Flott unterwegs im Dienst des Glaubens

Thomas Dohna

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Jutta Rinsche fährt ein Dienstfahrrad. Der Helm ist Pflicht, wurde jedoch für das Foto nicht aufgesetzt. Rinsche darf das Rad auch privat nutzen. Die Leasingraten zahlt sie in Form von Gehaltsumwandlung. Für Pfarrerinnen und Pfarrer gilt die Regelung nicht. Sie sind Beamte. - © Thomas Dohna
Jutta Rinsche fährt ein Dienstfahrrad. Der Helm ist Pflicht, wurde jedoch für das Foto nicht aufgesetzt. Rinsche darf das Rad auch privat nutzen. Die Leasingraten zahlt sie in Form von Gehaltsumwandlung. Für Pfarrerinnen und Pfarrer gilt die Regelung nicht. Sie sind Beamte. (© Thomas Dohna)

Leopoldshöhe. Sieben Minuten braucht Jutta Rinsche für die Fahrt zur Arbeit. Von Krentrup aus fährt sie mit ihrem E-Bike die Schötmarsche Straße hoch und rechts ein Stück den Kirchweg entlang. Dann ist die Mitarbeiterin der evangelisch-reformierten Kirchengemeinde Leopoldshöhe am Büro der Gemeinde angekommen. Das E-Bike stellt ihr die Kirchengemeinde als Dienstrad zur Verfügung, das sie auch privat nutzen darf. Rinsche hat damit eine Möglichkeit genutzt, die allen Angestellten offensteht – Beamten aber nicht.

Seit einem Jahr nutzt Rinsche das E-Bike. Küster Eckard Wedemann auch. Er radelt täglich von Schuckenbaum zur Kirche. Beide zahlen Leasingraten in Form einer Gehaltsumwandlung und haben die Möglichkeit, das Fahrrad zum Vertragsende zum Restwert zu übernehmen – wenn sie wollen. Seit dem 1. Januar seien die Zahlungen der Arbeitgeber für ein Dienstrad für den Arbeitnehmer unter bestimmten Bedingungen einkommensteuerfrei, sagt Steuerberater Thomas Siese. Damit gelte die 1-Prozent-Regel für Diensträder nicht. Diese Regel verpflichtet Arbeitnehmer, die ihre Dienstautos privat nutzen, ein Prozent des Listenwertes des Fahrzeugs, zu versteuern. Für Dienstfahrräder sollte die Ausnahme im Einkommensteuerrecht nur bis Ende 2021 gelten, werde aber vom Bund bis 2030 verlängert, sagt Siese.

Die finanziellen Vorteile sind für Rinsche und Wedemann nicht das einzige Motiv, das Angebot ihres Arbeitgebers angenommen zu haben. Sie fährt das Fahrrad auch in der Freizeit, weil sie so näher der Natur sei, sagt sie. Manchmal hält sie auf dem Weg zur Arbeit einfach an, um die Stille wahrzunehmen und die Natur zu genießen. Küster Wedemann fährt bei jedem Wetter. Sein Rad verfüge über vier Leistungsstufen. „Wenn es richtig stürmisch ist, schalte ich einen höheren Modus ein“, sagt Wedemann.

Drei Jahre läuft der Überlassungsvertrag. Ihn dürfen Mitarbeiter wahrnehmen, die mindestens so lange noch in kirchlichen Diensten stehen. Das Rad ist versichert und bekommt eine jährliche Inspektion. „Die Helmpflicht steht im Vertrag“, sagt Wedemann. Man fahre zehn bis 15 Kilometer in der Stunde schneller als mit einem normalen Rad. Die Räder haben sich Rinsche und Wedemann bei einem Händler ihrer Wahl aussuchen dürfen.

Steuerberater Thomas Siese sieht die Weitergabe von Dienstfahrrädern an Mitarbeiter als Mittel der Mitarbeiterbindung. Inzwischen nutzen viele Firmen die Möglichkeit, ihren Angestellten ein Dienstfahrrad anzubieten. Arbeitgeber und Arbeitnehmer sollten dabei allerdings aufpassen, dass sie bei einem Leasingvertrag das Rad nicht doppelt bezahlen. Ein Rundum-sorglos-Paket sei praktisch, aber man zahle dazu. Er selbst habe einer Mitarbeiterin ein Fahrrad gekauft und dann überlassen. Er rät Arbeitgebern, die zusätzliche Leistung auf der regelmäßigen Gehaltsabrechnung auszuweisen. Dann gerate das beim Arbeitnehmer nicht so schnell in Vergessenheit.

Beamte können solche Angebote gewöhnlich nicht wahrnehmen. Dafür müssten die Besoldungsgesetze von Bund und Land geändert werden. Die Lippische Landeskirche bietet ihren Kirchenbeamten, die meisten Pfarrerinnen und Pfarrer, eine andere Lösung. Sie zahlt ihnen einen zu versteuernden Zuschuss von 500 Euro für den Kauf eines E-Bikes oder Pedelecs.

Diensträder sind attraktiv
Privat genutzte Dienstfahrräder werden steuerlich ähnlich wie Dienstautos behandelt. Der Arbeitgeber beschafft das Rad. Die Überlassung an den Arbeitnehmer sollte vertraglich geregelt werden. Eine Kaufoption zum Vertragsende kann zu Problemen mit Finanzamt und Sozialversicherungen führen. Anschaffung und Betriebskosten kann der Arbeitgeber als Betriebskosten absetzen. Arbeitnehmer müssen monatlich ein Prozent des Bruttolistenpreises als geldwerten Vorteil versteuern. Bis Ende 2021 wird nur der halbe Listenpreis angesetzt. Muss sich der Arbeitnehmer nicht an den Kosten beteiligen und wird das Rad zusätzlich zum normalen Gehalt bereitgestellt, bleibt es steuer- und abgabenfrei. Für das Pendeln per Rad zur Arbeit dürfen pro Arbeitstag 30 Cent pro Entfernungskilometer als Pendlerpauschale in der Steuererklärung angegeben werden.

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