Abwasserpilz färbt Mühlenbach in Leopoldshöhe grau

Thomas Dohna

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Auf Kontrollgang: (von links) Martin Hoffmann, Ewald Thies, Marvin Mätschke, Reiner Loer, Dirk Puchert-Blöbaum und Bernd Hameier begutachten eine legale Regenwassereinleitung am Mühlenbach. Anlass ist die Gewässerschau für den Bach, der sich vom Schuckenteichweg bis zur Windwehe in der Nähe des Hofes Meier zu Döldissen zieht. - © Thomas Dohna
Auf Kontrollgang: (von links) Martin Hoffmann, Ewald Thies, Marvin Mätschke, Reiner Loer, Dirk Puchert-Blöbaum und Bernd Hameier begutachten eine legale Regenwassereinleitung am Mühlenbach. Anlass ist die Gewässerschau für den Bach, der sich vom Schuckenteichweg bis zur Windwehe in der Nähe des Hofes Meier zu Döldissen zieht. (© Thomas Dohna)

Leopoldshöhe. Das Wort klingt ein wenig altmodisch: Gewässerschau. Mitarbeiter von Behörden und Bürger schauen sich dabei Bäche und Flüsse an. Das schreibt das Landeswassergesetz vor. Jetzt war der Mühlenbach an der Reihe. Die Gewässerschauer fanden dort einiges Unkorrektes.

Der Ursprung des Mühlenbaches ist ein Hochwasser-Regenrückhaltebecken im Gewerbegebiet am Schuckenteichweg. Dort hat sich eine kleine Gruppe eingefunden, darunter der Geowissenschaftler Marvin Mätschke vom Kreis Lippe, seine Kollegin Tanja Sauer und Reiner Loer von der Leopoldshöher Umweltverwaltung. Der Landwirt Bernd Hameier vertritt den Wasser- und Bodenverband, Ewald Thies ist für den Naturschutzbund da.

Der Weg führt durch das Becken, hinter den Hallen einer Spedition. „Es ist für hundertjähriges Hochwasser gebaut", erläutert Mätschke. Hier soll das Regenwasser aus dem Ortsteil Leopoldshöhe gesammelt werden. Über den Abschlussdamm des Beckens führt der Weg in ein kleines Wäldchen an der Wiesenstraße. Ein großes Stück Totholz liegt im Bachlauf – Mätschke schießt ein Foto. Ein paar Schritte weiter quert die Gruppe die Wiesenstraße. „Was machen Sie da?", ruft ein Anwohner. Tanja Sauer erklärt ihm die Gewässerschau. Die Teilnehmer dürfen private Grundstücke ohne Erlaubnis betreten.

Die Gruppe betrachtet die Ufer des Baches. Sie sind befestigt. „Das darf nicht sein", stellt Mätschke fest. In Lippe gebe es eine Besonderheit. Die Bachbette gehören dem Landesverband, die Bachufer zum jeweils angrenzenden Grundstück. Für jede Veränderung des Bachbettes braucht es die Genehmigung des Landesverbandes, erklärt Reiner Loer.

Einläufe werden angeschaut und aufgenommen, denn für die ist möglicherweise eine Einleitungserlaubnis erforderlich. Dann stehen die Gewässerschauer vor einem Rohr, in dem der Mühlenbach verschwindet. „Das gehört da nicht hin", stellen die Teilnehmer fest. Jemand hat – offenbar vor vielen Jahren – das Rohr verlegt, die Fläche darüber gepflastert und einen Geräteschuppen darauf gebaut. „Wir nehmen das auch auf", sagt Mätschke. Ob dieser Eingriff für den Grundstückseigentümer Konsequenzen haben wird, muss geklärt werden.

Jenseits der Bachstraße fließt der Bach wieder offen. Der Gemeinde gehört an der Südseite des Baches zehn Meter Ufer. Das andere Ufer gehört einem Anwohner. „Hier soll sich der Bach entwickeln können", sagt Reiner Loer. Ein paar Meter weiter, gleich hinter einem Einleitungsrohr, wechselt die Farbe des Bachbettes von einem frischen Grünbraun zu einem schmierigen Grau. „Das ist ein Abwasserpilz", stellt Gewässeraufseher Mätschke fest.

Offenbar werde durch das Rohr mehr als nur Regenwasser in den Bach geleitet. „Das nehmen wir auf", heißt es abermals. Das Phänomen finden die Gewässerschauer an der Stelle wieder, wo Wasser aus einem Regenrückhaltebecken in den Bach fließt. Offenbar gelange auch hier organisches Material von einem der anliegenden Grundstücke in das Becken, sagt Mätschke.

An der Felix-Fechenbach-Straße tritt die Bebauung zurück, der Bach läuft durch Wiesen. An seinen Ufern erheben sich mächtige alte Weiden. Eine Furt verbindet zwei Wiesen. Am Königskamp staut sich der Bach an einem künstlichen Hindernis. „Kann man aufnehmen", meint Mätschke. Ob es beseitigt wird, wird sich zeigen.

Hinter dem Klärwerk wird es wild. Die Älteren wissen noch, dass es hier einmal eine Wiese gab. Längst stehen dort Erlen. „Schauen Sie mal genau hin", sagt Ewald Thies von Naturschutzbund. Ein paar Meter vom Ufer entfernt steigt das Gelände an. Wie mit dem Lineal gezogen wechselt die Farbe von Grün nach Braun. „Hier unten haben wir eine feuchte Weichholz-, da oben eine trockene Hartholzaue", stellt Thies fest.

Landwirt Adolf Meier zu Döldissen ist bei einem anderen Thema. Der Mühlenbach berührt zum Teil sein Land, darf sich hier selbst seinen Weg suchen. Vor allem aber fließt hier das gereinigte Wasser der Kläranlage ab. Der Bach ist plötzlich mehr als doppelt so breit. An den Ufern sind immer wieder Abbrüche zu sehen. Gut für den Eisvogel, wie die Naturschützer finden. Nicht so gut für sein Land, meint Meier zu Döldissen.

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