Karriere von Scarlet Romeo startet im Lemgoer Proberaum

Band will mit "progmosphärischem" Rock auf die Bühnen der Clubs

Von Karl-Heinz Krull

Die Jungs von "Scarlet Romeo" - (von links) Mario Ermlich, Julian Grund, Daniel Wimmer und Andreas Lorenz - wollen ihren Proberaum verlassen und live spielen. - © Foto: Krull
Die Jungs von "Scarlet Romeo" - (von links) Mario Ermlich, Julian Grund, Daniel Wimmer und Andreas Lorenz - wollen ihren Proberaum verlassen und live spielen. (© Foto: Krull)

Lemgo. Die Band Scarlet Romeo hat alles. Eine CD, Talent und den Willen, die Bühnen zu erobern. Jeden Donnerstag proben die Rockmusiker in einem Raum an der Lageschen Straße. Die LZ hat sie besucht.

Ein Besuchersofa, ein großer Spiegel, eine breite Fensterfront, alles, was eine Rockband braucht, dazu dämmende Eierkartons an der Decke. "Die sind nicht von uns", lacht Daniel Wimmer, "aber schaden können sie an der Betondecke auch nicht." Die Bandmitglieder wohnen in Lemgo, Kalletal, Herford und Gütersloh.

Jeder hat seinen Beruf. Und der hat auch verhindert, dass Olga Hinz, die Sängerin, beim LZ-Termin dabei sein kann. Sie macht eine Ausbildung als Rechtsanwaltsgehilfin. Bassist Andreas Lorenz arbeitet an einer CNC-Werkzeugmaschine, Keyboarder Julian Grund studiert Praktische Informatik, Gitarrist Daniel Wimmer arbeitet als Diplom-Sozialpädagoge, und Schlagzeuger Mario Ermlich verkauft Hörgeräte. "Der macht sich seine Kundschaft selbst", lästert Lorenz unter allgemeinem Gelächter.

Die Stimmung ist gut, und das liegt auch daran, dass die Band frisch ihre erste CD fertiggestellt hat. "Ist schon ein cooles Gefühl", sagt Lorenz und alle nicken. Das Album heißt "Romeo's Arrival" (Romeos Ankunft), und es sind fünf Stücke drauf, deren Länge teilweise an die 60er Jahre erinnert, als "Progressive Rock" als Stilrichtung entstand und viele Musiker-Egotrips in ewig langen Soli endeten. Eine Assoziation, die nicht ganz unbegründet ist.

Sängerin Olga Hinz. - © Foto: Privat
Sängerin Olga Hinz. (© Foto: Privat)

"Wir machen rock- und metallastige Musik", sagt Wimmer und spricht von progressiven Instrumentalstücken, Heavy Metal und atmosphärischen, langen Nummern. "Dafür haben wir das Wort 'progmosphärisch' erfunden", merkt er an.

Der Gitarrist liefert die Idee für neue Songs, aber ist sie erst einmal da, verleihen ihr alle zusammen den letzten Schliff. "Das ist ein demokratischer Prozess. Als die CD fast fertig war, hat sie jeder von uns ständig rauf und runter gehört, um zu sehen, was noch verbessert werden kann", erzählt Schlagzeuger Ermlich.

Alles haben die Scarlet-Romeos selbst gemacht. Dabei ist eine CD herausgekommen, in der Sängerin Olga Hinz mit ihrer ausdrucksstarken und abwechslungsreichen Stimme genauso für die gewünschte Atmosphäre sorgt wie der für diese Musik wichtige Keyboarder, der auch bei Bedarf mal für Glockenschlag oder ein großes Orchester sorgt. Das alles entwickelt sich mit jeder Menge Spielfreude und Professionalität auf einem grundsoliden Schlagzeug- und Bassfundament. Der Gitarrist sorgt oft für die Richtung der Songs, arbeitet mit überraschenden Tempiwechsel und aggressiven Metal-Einsprengseln. In eine Schublade passt das nicht, und es lässt sich auch nicht in Drei-Minuten-Abschnitte fürs Radioprogramm packen.

Da hätten sie es mit Deutschpop in der aktuellen Musiklandschaft vielleicht leichter. "Wir singen Englisch. Das hat sich so ergeben, und unsere Sängerin könnte auch Russisch", lacht Ermlich. "Das ist genau unser Ding, da stehen wir alle voll dahinter", beendet Julian Grund alle Spekulationen über passgenaue Hitparaden-Beats. Wie es weiter geht? Scarlet Romeo sind von ihrer Musik überzeugt. Wimmer: "Wir wollen keine Proberaumband werden, wir wollen auftreten."

Mehr unter: www.scarlet-romeo.de

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