Beton ist schwer in Mode - Alexej Degraf produziert in Greste

Axel Bürger

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Fachmann für Beton: Alexej Degraf ist jüngst als geschäftsführender Gesellschafter in das Beton-Werk in Greste eingestiegen. - © Axel Bürger
Fachmann für Beton: Alexej Degraf ist jüngst als geschäftsführender Gesellschafter in das Beton-Werk in Greste eingestiegen. (© Axel Bürger)

Leopoldshöhe-Greste. Der Stellenwert, den Beton derzeit in der Architektur genießt, kann sich sehen lassen. Sichtbeton ist so manchem Architekten lieber als ein Klinkerbau. Einer, der sich mit Haut und Haaren dem Beton verschrieben hat, ist Alexej Degraf. In Greste betreibt er ein Beton-Werk für Fertigteile.

Noch vor wenigen Monaten lag die Geschäftsführung in anderen Händen. Aus Altersgründen haben die ehemaligen Besitzer Anfang des Jahres Nägel mit Köpfen gemacht und die Leitung an Degraf übergeben. Sie selbst möchten nicht mehr öffentlich in Erscheinung treten, aber der geschäftsführende Gesellschafter muss nicht vollständig auf die Kontakte und die Erfahrung der ehemaligen Firmeninhaber verzichten. Diese kommen bis zu drei Tage in der Woche noch ins Unternehmen und bringen sich in die Produktentwicklung ein.

Verschiedene Rezepte für den passenden Beton

Degraf hingegen legte vor seinem Engagement in Greste eine kleine Odyssee hin. „Ich war schon Produktmanager bei Schomburg in Detmold, habe in Baden-Württemberg bei einer Firma den Bereich Strukturbeton geleitet, bin allerdings gelernter Diplom-Bauingenieur und habe noch unter Dekan Gunnar Möller in Detmold studiert." Detmold, so der in Russland geborene Mann (Kemerowo, eine Stadt im Westen Sibiriens), sei nicht zuletzt deshalb seine zweite Heimat. In Greste lässt der 41-Jährige bis zu 32 verschiedene „Rezepte" anmischen, um den passenden Beton anbieten zu können, der für ein Projekt gerade benötigt wird.

In allen Wänden und Platten wird zudem Stahl verbaut. Bisweilen werden diese Platten auf einer Länge von 35 Metern gegossen. Hauptbestandteile des Betons bleiben natürlich Kies und Sand. Und Zement, das kennt auch der Otto Normalverbraucher mit seinem kleinen oft orange-farbenen Mischer daheim, darf nicht fehlen. Farbpigmente oder Fließmittel stecken ebenfalls in der Masse. Degraf: „Grau ist und bleibt jedoch die Farbe des Betons." In der Fettpottstraße werden unter Berücksichtigung aller Normen kaum „Standardprodukte" gefertigt. „Wir arbeiten nach Maß und bringen den Beton in Form, egal ob der Kunde eine einfache Platte braucht oder Blütenblätter aus Beton, wie in Espelkamp am Gauselmann-Brunnen. Treppenläufe, Hohlwandelemente und Deckenplatten gehören ebenfalls zum Sortiment. Die Rohstoffe kommen vom Lastwagen, vieles wird in Silos oder auf Freiflächen eingelagert. „Rohstoffe müssen heute zertifiziert sein. Beton ist eine Wissenschaft geworden", so der 41-Jährige.

Theater und Zuckerfabrik

Was bekanntlich aus der „Mode" gekommen ist, sind Waschbetonplatten. Zwar finden die Besucher im Grester Werk hier und da noch diese Platten an der Bausubstanz, aber die Kunden haben längst ein anderes Design im Kopf.

Eine Produktpalette erfreut sich gerade in Greste großer Beliebtheit. Degraf: „Spannbeton, in dem wir in einem aufwendigen Verfahren die Stahllitzen mit einer Kraft von über 10 Tonnen vorspannen." Für diese Teile seien auch die Verladeaktionen ein echtes Highlight. Degraf hat in diesen Tagen wieder eine einzige Betonwand von 25 Metern Länge gegossen. Tonnenschwer, nur mit Kränen zu bewegen und nur von speziellen Speditionen zu transportieren. Degraf: „Solche Teile dürfen nur nachts über die Autobahn gefahren werden, vorne und hinten ein Begleitfahrzeug. Sie werden fast immer an Ort und Stelle sofort montiert. Selbst Fenster- oder Türlöcher sind schon drin, auf einer Baustelle am Beton zu schneiden, ist nicht sinnvoll. Denn unsere Fertigteile sind wirklich fertige Teile."

In Lippe wurden Betonteile aus Greste beispielsweise vor dem Landestheater oder in der Lagenser Zuckerfabrik verbaut. Aber es sind nicht nur Kunden in Ostwestfalen, die sich Teile bei Alexej Degraf anfertigen lassen. „Wir haben schon riesige Balken nach Holland geliefert. Da musste seinerzeit sogar ein ganzer Kreisel abgebaut werden, damit die Spedition überhaupt weiterfahren konnte."

Fertigung
 nach Maß

Im Grester Werk arbeiten inklusive der kaufmännischen Angestellten rund 20 Mitarbeiter. Es ist kein Schichtbetrieb. Beton härtet in der Regel nach wenigen Stunden so aus, dass die Teile transportiert werden können. Betonwerke gibt es überdies in Lippe noch in Lieme und Schlangen. Beide sind allerdings nicht auf Spannbeton mit einer „äußeren Längskraft" spezialisiert. Der zu verbauende Stahl kommt meist aus Warendorf oder Minden. In Lippe wurden entsprechende Fertigteile zuletzt bei vielen Neubauten im Detmolder Industriegebiet, aber auch bei Lärmschutzwänden verbaut.

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