Das Café der Kirche mitten in Leopoldshöhe kommt gut an

Birgit Guhlke

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Renate Kunst und Paula Zander setzen sich nach ihrem Einkauf auf dem Markt noch auf einen Kaffee und ein Gespräch im "Café 104" zusammen. - © Birgit Guhlke
Renate Kunst und Paula Zander setzen sich nach ihrem Einkauf auf dem Markt noch auf einen Kaffee und ein Gespräch im "Café 104" zusammen. (© Birgit Guhlke)

Leopoldshöhe. Ein Herr arbeitet konzentriert an seinem Tablet, ein Radfahrer hat am Tisch gegenüber zum zweiten Frühstück die Zeitung ausgebreitet, in der Tür steht ein Junge und möchte eine süße Tüte kaufen. Das „Café 104" mitten im Ortszentrum auf dem Marktplatz ist seit gut fünf Wochen wieder geöffnet. Der Betrieb läuft etwas anders als in der Gastronomie üblich. Die evangelisch-reformierte Kirchengemeinde Leopoldshöhe ist Pächterin, ehrenamtliche Helferinnen und Helfer sorgen für den Betrieb. Und für Kuchen. Und für Schwätzchen. Und manchmal auch für Essen nach Wunsch.

Nicole Becker ist diejenige, die den Betrieb und den Einsatz der ehrenamtlichen Kräfte koordiniert und als Einzige in Teilzeit angestellt ist. Café-Chefin, so ein großes Wort, hört sie nicht so gerne, aber sie ist eben doch diejenige, die von allen gefragt wird und letztendlich den Hut auf hat. Eveline Kleimann steht an diesem Tag hinter der Theke und arbeitet sich ein.

Gut 30 Helfer gehören zum Team

Die Kirchengemeinde betreibt das Café/Bistro mit Hilfe vieler Ehrenamtlicher wie Evelin Kleimann (l.). Nicole Becker hat als Ehrenamtskoordinatorin eine Teilzeitstelle. - © Birgit Guhlke
Die Kirchengemeinde betreibt das Café/Bistro mit Hilfe vieler Ehrenamtlicher wie Evelin Kleimann (l.). Nicole Becker hat als Ehrenamtskoordinatorin eine Teilzeitstelle. (© Birgit Guhlke)

Gut 30 Helfer zählt das Team derzeit, Dienste zwischen zwei und vier Stunden übernimmt jeder einzelne. Ein Paar setzt sich nach draußen, Eveline Kleimann nimmt ihre Frühstücksbestellung auf und lässt sich von Nicole Becker zeigen, wie alles angerichtet wird. Der Profi-Kaffeeautomat steht noch auf einem Tischchen, der eigentlich vorgesehene Schrank wird bald geliefert. Alle Kaffeeklassiker und -spezialitäten gibt es hier selbstverständlich, dazu Frühstück, Kleinigkeiten und mittags auch was Warmes.

Paula Zander hat sich mit ihrer Bekannten Renate Kunst an den Tisch gesetzt, den der Radfahrer zuvor geräumt hat. Das gehört – nun wieder – zu ihrem Freitagsritual. Erst auf den Markt, dann an den Kaffeetisch. Wenn es denn einen freien Platz gibt, manchmal sei es ganz schön voll. Sie freuen sich, dass das Café wieder geöffnet ist, nachdem der vorherige Pächter aufgeben musste. „Es war vorher auch gut", sagt Renate Kunst, es gebe nun aber auch spezielle Aktionen für Senioren. Sie kennt einige, die das sehr schätzten.

So etwas gehört ausdrücklich zum Konzept, wie Pfarrerin Kornelia Schauf schon während der Vorstellung der Café-Idee erklärt hatte. Ein professionelles Bistro, ja, klar, aber mit ein bisschen mehr Begegnungsstättencharakter als es der Zufall hätte bereithalten können. Viele Bürger seien begeistert, sagt Kornelia Schauf, und hätten sich schon bedankt wegen des Mutes der Kirchengemeinde, das Projekt anzugehen. Miteinander ins Gespräch kommen, lachen, zuhören, ein bisschen rumflachsen – das bekommt, wer mag. Wortlos nur mal einen Cappuccino trinken, ist aber auch okay.

Pizza oder Pommes gibt es hier nicht

Paula Zander und Renate Kunst wollen wieder aufbrechen, am Nebentisch wird grad Hühnerfrikassee serviert, das so gut duftet, dass sich Paula Zander fragt, „ob ich das nicht auch noch essen könnte". Nächstes Mal. Das Frikassee ist übrigens die Wunschbestellung, Nicole Becker hat sie am Donnerstag angenommen, als noch nicht klar war, welche Suppe oder Eintopf auf der nächsten Tageskarte stehen sollte. „Pizza oder Pommes gibt es bei uns nicht", sagt Becker. Mitbewerber wollen sie im Ortszentrum sein, Konkurrenz zur dort ansässigen Gastronomie aber nicht. Günstiger ist der Kaffee hier nicht, zu verschenken hat das Café nichts – außer mal an Kinder einen Fruchtgummifrosch.

Die Suppen und Eintöpfe sind selbst gemacht von den Ehrenamtlichen oder vom Pfarrer. Einige spenden auch Kuchen und Torten aus dem eigenen Backofen. Und manches bekommt dann schon mal einen eigenen Namen. Die Hühnersuppe von Volker Dörl erhielt den Zusatz „ostpreußische", weil er erzählte, dass er sie nach dem Originalrezept seiner Mutter macht, mit geschnibbelten Gürkchen, das sei dort wohl dort so üblich gewesen.

Schnell wurde er „vom Gast zum Gastgeber", arbeitet nun im Café-Team und steuert ab und an eben die Suppe bei. „Ist ganz lustig hier", sagt der 69-Jährige, der derzeit eine Tomatensuppenrezeptvariante fürs Café ausprobiert. Vor knapp acht Jahren ist er von Bielefeld nach Leopoldshöhe gezogen. Jetzt habe er das Gefühl, „hier richtig angekommen zu sein". Und das liegt eben nicht nur am Kuchen im Café 104.

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