Jurastudentin Nurcan Aymandir ist sachkundige Bürgerin für die Grünen

Thomas Dohna

  • 0
Will viel erreichen: Nurcan Aymandir engagiert sich im Ausschuss für Generationen, Soziales, Gleichstellung und Sport. Die Jurastudentin will dort erleben, wie praktische Politik funktioniert. - © Thomas Dohna
Will viel erreichen: Nurcan Aymandir engagiert sich im Ausschuss für Generationen, Soziales, Gleichstellung und Sport. Die Jurastudentin will dort erleben, wie praktische Politik funktioniert. (© Thomas Dohna)

Leopoldshöhe. Geplant ist das alles nicht gewesen. Nicht, dass Nurcan Aymandir in Deutschland aufwächst. Geplant war nicht ihr Jurastudium. Es war auch nicht geplant, dass sie seit einiger Zeit als sachkundige Bürgerin für Bündnis 90 / Die Grünen in einem Ausschuss sitzt. Es ergab sich alles aus ihrer Neugier aufs Leben.

Nurcan Aymandirs Eltern stammen aus Kurdistan, aus einem Dorf vor der Grenze zu Armenien. Sie lebten erst in Istanbul. Dort wurde Aymadir vor 26 Jahren geboren. „Mein Vater hatte dort einen Kiosk", berichtet Aymandir. Dann mussten sie weg. Aymandir war drei Jahre alt. Sie zogen nach Deutschland, wurden Leopoldshöhe zugewiesen und beantragten Asyl: „Es hat gedauert, bis meine Eltern anerkannt wurden." Sie lebten in einem Container in Heipke, später als anerkannte Asylberechtigte in einer Wohnung in Asemissen. Der Vater fand Arbeit, die Mutter auch.

Information

Stimmrecht

Sachkundige Bürger können vom Rat zu Mitgliedern der Ausschüsse gewählt werden. Sie besitzen volles Stimmrecht und passives Wahlrecht. Ausschüsse sind nur beschlussfähig, wenn mehr Ratsmitglieder als sachkundige Bürger anwesend sind.

Nurcan Aymandir besuchte die Grundschule Asemissen, dann die Felix-Fechenbach-Gesamtschule. „Mein Abitur war nicht so gut", sagt Aymandir. Ihre Lehrer rieten ihr, Lehrerin zu werden. Sie selbst fand Maschinenbau interessant. Um sich über ihre Neigungen klar zu werden, absolvierte sie ein Freiwilliges Soziales Jahr. Sie hörte in dieser Zeit an der Universität Bielefeld Vorlesungen in verschiedenen Fächern.

Im Fach Jura hörte sie Zivilrecht. „Das fand ich interessant und wollte mehr wissen", erinnert sie sich. Irgendwann war ihr klar, dass Jura das Fach sein würde, was sie studieren wollte: „Ich hatte schnell meine Scheine zusammen." Jeder Jurastudent muss die Rechtsbereiche Zivil-, Straf- und Öffentliches Recht abdecken. Beim Staatsorganisationsrecht blieb Aymandir vieles unklar: „Bis dahin wusste ich gar nicht, wie der Staat funktioniert. Es hatte mich einfach nicht interessiert." Sie machte das, was sie immer macht: Aymandir schaute sich die Sache aus der Nähe an. Bei den Grünen fand sie ein Thema, dass sie interessierte: Umweltpolitik.

„Ich habe die Partei angeschrieben und wurde an die Leopoldshöher Grünen weitergereicht." Sie führte ein Gespräch mit dem heutigen Fraktionssprecher im Gemeinderat Jürgen Hachmeister. Der lud sie ein, die öffentlichen Sitzungen zu besuchen. Aymandir fand spannend, was dort geschah, sie wollte mehr. Die Grünen stellten sie als Sachkundige Bürgerin auf. Inzwischen ist ihr klar, was sie nach dem anstehenden Referendariat werden will: Juristin im öffentlichen Dienst: „Hätte ich gewusst, wie interessant Politik ist, hätte ich schon vorher damit angefangen."

Sie weiß, wem sie ihren Weg zu verdanken hat: „Unsere Mutter hat immer darauf geachtet, dass wir unsere Hausaufgaben machen. Sie legt viel Wert auf Bildung." Obwohl sie selbst keine Schule hätte besuchen dürfen. Wenn alles klappt, wird Aymandir im nächsten Jahr ihr Referendariat in Düsseldorf antreten. Bis dahin will sie ihr Examen wiederholen und so die Note verbessern. Und für ihr Studium arbeiten, wie sie es seit zehn Jahren hält.

Copyright © Lippische Landes-Zeitung 2021
Inhalte von lz.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare