Kernstück der Braker Ölmühle wird aufwendig saniert

Bauhof-Tischler verarbeiten 45 Meter Holzbalken

Von Stefan Backe

Braker Ölmühle

wird saniert - © Lemgo
Braker Ölmühle wird saniert (© Lemgo)

Lemgo-Brake. Seit 1806 dreht sich das Wasserrad der heutigen Braker Ölmühle. Damit Lemgoer und Touristen diesen schönen Anblick weiter genießen können, laufen derzeit umfangreiche Sanierungsarbeiten.

Eigentlich - da sind sich die Experten der städtischen Betriebe und von "Alt Lemgo" einig - wäre es besser gewesen, das komplette Rad zur Restaurierung abzunehmen. So wie 1985, als Bauhof-Mitarbeiter das heutige, knapp fünf Tonnen schwere Exemplar neu gezimmert und anschließend per Kranwagen wieder an seinen Platz bugsiert hatten. Doch dieses Prozedere hätte den Kostenrahmen gesprengt. So haben sich die Verantwortlichen dazu entschieden, die neuen Teile an Ort und Stelle einzubauen.

"Das ist schon eine echte Quälerei. Da muss man nicht nur ein guter Bautischler sein - dafür braucht man auch ein bisschen Idealismus", lobt Ernst-Antonius Paulussen vom Verein "Alt Lemgo" die Mitarbeiter der städtischen Betriebe. Knapp zwei Wochen lang werden sich Andreas Krüger und Franz Freese dieser Quälerei hingeben - auf Rechnung von "Alt Lemgo" (siehe Infokasten). In dieser Zeit werden sie sich um das Holzgerüst des Mühlrades kümmern und die 10 mal 14 Zentimeter dicken Querstreben Stück für Stück ersetzen. 45 Meter Eichenbalken liegen dazu bereit.

Klappert gerade nicht: Das Mühlrad der Braker Ölmühle wird derzeit saniert. Andreas Krüger (links) vom Lemgoer Bauhof und Ernst-Antonius Paulussen vom Verein "Alt Lemgo" ziehen einen neuen Querbalken fest. - © Foto: Backe
Klappert gerade nicht: Das Mühlrad der Braker Ölmühle wird derzeit saniert. Andreas Krüger (links) vom Lemgoer Bauhof und Ernst-Antonius Paulussen vom Verein "Alt Lemgo" ziehen einen neuen Querbalken fest. (© Foto: Backe)

"Es wurde wirklich dringendstens Zeit für die Sanierung", sagt Vereins-Vorsitzender Karl-Heinz Richter. Mit den Jahrzehnten haben die Kräfte der Natur dem Holz arg zugesetzt. Normalerweise wird die Lebensdauer eines Mühlrades auf 30 Jahre geschätzt – wird es überdacht und so vor allem gegen Frost und Eis geschützt, können es auch ein paar Jahre mehr werden. "Aber eine Überdachung ist ja hier nicht sinnvoll", betont Richter die Funktion der Mühle als Anschauungsobjekt und Sehenswürdigkeit.

Damit die Ölmühle am Schloss Brake pünktlich zum Beginn der warmen Jahreszeit wieder allen Interessierten in voller Pracht zur Verfügung steht, mussten sich die Mitglieder von "Alt Lemgo" in den vergangenen Wochen auch abseits des Mühlrades kräftig ins Zeug legen. So hatte das winterliche Hochwasser große Schäden im Inneren des Gebäudes angerichtet. Zwar hat laut Ernst-Antonius Paulussen der erst vor Kurzem installierte Hochwasserschutz dafür gesorgt, dass kein dreckiges Wasser durch die Türen laufen konnte. Dafür habe das Grundwasser aber vier bis fünf Mal von unten hochgedrückt und die Mühle knietief überflutet: "Kurz nach der umfangreichen Sanierung der vergangenen Jahre war das natürlich besonders ärgerlich." Doch mit vereinten Kräften sei der Raum gesäubert und neu gestrichen worden.

Information

Die Ölmühle am Schloss Brake


Erbaut wurde die unter Denkmalschutz stehende Ölmühle in ihrer heutigen Form 1806. Von 1846 bis zum Ende des aktiven Betriebs 1925 zeichnete die Pächterfamilie Viethmeier für die Produktion verantwortlich.

Bereits kurz danach war die Ölmühle der interessierten Öffentlichkeit zugänglich. 1976 übernahm die Stadt Lemgo das Gebäude in Erbpacht; der Verein "Alt Lemgo" und die Familie Viethmeier sorgten für die Instandhaltung und Pflege. Seit 2007 hat "Alt Lemgo" sein Engagement noch einmal ausgebaut. Per Schenkung übertrugen die Viethmeier-Erben dem Verein die Verantwortung. Die Stadt Lemgo gibt zudem einen jährlichen Zuschuss für die Unterhaltung.

Höhepunkt war die umfangreiche Sanierung der Ölmühle, die 2009 nach zwei Jahren abgeschlossen wurde und die 42 000 Euro sowie Eigenleistung im Gegenwert von 38 000 Euro gekostet hat. Interessierten bietet "Alt Lemgo" Führungen auf Anfrage an, zudem gibt es im Sommer einige Öffnungstage. (bas)

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