Bezirksvorsitzende Kopp tritt zurück

Heiße Debatte um FDP-Neustart

VON SANDRA SPIEKER

Kopp tritt

als Vorsitzende zurück - © Lemgo
Kopp tritt als Vorsitzende zurück (© Lemgo)

Lemgo. Der Abend war lang, die Debatte emotionsgeladen - am Ende stand ein vorzeitiger Rücktritt. Gudrun Kopp (60) aus Lage stellte beim Bezirksparteitag der FDP in Lemgo ihr Amt als Bezirksvorsitzende zur Verfügung. Hintergrund ist die Abstimmung über einen liberalen Neustart, der die FDP wieder aus der Krise führen sollte - und von Kopp abgelehnt wurde.

Mehrmals trat die Bundestagsabgeordnete und Staatssekretärin im Ministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung an diesem Abend ans Rednerpult. "Wir haben heiß diskutiert", sagt Kopp. Doch der Rücktritt ihrer Vorsitzenden kam für viele, wie etwa ihren Stellvertreter Frank Schäffler, überraschend. Kopp sagt, der Schritt sei wohlüberlegt gewesen und "kein Schnellschuss". Knackpunkt war aber ein ganz bestimmter Punkt auf der langen Tagesordnung: Ein Dringlichkeitsantrag des Kreisverbandes Paderborn, der einen umfassenden programmatischen wie personellen Neustart der FDP vorsieht - sowohl in den Spitzengremien als auch in der Führung der Bundestagsfraktion und der Regierung.

Gudrun Kopp mit Kai Abruszat (MdL aus Minden), Philipp Rösler, Heiner Kamp (MdB aus Versmold), Frank Schäffler (v. l.). - © FOTO: A. FRÜCHT
Gudrun Kopp mit Kai Abruszat (MdL aus Minden), Philipp Rösler, Heiner Kamp (MdB aus Versmold), Frank Schäffler (v. l.). (© FOTO: A. FRÜCHT)


Ein "weitgehend neues und unverbrauchtes Personaltableau" wurde darin gefordert, um der "Nischen- und Klientelpolitik" entgegenzuwirken und eine "liberale Politik in allen Lebensbereichen zu vertreten". Ferner wird in dem Antrag kritisiert, dass bei den Koalitionsverhandlungen nicht auf das Kompetenzressort der FDP, die Steuer- und Finanzpolitik, zurückgegriffen wurde. Um Glaubwürdigkeit zurückzugewinnen, müssten in neuen Koalitionsverhandlungen alle bisher von der FDP besetzten Ministerien und Staatssekretärsstellen neu besetzt werden - auch das Außenministerium.

 Ferner - so heißt es in dem Antrag - müsse das inhaltliche Profil geschärft werden, die Abgrenzung der FDP zu anderen Parteien sei in letzter Zeit kaum noch deutlich geworden. Der angekündigte Neuanfang sei bislang weitestgehend ausgeblieben, Neubesetzungen verschleppt worden. Deshalb bedürfe es jetzt eines "eindeutigen Impulses der Parteibasis, die Verkrustungen in der Führungsspitze endgültig aufzubrechen".

Mit großer Mehrheit beschlossen die Delegierten den Antrag, Kopp stimmte dagegen - und gab ihren Rücktritt bekannt. "Das ist eine Linie, die ich für falsch halte. Sie würde uns noch tiefer in die Krise führen." Sie hält die neuen Ziele für utopisch. "Es gibt schließlich einen bestehenden Koalitionsvertrag mit Ressortverteilung." Ein solcher Neustart würde zudem den designierten Bundesvorsitzenden in eine "nicht gerade komfortable" Lage bringen. "Ich hätte mir für Philipp Rösler die volle Unterstützung gewünscht", sagt Kopp.

Jetzt müsse sie diese Entscheidung akzeptieren, "ohne verärgert zu sein". 16 Jahre lang stand Kopp an der Spitze des FDP-Bezirksverbands. Ihre Stellvertreter Thomas Seidenberg und Frank Schäffler wollen in den kommenden Tagen über Nachfolge und Wahltermin beraten - und vielleicht auch noch einmal über den Abend sprechen. "Das war ein Parteitag, wie wir ihn lange nicht erlebt haben." Kopp hingegen ist sich sicher, dass es mit der FDP auch wieder bergauf geht - nach einer Zeit. "Ich hätte gerne den Generationswechsel etwas seichter gestaltet", sagt die gelernte Exportkauffrau und Dolmetscherin.

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