Vom Runden Tisch Asyl in Leopoldshöhe und dem Neuanfang

Birgit Guhlke

Ab 2014 waren vor allem wegen des Kriegs in Syrien viele Menschen aus ihrer Heimat geflohen und wurden auch in der Region, wie hier in der Polizeischule in Stukenbrock-Senne, aufgenommen. In Leopoldshöhe waren es im Jahr 2015 181 Menschen. - © Christian Mathiesen
Ab 2014 waren vor allem wegen des Kriegs in Syrien viele Menschen aus ihrer Heimat geflohen und wurden auch in der Region, wie hier in der Polizeischule in Stukenbrock-Senne, aufgenommen. In Leopoldshöhe waren es im Jahr 2015 181 Menschen. (© Christian Mathiesen)

Leopoldshöhe. Vor fünf Jahren hat der bis dato größte Zuzug geflüchteter Menschen die Kommunen in Deutschland vor Herausforderungen gestellt – auch die Gemeinde Leopoldshöhe. Sprachkurse, Unterbringung, Asylrechtsfragen, Integration – alles musste auf einmal für viel mehr Menschen geregelt werden als in den Jahren zuvor. Schnell sind Helferinitiativen entstanden oder wieder aufgelebt. So wie in Leopoldshöhe. In einer losen Reihe stellt die Lokalredaktion Menschen und ihre Geschichten rund um das Thema Flucht und Integration vor. Heute geht es um den „Runden Tisch Asyl".

Heidrun Bode und Christine Reuner haben ins Begegnungszentrum B-vier eingeladen, in dem auch Angebote für die Geflüchteten stattfinden. Derzeit sind es coronabedingt weniger, aber einiges bleibt möglich, so wie dieses Gespräch. Mit Abstand und Lüften. Seit rund 20 Jahren gebe es den Runden Tisch, eine Initiative, die Menschen aus fremden Ländern hilft, sich hier zurechtzufinden.

"Das war schon viel für die Gemeinde"

Inge Dornfeld habe seinerzeit angefangen, sich zu kümmern, und hat „die Gruppe ans Laufen gebracht", sagt Heidrun Bode. Der Bedarf schwankte, sank mitunter, wieder aufgelebt sei die Gruppe dann 2012. Und so richtig ab 2015. 181 Menschen waren damals Leopoldshöhe zugewiesen worden. „Das war schon viel für die Gemeinde", sagt Heidrun Bode. Zum Vergleich: 2014 waren es 49, im Jahr zuvor 15, 2007 kam niemand. Selbst in den 90er Jahren gab es mit 50 (1997) eine weitaus geringere Zahl.

Nun also machten sich die Leopoldshöher Helfer daran, die Menschen aus Syrien, Irak, Iran, Afghanistan oder Eritrea zu unterstützen. Anfangs war es Hilfe beim Deutschlernen, weil kein Geflüchteter ohne einen Bescheid an einem offiziellen Deutschkursus teilnehmen durfte. Es gab Fahrdienste, Begleitung bei den Behördengängen, die Suche nach Übersetzern. Mütter haben gerne eine Begleitung mitgenommen, wenn sie einen Termin für die U-Untersuchungen oder Impfungen ihrer Kinder hatten. Auch Nachhilfe für die schulpflichtigen Kinder organisierte der Runde Tisch.

Alle Familien in Leopoldshöhe sind wieder vereint

Die Erwachsenen wollten Fragen zu Führerschein oder der Anerkennung ihrer Ausbildung oder des Studiums in der Heimat klären. Darf man hier angeln? Kann ich als Lehrer arbeiten? Wie hält man sich einen Hund? Wie kann ich meine Familie holen, die in einer anderen Stadt in Deutschland gelandet oder noch in Syrien war? Vieles konnte geregelt werden, vieles zum Guten. „Alle die einen Familiennachzug beantragt hatten, sind jetzt wieder zusammen hier." Und immer wieder Erzählungen von der Fluchtgeschichte, von dem Krieg zu Hause. „Weißt Du noch, wie wir gelaufen sind, als die Bomben fielen?"

Die Helfer versuchten, die Gemeindeverwaltung bei der Unterbringung der Menschen zu unterstützen. „Es gab eine Gemeinschaftsunterkunft, Am Großen Holz", sagt Heidrun Bode. Später wurden dann noch einige Häuser von der Gemeinde angemietet. Übergangsweise, „weil das nur für einen begrenzten Zeitraum zulässig war", erklärt Heidrun Bode, die zusammen mit ihrem Mann Ulrich Lasar noch heute freundschaftlichen Kontakt zu einigen Geflüchteten hegt, die nun schon seit bis zu fünf Jahren in der Gemeinde leben. Dann sei die Gemeindeverwaltung dazu übergegangen, eher Wohnungen anzumieten. Anfangs mangels Alternative, „dann aus dem Grund, weil die Menschen sich besser integrieren konnten".

Die Wohnsitzauflage (drei Jahre) für die Geflüchteten machte und macht die Sache nicht einfacher. Das bestätigt auch Christine Reuner aus Bad Salzuflen, die sich dem Runden Tisch angeschlossen hatte, weil ihr das Engagement in der Nachbargemeinde so gut gefiel.

Das offene Café als Angebot für alle

Selbst wenn sie geeignete Unterbringungsmöglichkeiten in Lage oder Bad Salzuflen gefunden hatte, war es nicht möglich, das an eine Familie oder Einzelpersonen zu vermitteln. Ziemlich früh habe der Runde Tisch das offene Café initiiert. Ein Angebot für die Helfer und die Geflüchteten gleichermaßen. Ins Gespräch kommen, mal etwas anderes erleben, sich austauschen. Anfangs gab es Treffen und Aktionen in der damaligen Festhalle in Asemissen, dann im Leos oder in der Grundschule Asemissen, nun ist es das B-vier.

„Gut funktionierte auch die internationale Küche", sagt Heidrun Bode. In den ersten Jahren und Monaten nach 2015 haben Helfer und Geflüchtete „Kochevents in Bexterhagen" gemacht, in der großen Küche mit dem Essbereich. Diese Unterkunft gibt es aber nicht mehr.

„Anfangs ging es nur um einen Wasserkocher"

Zu Beginn organisierten die Helfer noch ein Second-Hand-Lager, das wurde später aufgelöst. „Es wird eher punktuell etwas besorgt, oder gefragt, wer noch eine Kommode oder einen Stuhl hat", sagt Christine Reuner. Anfangs ging es „nur um einen Wasserkocher", später waren es dann Tisch und Schrank. Einrichten in der neuen Heimat.

Der Unterschied zu den Leopoldshöhern sei „gar nicht so groß", sagt Heidrun Bode. „Sie alle wollen in Frieden leben und dass ihre Kinder sicher und gut groß werden und eine Chance auf eine bessere Zukunft haben." Sie habe viel gelernt und erlebt, sagt Heidrun Bode. Christine Reuner nickt. Es gab Frustrierendes, aber überwiegend Gutes. Sie würden sich jederzeit wieder engagieren.

Neue Mitstreiter sind beim Runden Tisch mit seinem Kernteam von rund 12 Leuten und mehr als 50 Unterstützern willkommen. Info und Kontakt bei Anna-Lena Bargfrede im B-vier, Tel. (0 52 08) 99 13 12, per E-Mail: A.Bargfrede@Leopoldshoehe.de

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