Konzert zum Welt-Down-Syndrom-Tag

19-jähriger Adrian gibt in der Big-Band den Takt vor

Von Judith Stracke

Adrian gibt Takt vor - © Lemgo
Adrian gibt Takt vor (© Lemgo)

Lemgo. Tatkräftige Unterstützung erhält die Big-Band des Engelbert-Kaempfer-Gymnasiums. Sie gibt zum Welt-Down-Syndrom-Tag ein Konzert mit Adrian Dück am Schlagzeug. Der 19-Jährige hat Trisomie 21.

Im Musikraum des Gymnasiums herrscht emsige Betriebsamkeit. Probenzeit der EKG-Big-Band unter Leitung von Kiyokazu Kumai. Normalität - und doch ist heute alles ein wenig anders. Zwischen Notenständern und Musikinstrumenten hockt ein Rotschopf im Schalke-Trikot, der sich voller Vorfreude das Schlagzeug von Siebentklässler Max Müller erklären lässt.

Max teilt sich für das Konzert der Band zum Welt-Down-Syndrom-Tag nicht nur das Instrument, sondern mit allen 54 Bandmitgliedern die Sympathie und Bewunderung für den 19-jährigen Schlagzeuger mit dieser Diagnose: "Ich finde es toll, dass Adrian sich das traut. Er ist so ein netter Kerl", meint Max.

Proben mit viel Freude für ihren gemeinsamen Auftritt: Die Mitglieder der Big-Band des Engelbert-Kaempfer-Gymnasiums unter Leitung von Kiyokazu Kumai (vorne links hockend) mit Adrian Dück am Schlagzeug (im blauen Trikot mit Anna Karthaus auf dem Schoß). Links neben ihm sein Freund und Betreuer Alexander Thun. - ©
Proben mit viel Freude für ihren gemeinsamen Auftritt: Die Mitglieder der Big-Band des Engelbert-Kaempfer-Gymnasiums unter Leitung von Kiyokazu Kumai (vorne links hockend) mit Adrian Dück am Schlagzeug (im blauen Trikot mit Anna Karthaus auf dem Schoß). Links neben ihm sein Freund und Betreuer Alexander Thun. (© Foto: Stracke)

Der "nette Kerl" hat aber noch mehr Fans zu seiner Premiere am Schlagzeug mitgebracht. Allen voran sein Betreuer, der gelernte Heilerziehungspfleger Alexander Thun, der Adrian vor fünf Jahren über seine Tätigkeit beim familienunterstützenden Dienst der Lebenshilfe kennen lernte. Inzwischen ist daraus echte Freundschaft geworden, oder wie der 25-Jährige es ausdrückt: "Das Tolle an Adi ist, dass wir immer eine geniale Zeit zusammen haben - ob beim Fußball gucken oder beim Musik machen."

Musik machen ist auch das Stichwort, als der "allerliebste Betreuer der Welt", so wie Adrian Dück seinen Freund nennt, am Klavier Platz nimmt und das eingespielte Duo einen kurzen Vorgeschmack ihres  Könnens gibt. Die Schülerinnen und Schüler sind begeistert und app­laudieren. Unter ihnen Saxophonistin Frederike Karthaus, für die es nichts Außergewöhnliches bedeutet, dass Menschen mit Down Syndrom so leidenschaftlich und gekonnt musizieren.

Quicklebendiger Beweis dafür ist ihre Schwester Anna, vier Jahre alt, die gerne selber mitmischen würde, aber vorerst zum Zuhören von Mama Anja Karthaus "verdonnert" worden ist. Der Umgang mit dem "Anderssein" ist bei den Familien Dück und Karthaus normal. "Anna macht Spaß und es ist toll, sie als Schwester zu haben. Ich liebe sie und bin stolz auf sie. Das Konzert ist eine gute Sache, denn dadurch lernen Menschen, die eigentlich wegen der Musik kommen, Menschen mit Down-Syndrom kennen und haben vielleicht nicht mehr so viele Berührungsängste", hofft die Mutter von der kleinen Anna.

Berührungsängste sind für Adrian in jedem Fall ein Fremdwort. Er hat von Big-Band-Leiter Kumai inzwischen den Dirigentenstab zugesteckt bekommen. "Ein Downi, der dirigieren darf", strahlt er und gibt sogleich sein Debüt als Kapellmeister. Mama Olga Dück, Leiterin eines Gesprächskreises zum Down-Syndrom, ist vom bunten Treiben im Musikraum hoch erfreut: "Jedes Kind ist ein Geschenk. Wir müssen nur manchmal lernen, es als solches anzunehmen." Anja Karthaus nickt: "Das Motto des diesjährigen Down-Syndrom-Tages lautet ,Da bewegt sich was‘. Da passt das Konzert als Eröffnungsveranstaltung für eine Posterausstellung, die Kinder mit Down-Syndrom aus ganz Lippe im Familienverbund zeigen und vorstellen, bestens hinein."

Bestens hinein passt auch Adrian, der nach der Probe nur noch einen Wunsch ­äußert: "Ich möchte einen Dirigentenstab und bestehe darauf, bei der nächsten Probe wieder zu kommen."

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