivarbeit.

Information
800 Jahre Geschichte

Um 1200 wird zum ersten Mal der Name "Voßhagen bei der Voßheide" urkundlich erwähnt. Dahinter steckte die Gründung der Hagen-Höfe mit dem Weideland zwischen der Passade und der Haselbeke. Im Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) wurde Voßheide komplett zerstört. Das älteste heute noch stehende Haus stammt aus dem Jahr 1672. Allerdings wurden viele Bauelemente der zerstörten Gebäude in den heutigen Höfen verarbeitet. 1669 wird zum ersten Mal vom Schulwesen in Voßheide gesprochen. Nach einer Kollektensammlung 1717 wurde eine Schule gebaut und ein Jahr später eingeweiht. 1772 zogen erste Auswanderer nach Ost-Indien, insgesamt wanderten 150 Einwohner aus Voßheide ab. Um 1800 hatte der Ort etwa 800 Einwohner. Nachdem Voßheide zuvor den evangelischen Gemeinden St. Johann und Brake angeschlossen war, begann 1954 der Bau einer eigenen Kirche. Heute hat Voßheide etwa 1200 Einwohner. Seit 1973 ist das Dorf nicht mehr selbständige Gemeinde, sondern Ortsteil von Lemgo. (taf)

Auf 319 Seiten umfasst das Buch die Geschichte der ansässigen Höfe und ihrer Familien, die Entstehung und Änderung von Ortsnamen, die Auswanderer, die Schulgeschichte, Urkunden und Briefe sowie Bilder von der ländlichen Wohn- und Arbeitswelt ab 1881 sowie aktuelle Farbfotos.

Den Titel schmückt eine Landkarte von Voßheide mit der Grenze von 1670, die heute noch gültig ist, sowie das Voßheider Wappen. "Das ist das erste Mal, dass wir vom Heimatverein ein Buch vorstellen. Wir schulden Ernst Rehm einen besonderen Dank für seine Mühe und Arbeit", betonte Gerd Habericht.

Sieben Jahre akribische Suche

Seit gut zwölf Jahren hegt der Heimatverein Voßheide den Gedanken an eine Chronik, bis sich Mitglied Ernst Rehm 2003 bereit erklärte, die Daten von den ansässigen Bauern zu sammeln.

Aber der heute 82-Jährige hatte auch einen persönlichen Beweggrund: "Ich habe meine eigene Hofgeschichte geschrieben und stieß an meine Grenzen, da ich bei den Ur-Großeltern schon keine Antwort mehr fand. Da wurde ich neugierig." Sieben Jahre lang hat Rehm akribisch an der Chronik gearbeitet. Da er bei den Höfen nicht weiter kam, verbrachte der 82-Jährige den Großteil seiner Zeit mit Papier und Stift im Staatsarchiv Detmold sowie in den Archiven der Landeskirche und der Kirchengemeinde Brake.

Die dortigen Mitarbeiter hätten ihm sehr geholfen. "Viele Briefe und Urkunden sind in altdeutscher Schrift, was Jüngeren vielleicht Probleme bereiten wird. Die zu entziffern, war mitunter sehr kompliziert", erklärte Rehm. "Abends habe ich mich dann an den Computer gesetzt und alle Daten geordnet."

Arbeit war fesselnder als jeder Krimi

In Voßheide sind alle Höfe von 1467 bis 1875 belegt. Wo es Lücken gab, hat Ernst Rehm in Prozessakten oder Eheverträgen die nötigen Informationen gefunden und dabei wahre Detektivarbeit geleistet. "Das war fesselnder als jeder Krimi und die spannendste Aufgabe, die ich je im Leben gehabt habe."

Auch die Bilder von den Höfen und dem heutigen Voßheide hat Ernst Rehm selbst gemacht. "Viele Neubürger waren erst skeptisch, als ich mit der Kamera auftauchte. Aber als sie erfuhren, was ich mache, wollten sie mich gar nicht mehr gehen lassen und immer mehr erfahren."

Bei den Texten wurde der Voßheider von dem Historiker Manfred Köllner aus Delbrück unterstützt. Die erste Auflage der Chronik beträgt 700 Stück. Sie gibt’s für 25 Euro bei "HolzLand Rehm", Gerd Habericht, 05261-88210, oder im Bergkrug.

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