Gossner-Mission hilft indischen Kindern

Auf Initiative der Lemgoerin Helga Ottow ist in Ranchi eine Kita mit Modellcharakter entstanden

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Sammeln Anregungen im Kindergarten Rampendal: Phoolmani Tirkey (Mitte) und Idan Topno mit Wolf-Dieter Schmelter, Helga Ottow (rechts) und Kita-Leiterin Stefanie Delker (stehend). - © Foto: Asbrock
Sammeln Anregungen im Kindergarten Rampendal: Phoolmani Tirkey (Mitte) und Idan Topno mit Wolf-Dieter Schmelter, Helga Ottow (rechts) und Kita-Leiterin Stefanie Delker (stehend). (© Foto: Asbrock)

Lemgo (as). Besuch aus einem indischen Kindergarten hat die Kita Rampendal nicht alle Tage. Phoolmani Tirkey, Leiterin des Martha-Kindergartens in Ranchi, hat sich angesehen, wie hier Kinder betreut werden.

Den Aufenthalt in der alten Hansestadt hat der Lippische Freundeskreis der Gossner-Mission ermöglicht - und die Inderin damit zum Ursprung ihrer Kita zurück geführt. Es handelt sich um einen reformpädagogischen Kindergarten, der auf Initiative der Lemgoerin Helga Ottow vor einem Jahr von der Gossner-Mission in Ranchi im Bundesstaat Jharkhand gegründet wurde.

Kindergärten, wie wir sie kennen, sind in Indien eher die Ausnahme und den Begüterten vorbehalten. Meist würden Kinder ab dem dritten Lebensjahr in eine Vorschule geschickt, wo sie mit bis zu 40 anderen Kindern in einem Raum still sitzen und Frontalunterricht über sich ergehen lassen müssten, erklärte Tirkey.

Dem wollten Helga Ottow und die Gossner-Mission die Idee entgegen setzen, dass Kinder bis zur Einschulung einfach Kind sein und spielen dürfen, ohne Strenge und Stillsitzen. Tirkey hat festgestellt, dass das den Eltern nicht ohne Weiteres zu vermitteln ist. Zwar gebe es auch in Indien den Wettbewerb der Bildungseinrichtungen und die Einsicht, dass eine gute Bildung die Chance auf gut bezahlte Jobs erhöht. Die Eltern schlössen daraus aber, dass das Kind möglichst früh zur Schule gehen müsse, obwohl es zum Lernen noch gar nicht in der Lage sei.

Der Martha-Kindergarten in Ranchi ist prinzipiell offen für alle, richtet sich mit seinem Angebot aber vorwiegend an die Urbevölkerung, die Adivasi, speziell an die Unterschicht: Bauarbeiter, Putzfrauen, Rikscha-Fahrer sollen hier ihre Kinder betreuen lassen können. Dafür leisten sie einen Monatsbeitrag von weniger als einem Euro, was einem Tageslohn entspricht.

Das Projekt der Gossner-Mission ist auf drei Jahre angelegt. Ein Jahr habe der Bau gedauert, der umgerechnet 30.000 Euro kostete, wie die Theologin Idan Topno aus Ranchi und ihr Ehemann Alex Nitschke berichteten. Die laufenden Kosten betrügen 6.000 Euro pro Jahr – inklusive Lohn für zwei Erzieherinnen, zwei Helferinnen und einen Hausmeister. 25 Plätze für Kinder ab dem sechsten Lebensmonat stehen derzeit zur Verfügung.

Die Gossner-Mission ist laut Freundeskreis-Sprecher Wolf-Dieter Schmelter auf Spenden angewiesen, um den Kindergarten in Ranchi über 2013 hinaus fortführen zu können. Das Projekt habe Signalwirkung: "Viele indische Diözesen sind sehr interessiert, ebenfalls reformpädagogische Kindergärten einzurichten."

An der Seite der Schwächsten
Die Gossner-Mission geht zurück auf dem Berliner Pfarrer Johannes Evangelista Goßner, der sich sehr für sozial Schwache, Kinder und Arbeitslose einsetzte. Am 12. Dezember 1836 entsandte er sechs Handwerker in die Mission - dies gilt als Geburtstag der Gossner-Mission.

Pfarrer Ferdinand Clemen aus Lemgo war ein enger Vertrauter Goßners, er gründete vor 170 Jahren eine der ersten "Kinderbewahranstalten" in Deutschland. Bis heute geht es dem Missionswerk um die Verkündung des christlichen Glaubens, aber auch um handfeste Hilfe für die Armen und Ausgegrenzten. Es ist in Indien, Nepal, Sambia und Deutschland tätig.

Die Bezeichnung "Martha"-Kindergarten leitet sich von dem ersten Waisenkind ab, das die Gossner-Kirche 1846 in Indien taufte, und das dabei einen neuen Namen erhielt.

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