Lemgo stellt Strafanzeige gegen Handball-Star Zerbe

TBV-Beirat entdeckt finanzielle Ungereimtheiten / Holpert von Amt entbunden

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TBV trennt

sich von Holpert - © TBV
TBV trennt sich von Holpert (© TBV)

Lemgo. Erst sickerte die Nachricht von der Burnout-Erkrankung Volker Zerbes durch. Eine Woche später, am 25. August 2012, gab der Handball-Bundesligist TBV Lemgo die Auflösung des Vertrages mit dem Geschäftsführer zum Letzten des Monats bekannt. Doch die wahre Eskalation trat gestern ein: Der Beirat des TBV stellt Strafanzeige gegen seinen ehemaligen Geschäftsführer.

Nebenbei entsprach der einstige lippische Vorzeigeklub dem Angebot seines für den kaufmännischen Part zuständigen Geschäftsführers Fynn Holpert, ihn von seinem Amt zu entbinden. "Aufgrund der einseitigen Berichterstattung über den TBV-Geschäftsführer Fynn Holpert", heißt es in der Pressemitteilung des Klubs, sei der Beirat auf das Angebot Holperts eingegangen. Gegen Holpert laufen bereits seit Januar wegen der Beteiligung an einem hochtrabenden und schnell geplatzten Immobilienprojekt rund um die Lipperlandhalle Ermittlungen.

Beirat zeigt Volker Zerbe an und entlässt Fynn Holpert. - © Archivfoto: LZ
Beirat zeigt Volker Zerbe an und entlässt Fynn Holpert. (© Archivfoto: LZ)

Für den Detmolder Oberstaatsanwalt Michael Kempkes lautet "die zentrale Frage unserer Überprüfung, ob es sich um Urkundenfälschung handelt". Holpert habe mit drei Begleitern in der Sparkasse Lemgo eine Fotokopie eines 200-Millionen-Euro Schecks präsentiert, der "später als Sicherung dienen" sollte, berichtete Kempkes.

Die Begründung der Anzeige gegen Zerbe drängt diesen Fall jedoch in den Hintergrund. Während seiner Recherchen zum Liquiditätsloch von mehr als einer Million Euro, das den Verein im Sommer plötzlich existenziell bedrohte, habe "der Beirat im Rahmen intensiver Überprüfungen Ungereimtheiten festgestellt. Weitergehende Nachforschungen führten zu der Erkenntnis, dass der Verein in den zurückliegenden zwei Geschäftsjahren in sechsstelliger Höhe geschädigt wurde." Darüber hinaus seien abgeschlossene Sponsorenverträge nicht erfüllt worden.

Dass die im Raum stehenden Vorwürfe weit über das handballbegeisterte Lipperland hinaus Wellen schlagen würden, muss dem Beirat mit Herbert Vogel, Ulrich Kaltenborn und Siegfried Haverkamp (Vorsitzender) bewusst gewesen sein. Kein anderer verkörpert den Handball in Lemgo mehr als Volker Zerbe. Der heute 44-Jährige spielte von Kindesbeinen an beim TBV und wechselte nie. Er führte seinen Klub zu nationalen und internationalen Titeln, spielte 284-mal für Deutschland, wurde 2004 in Slowenien Europameister.

Seine aktive Karriere endete mit dem Abschiedsspiel am 4. Juni 2006, seitdem agierte Zerbe als Trainer, Sportlicher Leiter und zuletzt als Geschäftsführer, verantwortlich für den sportlichen Bereich. In Lemgo trägt sogar eine Sporthalle seinen Namen. Und so entschloss sich der Beirat erst zu diesem spektakulären Schritt, als er "die Möglichkeiten eines nicht-öffentlichen Verfahrens zur Beilegung des Konfliktes mit Volker Zerbe" als "erschöpft" ansah. Ein gestriger "letzter außergerichtlicher Einigungsversuch" sei erfolglos geblieben.

Volker Zerbe schwieg zu den Vorwürfen. Seine Frau Petra schirmte ihn am Telefon ab: "Mein Mann ist krank."

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