Pläne für Johanneshof in der Kritik

Thomas Dohna

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 Im Johanneshof in Leopoldshöhe soll ein Generationen übergreifendes Wohnprojekt seinen Platz finden. Am West- und Ostrand sind die Parkplätze angedeutet. Die rot überlagerten Flächen zeigen zum Vergleich die Umrisse der abgerissenen Kirche und des Gemeindehauses. - © Land NRW/Zeichnung: Xtraplan.de/Montage: Oliver Wendtland
 Im Johanneshof in Leopoldshöhe soll ein Generationen übergreifendes Wohnprojekt seinen Platz finden. Am West- und Ostrand sind die Parkplätze angedeutet. Die rot überlagerten Flächen zeigen zum Vergleich die Umrisse der abgerissenen Kirche und des Gemeindehauses. (© Land NRW/Zeichnung: Xtraplan.de/Montage: Oliver Wendtland)

Leopoldshöhe. Drei Stockwerke hoch soll das auf dem Grundstück der ehemaligen Johanneskirche an der Herforder Straße geplante Wohnhaus mit aufgesetztem Staffelgeschoss werden. Damit wird es eine Etage mehr haben als die umgebenden Gebäude. Das sorgte im Ausschuss für Hochbau- und Planung für Nachfragen.

In dem Wohnhaus soll ein Generationen übergreifendes Wohnprojekt seinen Platz finden. Der Pöstenhof in Lemgo ist nach Angaben Thorsten Kleinebekels von der Wohnbau Lemgo das Vorbild. Dort leben Familien, Alleinstehende und ältere Menschen zusammen. Sie bewohnen jeweils für sich Wohnungen und können Gemeinschaftsräume nutzen. In den Planungsprozess für das Gebäude sind die zukünftigen Bewohner einbezogen.

Für den Johanneshof kommen die Mitglieder der Interessengemeinschaft seit einem Jahr zu regelmäßigen Treffen zusammen, berichtete ein Sprecher. Hatten sich zunächst vor allem Ältere für das Projekt interessiert, habe man nun auch Familien gefunden. Außerdem seien an dem Prozess auch Menschen mit Handicap beteiligt.

Architekt Frank Hamann schilderte das geplante Flachdach-Gebäude als an die benachbarte Bebauung angepasst. Als Beispiel führte er das Gebäude von Edeka-Brinkmann mit zwei voll und zwei ausgebauten Satteldachgeschossen sowie das deutlich niedrigere historische Hofgebäude des Altenheims Sielemanns Hof an. Zwei in einem V zusammengestellte – je 40 Meter lange – Riegel öffnen sich zur Herforder Straße hin. Dort sollen bis zu 30 Wohnungen untergebracht werden. Die Hauptkörper der Riegel sollen neun Meter hoch werden. Darauf kommt noch ein 2,80 Meter hohes Staffelgeschoss. Die abgerissene Johanneskirche sei acht Meter hoch gewesen, deren Turm 22 Meter.

Wie schon bei der ersten Vorstellung des Projektes im Frühjahr betonte Hamann, dass es sich nur um einen Vorentwurf zur Darstellung des Volumens handele. Auf Nachfrage Gerd Niemanns (CDU) räumte er wie damals ein, dass die Bauform so bleibe, wie soeben vorgestellt. Mehr Transparenz sei möglich. Auf Nachfrage Herrmann Graf von der Schulenburgs (FDP) räumte Hamann ein, dass es aus Kostengründen keine Tiefgarage geben werde. Die etwa 30 Parkplätze müssten auf dem Grundstück Platz finden – entlang der Seite, an der das Sparkassengebäude steht. Jürgen Hachmeister stellte die Frage nach dem Schattenwurf des Gebäudes auf die Nachbarn. „Wir sehen ein Problem des Schattenwurfes so hier heute nicht", sagte Timo Raddatz von der Gemeindeverwaltung.

Die Parteien im Ausschuss stehen dem Projekt grundsätzlich offen gegenüber, wollen über das Thema aber noch in den Fraktionen beraten. Außerdem solle der Sozialausschuss der Gemeinde beteiligt werden.

Städtebauliche Katastrophe

Ein Kommentar von Thomas Dohna

Eine Kommune soll lebenswerte Verhältnisse erhalten und fördern. Dazu gehören auch der soziale Wohnungsbau und besondere Wohnformen. Leopoldshöhe hat in beidem deutlichen Nachholbedarf.

Eine Untersuchung des ehemaligen Seniorenbeauftragten der Gemeinde hat ergeben, dass knapp 500 über 75-jährige Frauen im Gemeindegebiet allein in ihrem Einfamilienhaus leben. Viele andere, jüngere, suchen ebenfalls dringend bezahlbaren Wohnraum. So gesehen ist das Wohnprojekt Johanneshof willkommen zu heißen.

Nur sollte sich gerade ein soziales Wohnprojekt auch um die sozialen und damit auch städtebaulichen Zusammenhänge sorgen. Es muss doch auffallen, dass zwei fast zwölf Meter hohe Riegel an dieser Stelle in der Gemeinde städtebaulich einem zerstörerischen Hammerschlag gleichkommen. Die Begründung, das Wohnprojekt sei wirtschaftlich nicht anders zu machen, zieht dabei nicht. Diese Begründung hat bei den im Baugebiet „Am Mühlenbach" geplanten und nun unwirtschaftlich gewordenen Altenwohnungen schließlich auch nicht gegolten.

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