Leopoldshöhe feiert noch einmal runden Geburtstag

Birgit Guhlke

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An der Herforder Straße stand das Haus (r.) des ersten Vorstehers der politischen Gemeinde Leopoldshöhe, Otto Bensch. Links davon sind das Schreibwarengeschäft Koch und die Gemeindeverwaltung (mit Erker) zu sehen. - © Birgit Guhlke
An der Herforder Straße stand das Haus (r.) des ersten Vorstehers der politischen Gemeinde Leopoldshöhe, Otto Bensch. Links davon sind das Schreibwarengeschäft Koch und die Gemeindeverwaltung (mit Erker) zu sehen. (© Birgit Guhlke)

Leopoldshöhe. Es waren Bürgerinitiativen, die dafür gesorgt haben, dass Leopoldshöhe entstanden ist. Die heutige Großgemeinde hat 2019 ihr 50-jähriges Bestehen gefeiert, der Grundstein aber wurde bereits 1851 mit der Einweihung der Kirche am Marktplatz gelegt. Und mehr als 60 Jahre später entstand eine Initiative, die dafür sorgte, dass die politische Gemeinde Leopoldshöhe gegründet wurde. Am 21. Februar 1921.

Karl-Heinz Koch hat zehn Jahre lang das Archiv des Heimatvereins verwaltet und ist auf der Suche nach Zeitungsberichten über den Festakt zur offiziellen Gründung Leopoldshöhes. Die Suche endet ergebnislos. Solch eine historische Zeitungsseite hätte er gerne den bereits erschienenen Chroniken und den amtlichen Berichts- und Protokollsammlungen hinzugefügt, die von dem künden, was seinerzeit geschehen ist.

In einem Archivraum, der dem Heimatverein im obersten Stockwerk des Rathauses zur Verfügung steht, blättern er und sein Mitstreiter vom Heimatverein, Klaus Sunkovsky, in alten Protokollbüchern. Eines enthält beispielsweise Dokumentationen der Ratssitzungen der Bauerschaft Hovedissen Ende des 19. Jahrhunderts.

Weite Wege zur nächsten Kirche

Einige Jahre später müssen die Anstrengungen des Bürgervereins Leopoldshöhe gestartet sein. Rund um die Kirche hatten sich da schon Menschen angesiedelt. Auch dieser Kirchenbau war nach einer Initiative aus der Bürgerschaft gelungen, die weiten Wege zum Kirchgang in Oerlinghausen oder Schötmar sorgten für stundenlange Abwesenheit von Heim und Hof.

Die nach Fürst Leopold auf der Höhe benannte Kirchengemeinde Leopoldshöhe hatte sich im Windschatten der Bauerschaft Hovedissen dann schnell gemausert, immer weiter entwickelt, war gewachsen. Handwerker und Wandergesellen hatten sich hier angesiedelt. Es gab bald ein Standesamt, eine Schule, eine eigene Postagentur mit eigenem Telegraphenbetrieb.

Klaus Sunkovsky und Karl-Heinz Koch vom Heimatverein Leopoldshöhe blättern in dem Archivraum, den sie für den Heimatverein im Rathaus nutzen können, in alten Protokollbüchern - © Birgit Guhlke
Klaus Sunkovsky und Karl-Heinz Koch vom Heimatverein Leopoldshöhe blättern in dem Archivraum, den sie für den Heimatverein im Rathaus nutzen können, in alten Protokollbüchern (© Birgit Guhlke)

Und so brachte der Bürgerverein Leopoldshöhe bereits 1912 bei der lippischen Regierung die Bitte um eine eigenständige Gemeinde Leopoldshöhe vor. „Aus der Bittschrift ging hervor, daß hier ein Zusammengehörigkeitsgefühl entstanden ist, das sich in einem eigenen Gemeindeverband artikulieren will, so daß man nicht länger den Bauerschaften Hovedissen und Greste unterstehen möchte", heißt es in einem Schreiben des Staatsarchivs Detmold von 1974.

„Sie hatten keine Entscheidungsgewalt", erklärt Karl-Heinz Koch. Zuständig sei das Amtsgericht Oerlinghausen gewesen bzw. das Verwaltungsgericht Schötmar. Das berichtete sodann an die Regierung, dass „in der Frage der Gemeindegestaltung in der Gegend von Leopoldshöhe (...) volle Einigung zwischen den Gemeindevertretungen von Eckendorf und Hovedissen und Greste, dem Bürgerverein als Vertreter der Leopoldshöher Interessenten und dem Gutsvorstand von Eckendorf und Hovedissen erzielt worden sei".

Der Marktplatz war begehrt

Nicht ganz ohne Streitigkeiten, denn für das Gelände mit dem Leopoldshöher Marktplatz meldeten alle drei neuen Gemeinden – Leopoldshöhe, Schuckenbaum und Krentrup mit Krentruperhagen und Heipke – Interesse an, erklären die Heimatforscher. „Leopoldshöhe musste dann Abstandszahlungen leisten", sagt Klaus Sunkovsky. Nienhagen und Bexterhagen gehörten laut Sunkovsky damals übrigens noch zum Amt Schötmar. Nach der kommunalen Gebietsreform gehören auch sie seit 1969 zur Großgemeinde Leopoldshöhe.

Karl-Heinz Koch hat noch Protokollbücher entdeckt, die er noch nicht studiert hat – und wird sich weiter in die Geschichte Leopoldshöhes vertiefen. Ein großes Fest gibt es – auch coronabedingt – in diesem Jahr aber laut Bürgermeister Martin Hoffmann nicht. Denn Leopoldshöhe wurde ja vor zwei Jahren schon groß gefeiert. Mit Schuckenbaum und Krentrup und allen anderen Ortsteilen.

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