Fünfhundert Deckel für eine Impfung

Thomas Dohna

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Eine Tonne Kunststoff-Deckel: Bauhofmitarbeiter Jörg Wernig (2. v. l.) hat alle Säcke gewogen. In Claudia Schneiders (l.) Kindertagesstätte Regenbogen steht eine der Sammeltonnen für die Deckel. Marianne Altheide (r.) hat seit Oktober allein mehr als 90.000 Deckel gesammelt. Winfried Brunner und Bürgermeister Gerhard Schemmel (2. v. r.) hatten die Initiative des Rotary-Clubs zur Bekämpfung der Kinderlähmung nach Leopoldshöhe gebracht. - © Thomas Dohna
Eine Tonne Kunststoff-Deckel: Bauhofmitarbeiter Jörg Wernig (2. v. l.) hat alle Säcke gewogen. In Claudia Schneiders (l.) Kindertagesstätte Regenbogen steht eine der Sammeltonnen für die Deckel. Marianne Altheide (r.) hat seit Oktober allein mehr als 90.000 Deckel gesammelt. Winfried Brunner und Bürgermeister Gerhard Schemmel (2. v. r.) hatten die Initiative des Rotary-Clubs zur Bekämpfung der Kinderlähmung nach Leopoldshöhe gebracht. (© Thomas Dohna)

Leopoldshöhe. Marianne Altheide ist sichtbar stolz. Seit vielen Monaten schraubt sie in einem Getränkemarkt die Verschlüsse von Plastikflaschen ab, mehr als 90.000 bis jetzt. Die sind für den Rotary-Club Detmold-Oerlinghausen bares Geld wert. Er sammelt sie, um vom Erlös aus dem Verkauf der Deckel Schutzimpfungen gegen die Kinderlähmung zu finanzieren.

Die Deckel werden bei der Wiederverwertung der Flasche normalerweise als Plastikmüll entsorgt. 500 davon braucht der Rotary-Club, um durch Recycling eine einen Dollar teure Impfung zu finanzieren. Er unterstützt so zusammen mit der Bill-&-Melinda-Gates-Stiftung ein Programm der Weltgesundheitsorganisation zur Ausrottung der Kinderlähmung, das seit 1988 läuft. Mit Erfolg: Im laufenden Jahr hat es Rotary zufolge nur noch vier Fälle gegeben, zwei in Afghanistan und zwei in Pakistan. Eine Ansteckungsgefahr vor allem bei Reisen ist immer noch gegeben. Die Krankheit selbst könne nicht behandelt werden.

Für die Sammlung in Leopoldshöhe hatte das Leopoldshöher Unternehmen Häfner & Krullmann transparente Kunststofftonnen hergestellt, die in allen Kindertagesstätten, Schulen und im Rathaus aufgestellt worden sind. Dahin hatte auch Marianne Altheide ihre gesammelten Deckel gebracht. Etwa 800 schraubte sie in der Stunde ab. Zwei Mal in der Woche macht sie das: „Solange, wie man den Leuten helfen kann", sagt sie. Geld habe ja nicht jeder, aber so könne man auch helfen.

Inzwischen zeichnet sich ab, dass 500 Deckel nicht mehr ausreichen werden, um eine Impfung zu finanzieren. Der von Hamburger Rotariern gegründete Verein „Deckel drauf" wird seine Sammlung ab dem 30. Juni einstellen. Die Preise auf dem Rohstoffmarkt seien deutlich gesunken, und in Zukunft werde es wegen der europaweiten Strategie zur Vermeidung von Kunststoffmüll solche Deckel nicht mehr geben. Die Aktion der Rotary-Clubs zur Ausrottung der Kinderlähmung soll aber weitergehen. Seit 1986 wurden mehr als 1,6 Milliarden Dollar gesammelt. Die Gates-Stiftung gibt für jeden Dollar noch zwei dazu. Auch die Leopoldshöher Sammel-Aktion soll daher weitergehen, ein Ende sei nicht beabsichtigt, betonte Bürgermeister Gerhard Schemmel schon bei der Vorstellung des Projektes. Die Rotarier denken darüber nach, weitere Sammelstellen einzurichten. „Wir leeren die Tonne im Rathaus alle drei Wochen", sagt Bauhofleiter Andreas Glatthor.

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