Leopoldshöher NABU empfiehlt Frühblüher-Safari

Birgit Guhlke

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Huflattich lässt sich derzeit gut finden. - © NABU Leopoldshöhe
Huflattich lässt sich derzeit gut finden. (© NABU Leopoldshöhe)

Leopoldshöhe. Blaustern, Winterling, Krokus, Schneeglöckchen – zu Beginn des Frühjahrs bedeckt ein bunter Blütenteppich den (Wald-)Boden. Das erklärt Ewald Thies von der Leopoldshöher Ortsgruppe des Naturschutzbunds (NABU). Während der Coronapandemie haben viele Bürgerinnen und Bürger das Wandern und Spazierengehen (wieder-)entdeckt. Und was sich dort jetzt so alles entdecken lässt, erklärt der Sprecher der Leopoldshöher NABU-Gruppe. Er animiert damit zu einer Frühblüher-Safari. Auch ohne die Wege und Pfade in Feld und Flur zu verlassen, biete die Natur in Leopoldshöhe und Umgebung sehr viel Anschauungsmaterial.

Was auf den ersten Blick wie Schnee aussehen mag, seien „die ausgedehnten Blütenteppiche der Buschwindröschen, die uns Winter vorgaukeln“, sagt Thies. Unter den noch unbelaubten Bäumen und Sträuchern rege sich längst neues Leben und bringe wieder Farbe in die Natur. Spaziergänger und Wanderer könnten sich an den dichten Beständen des gelbblühenden Scharbockskrauts, den weißen und purpurnen Blüten des Hohlen Lerchensporns, dem blauen Leberblümchen, den violetten Waldveilchen, dem grünen Moschuskraut und den Farbtupfern weiterer Frühblüher erfreuen.

Kurze Vegetationsperiode

„Die Vegetationsperiode dieser zarten Frühlingsboten währt allerdings nicht lange. Schon im Februar treiben manche von ihnen aus, etwa das Schneeglöckchen oder der Märzenbecher, aber bereits im Mai sind bei einigen Arten die oberirdischen Teile verblüht und verwelkt“, erklärt Ewald Thies.

Bäume und Sträucher werden wieder grün, das allmählich dichter werdende Blätterdach lasse nur noch wenig Sonnenstrahlen bis zum Waldboden durch. „Den lichtliebenden Frühblühern steht nun nicht mehr ausreichend Sonnenenergie für die Photosynthese zur Verfügung“, sagt der Naturschützer.

Der Aufbau lebenswichtiger organischer Stoffe wie Kohlenhydrate, Eiweiße und Fette werde verlangsamt und schließlich ganz eingestellt. Die Pflanzen verblühen. Und weiter: „Indem Buschwindröschen und andere Frühblüher das schmale Zeitfenster vor der Belaubung für Wachstum und Entwicklung nutzen, vermeiden sie beim Kampf ums Licht, den Bäumen und Sträuchern zu unterliegen.“ Der Anteil des Sonnenlichts, das bis zur Krautschicht gelange, sei vor aber der Laubentfaltung sehr groß.

Wärme beschleunigt die Stoffwechselvorgänge

Auch der Wald-Gelbstern wächst derzeit unter den noch nicht vollständig belaubten Bäumen. - © NABU Leopoldshöhe
Auch der Wald-Gelbstern wächst derzeit unter den noch nicht vollständig belaubten Bäumen. (© NABU Leopoldshöhe)

Wegen ihrer dunkleren Farbtönung absorbiere die auf dem Waldboden angesammelte Laubstreu die Sonnenwärme recht gut, so dass ihre Temperatur je nach Witterungsbedingungen auf 30 bis 40 Grad Celsius ansteige. Das beschleunige die Stoffwechselvorgänge, „was ebenfalls den früh einsetzenden Wachstumsschub und das schnelle Erblühen und Fruchten der krautigen Frühlingsblumen begünstigt“, sagt Thies.

Manche Frühblüher wie Kriechender Günsel, Waldmeister, Wald-Bingelkraut und Lungenkraut behielten ihre Blätter auch später im Schatten des belaubten Waldes noch. Dann betrage der Anteil des bis zur Krautschicht dringenden Sonnenlichts nur noch rund zwei Prozent der Gesamteinstrahlung. „Diese Pflanzen stellen ihren Stoffwechsel entsprechend um und können auch in der lichtarmen Zeit ausreichend Photosynthese betreiben.“

Unterirdische Speicher- und Erneuerungsorgane

Optimal angepasst an die besonderen Bedingungen im zeitigen Frühjahr seien die sogenannten Geophyten unter den Frühblühern („Erdpflanzen“). Thies: „Sie besitzen unterirdische Speicher- und Erneuerungsorgane, in denen sie im Laufe der letzten Vegetationsperiode Nährstoffe angesammelt haben. So können diese Pflanzen Jahreszeiten mit ungünstigen Klimabedingungen im Boden überdauern, ohne dass Lichtmangel, Trockenheit oder extreme Temperaturen sie das Leben kosten.“

Die in Wurzelstöcken, Knollen oder Zwiebeln gespeicherten Vorratsstoffe, vor allem Stärke, geben diesen Frühblühern die Kraft, „im Frühling rasch aus dem Boden zu sprießen und genügend Blätter für die Photosynthese zu bilden“. Werde das Laub dichter und damit der Waldboden schattiger, „ geben die Geophyten ihre oberirdischen Teile auf und existieren im Boden weiter“. Dann hätten sie ihre Speicherorgane aber bereits mit Vorräten für die kommende Saison gefüllt. Das sind beispielsweise Leberblümchen und Buschwindröschen mit ihren Wurzelstöcken, Hohler Lerchensporn und Scharbockskraut mit Knollen sowie Schneeglöckchen und Bärlauch mit ihren Zwiebeln.

Frühblüher als Nahrungsquellen

Für die Insekten seien die Frühblüher essenzielle Nahrungsquellen. So könnten Honigbienen bereits an sonnigen Tagen im Spätwinter während ihrer Reinigungsflüge den ersten und für sie so wichtigen Nektar und Pollen finden. Überwinternde Hummelköniginnen fliegen im Frühjahr bereits bei Temperaturen ab 2 Grad aus, um auf Nahrungssuche zu gehen. Frühblüher sicherten ihren Völkern das Überleben.

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