Gutachten: Brandschutz in Leopoldshöhe ist unzureichend

Thomas Dohna

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Leopoldshöhe. Der Brandschutz in Leopoldshöhe ist seit Jahren unzureichend – das ist in der jüngsten Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses deutlich geworden. Bei mehr als 70 Prozent der Einsätze kommt die Leopoldshöher Wehr später und oft mit weniger Leuten als vorgesehen zum Einsatzort.

Wer in Asemissen, Schuckenbaum, Nienhagen, Bexterhagen, Krentrup, Greste und Heipke wohnt oder arbeitet, muss zu lange auf die Feuerwehr warten. Dafür trügen die 70 Feuerwehrleute selbst aber keine Verantwortung, führte der Sachverständige David Bormann von der Firma „Forplan“ aus. Das Unternehmen war von der Gemeinde mit der Überprüfung des Brandschutzbedarfsplanes von 2010 beauftragt worden. Die Gemeinde ist gesetzlich verpflichtet, alle fünf Jahre die Vorgaben dieses Planes zu überprüfen.

So wie die Männer und Frauen der Leopoldshöher Feuerwehr sind auch Tilman Rinsche (links) und Kai Schewe gut ausgebildet und ausgerüstet, wenn ein Notruf eintrifft. Für zu lange Anfahrtszeiten zum Einsatzort können sie aber nichts. - © Thomas Dohna
So wie die Männer und Frauen der Leopoldshöher Feuerwehr sind auch Tilman Rinsche (links) und Kai Schewe gut ausgebildet und ausgerüstet, wenn ein Notruf eintrifft. Für zu lange Anfahrtszeiten zum Einsatzort können sie aber nichts. (© Thomas Dohna)

Die Ausführungen von 2010 sehen ein sogenanntes Einsatzziel von 80 Prozent vor. Mit anderen Worten: Bei einem Brand oder einem Unfall soll ein erstes Einsatzfahrzeug mit neun Einsatzkräften nach spätestens acht Minuten am Einsatzort eingetroffen sein. Dieses Ziel solle in mindestens 80 Prozent der Einsätze erreicht werden. 2009 erreichte die Leopoldshöher Wehr dieses Ziel zu 75 Prozent. In den Jahren 2013 bis 2015 gelang das nur noch bei knapp 27 Prozent aller Einsätze.

In der Zeit zwischen sechs und 18 Uhr wurde das Einsatzziel nur in etwa 14 Prozent der Fälle erreicht. Selbst nachts und am Wochenende, also zu Zeiten in denen die meisten Feuerwehrleute zu Hause sind, wird das Ziel nur zu etwa 33 Prozent erreicht. Zudem rückte die Feuerwehr inzwischen schon aus, wenn nur sechs anstatt neun Einsatzkräfte auf dem ersten Fahrzeug säßen. „Sonst müssten wir zu lange warten“, sagte Wehrführer Harald Schubert in der Ausschusssitzung.

Information
Diese Regel hat Bestand
Wann und mit wie vielen Einsatzkräften eine Feuerwehr am Brand- oder Unfallort eintreffen muss, ist in Empfehlungen der Arbeitsgemeinschaft der Leiter der Berufsfeuerwehren (AGBF) festgelegt. Sie gelten als „Allgemein anerkannte Regel der Technik". Wer sich an diese Regeln hält, hat bei der Beurteilung strafrechtlicher oder zivilrechtlicher Haftung den ersten Anscheinsbeweis für sich, nicht fahrlässig gehandelt zu haben, hat das Bundesverfassungsgericht festgestellt.

In einer zweiten Einsatzfrist müssten innerhalb von 13 Minuten 16 Wehrleute am Einsatzort verfügbar sein. Im Plan von 2010 ist ein Ziel von 90 Prozent festgelegt. Erreicht worden sind durchschnittlich etwa 46 Prozent, 33 Prozent tagsüber und 50 Prozent zu anderen Zeiten.

Bormann machte allerdings auch Vorschläge zur Aufhebung dieser Defizite. Die Gemeinde müsse in Asemissen einen weiteren Standort für ein Feuerwehrfahrzeug schaffen. Dennoch würden auch dann bestimmte Bereiche der Gemeinde nicht in den festgesetzten Zeiten erreicht, wie beispielsweise das Gewerbegebiet Asemissen. Die Gemeinde müsse außerdem eine hauptamtliche Stelle in der Gemeindeverwaltung schaffen. Deren Aufgabe sei die Betreuung der aktiven Wehrleute, die Gewinnung neuen Personals und der Kontakt zu den örtlichen Unternehmen. Hier müsse sich die Verwaltungsspitze und die Politik persönlich mehr engagieren.

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