Schuckenbaum: „Lützow“ Pferde bekommen einen neuen Platz

Knut Dinter

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Mit einem Pumpensystem (vorne) wird der Wasserstand künftig auch auf dem zweiten Platz reguliert. Laura Finnen (l.) mit „Abranico" und Carlotta Delsaß mit „Fritzchen" sehen darin Vorteile für das Reiten. - © Knut Dinter
Mit einem Pumpensystem (vorne) wird der Wasserstand künftig auch auf dem zweiten Platz reguliert. Laura Finnen (l.) mit „Abranico" und Carlotta Delsaß mit „Fritzchen" sehen darin Vorteile für das Reiten. (© Knut Dinter)

Leopoldshöhe. Der Reit- und Fahrverein „Lützow" in Schuckenbaum kann sich einen langgehegten Wunsch erfüllen. Dank der Fördermittel des Programms „Moderne Sportstätte 2022" des Landes NRW wird derzeit ein Trainingsplatz im Freien saniert. Davon profitieren die Mitglieder, die Umwelt, die Vereinskasse und sogar die Pferde.

In diesen Tagen beginnt wieder die „grüne Saison", wie es in der Reitersprache heißt. „Nach den Wintermonaten gieren ja alle danach, endlich wieder nach draußen zu kommen", sagt Jörg Schneider, der Vorsitzende des Vereins. „Es ist ein ganz anderes Gefühl, als in der Halle zu reiten. Auch für die Pferde ist die Vorbereitung auf die neue Turniersaison wichtig."

Erste Reithalle wurde 1980 eingeweiht

Schon seit Jahrzehnten ist der Verein auf dem Hof Friedrichsmeier zu Gast, es gibt einen langfristigen Pachtvertrag. 1980 wurde die erste vereinseigene Reithalle eingeweiht, 1991 wurde ein großer Reitplatz gebaut. Bei 375 Mitgliedern, davon sind etwa 200 aktiv, wurde es allmählich eng, deshalb kam vor sechs Jahren unmittelbar daneben ein weiterer Außenplatz hinzu. Er ist recht beliebt. Denn dieser jüngere Platz wird bei jedem Wetter genutzt, weil der Wasserstand im Boden nach dem Ebbe-Flut-System reguliert wird.

„Das bedeutet, dass wir uns um die Bewässerung nicht mehr zu kümmern brauchen", erläutert der Vorsitzende Schneider. Denn ein normaler Platz müsse an warmen Tagen besprüht werden. Bei hohen Temperaturen sei es aber schon am Mittag verdunstet. Deshalb würden jährlich rund 900 Kubikmeter Frischwasser verbraucht. „In den vergangenen Jahren mit einem langen, warmen Sommer konnten wir gar nicht immer bewässern", sagt Schneider.

Künftig kann das ganze Jahr trainiert werden

Als das Förderprogramm vor zwei Jahren bekannt wurde, stellte der Vorstand des Reit- und Fahrvereins daher sofort den Antrag, auch den älteren Platz entsprechend umzurüsten. „So ein Angebot erhält man ja nicht alle Tage", sagt Schneider. Künftig kann auf beiden Plätzen das ganze Jahr über trainiert werden. Ist der sandige Reitboden zu nass, wird Wasser – nach dem Prinzip der Meeresgezeiten – automatisch entzogen. Bei Trockenheit wird die Feuchtigkeit wieder erhöht. „Die Ebbe-Flut-Technik ist für uns sehr komfortabel, wir sparen Kosten und die wertvolle Ressource Wasser", betont Hofbesitzer Jobst Friedrichsmeier.

Durch die gleichmäßige Feuchtigkeit wird der Boden weder staubig noch rutschig. „Springpferde benötigen einen glatten, federnden Boden", weiß Friedrichsmeier. „Die Technik bietet Gewähr für ein gutes Geläuf." Vor zwei Wochen hat eine Fachfirma aus Recklinghausen damit begonnen, den vorhandenen Sand abzutragen und das Gefälle zu begradigen. Eine neue Umrandung und ein Flies verhindern, dass Wasser zu allen Seiten abfließen kann.

Lichtmasten strahlen mit LED-Technik

Im nächsten Schritt werden noch Dränagerohre eingesetzt. Sie sind miteinander verbunden und laufen in einem Pumpenschacht außerhalb des Platzes zusammen. Danach wird noch eine neue, 35 Zentimeter starke Tretschicht aus Sand und etwas Lehm aufgetragen. „Die Mischung verhindert das Schmirgeln der Hufe", sagt Friedrichsmeier. Zum Schluss werden noch Lichtmasten mit energieeffizienten LED-Leuchten installiert.

Die Bauarbeiten kosten rund 100.000 Euro, davon kommen 93.000 Euro aus dem Fördertopf. „Für den Eigenanteil haben wir zum Glück noch Rücklagen, auch Eigenleistung wird angerechnet", sagt Vorsitzender Schneider. Dennoch sei die finanzielle Situation des Vereins sehr angespannt. „Schon seit November haben wir wegen der Corona-Pandemie keine Einnahmen, auch wenn die Pferde weiter Futter benötigen." Wann das nächste Turnier stattfinden kann, sei noch offen. Auch wenn der neu gestaltete Platz in wenigen Wochen fertig ist, müsse auf eine Einweihungsfeier verzichtet werden.

Förderung

Eine gute Nachricht auch für den Reitverein Lippische Rose: Gefördert wird die Erstel-lung einer Flutlicht- und einer Bewässerungsanlage für den Außenreitplatz in Höhe von 55.000 Euro. Dem Turn- und Sportverein Oerlinghauser von 1863 wird die Modernisierung des Sporthauses in Höhe von 55.000 Euro gefördert. TuS Helpup von 1911 bekommt auch so viel, die Schützengesellschaft 22.500 Euro und der Automobilclub Helpup 19.300 Euro. Die Staatssekretärin für Sport und Ehrenamt, Andrea Milz, hat die Förderungen im Rahmen des Programms „Moderne Sportstätte 2022" bekannt gegeben. Hiervon profitieren bereits mehr als 1.500 Sportvereine aus ganz Nordrhein-Westfalen. Milz: „Ich freue mich, dass wir mit den nun erteilten Förderentscheidungen unseren Vereinen tatkräftig unter die Arme greifen können. Wir haben uns zum Ziel gesetzt, einen spürbaren Beitrag zur Modernisierung unserer Sportstätten zu leisten."

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