Sanierung entlang des Eselbachs

Thomas Dohna

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Vorarbeiter Jens Rückmann (rechts) überwacht den weißen Schlauch, der in wenigen Stunden eine feste Kanalwand im Boden bilden wird. - © Thomas Dohna
Vorarbeiter Jens Rückmann (rechts) überwacht den weißen Schlauch, der in wenigen Stunden eine feste Kanalwand im Boden bilden wird. (© Thomas Dohna)

Leopoldshöhe. Langsam, ganz langsam faltet sich das Material auf. Es riecht nach Kunststoff. Ein Stromerzeuger brummt. Oben auf dem etwa acht Meter hohen Gerüst steht ein Arbeiter und streicht den weißen Schlauch ein. Das Abwasserwerk Leopoldshöhe lässt einen Kanal entlang des Eselsbaches sanieren. Es ist für das Abwasserwerk die teuerste Maßnahme des Jahres.

Zentimeterweise gleitet der Schlauch in den Schacht. Seit Stunden liegt er auf einem Schwerlastwagen. Der hat sich in der Nacht in den schmalen Fußweg vom Wendehammer am Ende der Goethestraße bis
an die Baustelle eingefädelt. Rund 65 Tonnen stehen jetzt dort. Am Tag zuvor haben die beiden Fahrer ihre Fracht geladen. Frisch aus der Anlage,
die das Glasfasermaterial mit flüssigen Harzen tränkt, hatte sich der Schlauch in eine große Kiste gefaltet.

Dafür mussten die Fahrer den Lastwagen in weniger als Schritttempo hin und her fahren. Maximal acht Grad Celsius dürfe der Schlauch warm sein, deshalb kamen viele Tonnen Eis zum Einsatz, sagt Bauingenieurin
Anja Kickert. Sie überwacht die Arbeiten für das Kanalbauunternehmen
Aarsleff, das den Schlauch in den Kanal einbaut. Würde die Temperatur darüber liegen, würden die Kunstharze anfangen auszuhärten. 290 Meter Material wären unbrauchbar. Wie zwei Wochen zuvor, als ein Reifen des Lkw in Brand geriet, der den Schlauch bringen sollte.

Vom Adlerweg in Asemissen bis zum Goetheweg in Geste
müssen rund 500 Meter Kanal saniert werden. Die Kanalwände
sind rissig. In diesem so genannten Sammler, einem Rohr mit 80 bis 90 Zentimetern Innendurchmesser, werden die Abwässer der uml iegenden
Siedlungen zusammengeführt. Wochen zu vor hatten die Arbeiten mit dem Aufbau einer provisorischen Abwasserleitung begonnen. Pumpen mussten
aufgestellt werden, damit sich in den Hausanschlüssen das Abwasser nicht staut.

Der Schlauch wird nicht einfach in den Kanal geschoben. Er wird wie eine Socke umgestülpt. Damit liegen zwei Lagen des Materials auf einander. In den Zwischenraum wird kaltes Wasser eingelassen. Allein durch das Gewicht des Wassers drückt sich der Schlauch in den Kanal. Weil der Kanal von der Goethestraße aus aufwärts steigt und von oben Wasser
gegen den Schlauch drückt, musste das Gerüst rund acht Meter hoch sein um ausreichend Wassergewicht zu erzeigen, erklärt Ingenieurin Anja
Kickert.

Vorarbeiter Jens Rückmann überwacht die Arbeiten. Seit 28 Jahren kleidet er alt gewordene Rohre mit Inlinern aus. Unter dem Hamburger Hafen hat er im vergangenen Jahr einen Kanal saniert. Bis in die Nacht hat Rückmann mit seinen Kollegen auch am Goetheweg gearbeitet.
Ein paar Stunden lang muss das Kunstharz aushärten. Dann können die Arbeiter in das Rohr kriechen, die Hausanschlüsse freischneiden und die offenen Enden verkleben.

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