In Lemgo leben Menschen, die ungewöhnlich heißen

Die Kluckhuhns haben einen Gott im Namen

Von Ines Entgelmeier

Joschka Jakobfeuerborn genannt Clasbrummel trägt einen Namen, der hauptsächlich in Ostwestfalen vorkommt.
Joschka Jakobfeuerborn genannt Clasbrummel trägt einen Namen, der hauptsächlich in Ostwestfalen vorkommt. (© Foto: Mausch)

Lemgo. Ostwestfalen gilt unter Namensforschern als Hochburg ungewöhnlicher Namen. Auch in Lemgo finden sich seltene Namen fernab von Müller, Meier und Schmidt.

43 Treffer ergibt die Suche nach dem Familiennamen Kluckhuhn im Telefonbuch. Davon 31 in Lippe und zwölf in Lemgo. Wer bei dem Namen an besorgte Mütter oder Federvieh denkt, macht es sich zu leicht. Rainer Kluckhuhn stellte sich im Jahr 2000 die Frage nach der Herkunft seines Namens. "Mich erreichte eine Mail von einem Chris Kluckhuhn aus den USA, der auf der Suche nach seinen Nachfahren war", berichtet der Lemgoer.

"Nach den Erzählungen meines Vaters soll ein Lippischer Fürst einen besonders klugen Ratgeber an seinem Hof in Brake gehabt haben. Diesem schenkte er zur Anerkennung einen Hof, den "Klughof", sagt Rainer Kluckhuhn. Später sei dieser von einer Frau mit vielen Kindern bewirtschaftet worden, die Bürger nannten sie nicht die Klughof‘sche sondern Kluckhon‘sche. Als der Pastor den Namen auf Hochdeutsch ins Kirchenbuch eintrug, soll der Name Kluckhuhn entstanden sein.

Eine schöne Geschichte, aber laut Ernst Rehm "der Phantasie entsprungen". Fünf Jahre lang hat er sich mit Familiennamen und Höfen in Voßheide beschäftigt. Er recherchierte in Kirchenbüchern und Prozessakten im Detmolder Landesarchiv. "Der Name Kluckhoen wird urkundlich bereits 1507 im Lippischen Landschatzregister erwähnt, weswegen die Erzählung nicht stimmen kann", erklärt Rehm. Dieser Mann namens Kluckhoen kaufte laut der Aufzeichnungen den Hof. Kluck leitet sich wohl von Klodike, dem Namen eines germanischen Gottes, ab. Hoen bedeutet Hof.

Auch der Nachname von Dieter Jakobfeuerborn genannt Clasbrummel aus Lemgo weist auf eine Wohnstätte hin. "Furborne hieß der Hof in Verl im 14. Jahrhundert, was so viel wie vier Quellen bedeutet", bemerkt Jakobfeuerborn. Im 16. oder 17. Jahrhundert wurde der Hof aufgeteilt. Um die Teile einordnen zu können, wurde jeweils der Vorname des Hofbesitzers vor den Nachnamen gesetzt. So entstanden Jakobfeuerborn, Paulfeuerborn und Tönsfeuerborn.

"Gab es keinen rechtmäßigen Erben für den Hof und die Frau heiratete einen neuen Mann, nahm dieser den Namen des Hofes an. Der Hof zählte mehr als die Person", sagt Matthias Borner, Autor ostwestfälischer Sprachführer. Jakobfeuerborn genannt Clasbrummel war also ein Jakobfeuerborn, der auf den ehemaligen Hof Clasbrummel kam. "Diese Genannt-Namen tauchen hauptsächlich in Ostwestfalen auf", so Borner. Auch bei Clasbrummel handle es sich um einen Wohnstättennamen. Clas kommt von Klaus und brummel hieß soviel wie kleiner Wald.

In Lemgo sind auch Namen vertreten, die aufgrund charakterlicher oder körperlicher Eigenschaft gegeben wurden. Der Name Kuhfuß – dies bedeutet so viel wie Klumpfuß – ist so ein Beispiel...

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