Lesung, Musik und Lippe-Kolorit in der Bücherei Leopoldshöhe

Christine Kuhlmann

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Christian Jaschinski hat die Zuhörer bei der Lesung in der Gemeindebücherei mit in das mörderische Lipperland genommen. - © Christine Kuhlmann
Christian Jaschinski hat die Zuhörer bei der Lesung in der Gemeindebücherei mit in das mörderische Lipperland genommen. (© Christine Kuhlmann)

Leopoldshöhe. Wer erfahren will, wie man sich in einem S-Klasse-Kofferraum von Kabelbindern befreit oder wie man aus schmutzigem Geld sauberes macht, sollte die Lesungen von Christian Jaschinski nicht versäumen. Der erfolgreiche lippische Autor präsentierte jetzt seinen neuen Krimi „Wolfsspiel" ebenso locker wie amüsant in der Gemeindebücherei Leopoldshöhe. Und dabei gab es eben auch diese Tipps für den Fall der Fälle.

Ursprünglich war die Lesung in der Gemeindebücherei im Frühjahr vergangenen Jahres geplant, erklärte Büchereileiterin Kerstin Koppmann, und damit im Jahr nach Erscheinen des Krimis „Wolfsspiel". Coronabedingt musste die Veranstaltung verschoben werden. Wie schon der Vorgängerroman „Mörderisches Lipperland" wurde das neue Buch, das sich mit dem Geldwäscheproblem auseinandersetzt, sogar von Bestsellerautor Klaus-Peter Wolf hoch gelobt.

Fans auch außerhalb von OWL

Musikalisch unterstützt wurde der 55-jährige BWL-Lehrer und Autor von Singer/Songwriter Jonas Pütz. Der 30-jährige Sozialarbeiter interpretierte die gelesenen Textpassagen mit stimmungsvollen Songs und Gitarre. Dabei wurde er wiederum von Jaschinski, dessen Schlagzeug Pütz schon als Kind habe spielen dürfen, am E-Piano begleitet. Beide Künstler verbindet nicht nur eine langjährige Freundschaft, sondern auch eine fruchtbare Zusammenarbeit; denn mit ihren so genannten „Text-Konzerten" haben sie schon viele Fans weit über die Grenzen von OWL hinaus gewonnen. So untermalte der Musiker mit „Ready For Love" gleich zu Beginn der Veranstaltung den Schmerz, den Strafrichterin Tara Wolf über den Verlust ihres Beinah-Ehemanns im Buch empfindet. Davon erzählt Jaschinski in „Mörderisches Lipperland". „Es gibt eine Beziehung zwischen meinen Büchern, aber man kann sie auch einzeln lesen", versicherte er.

Zuerst denke er sich die Figuren aus, um die sich die Geschichte drehe, und stelle sie in eine Situation. Nie aber lasse er sich von ihnen beherrschen. Grundsätzlich schreibe er nur über Orte, an denen er sich ein bisschen auskenne. In „Wolfsspiel" sind dies das Lipperland und die Großstadt Hamburg. Tatsächlich ist man überrascht von der Genauigkeit, mit denen die Schauplätze gezeigt werden: Der Leichenfundort etwa befindet sich im Kurpark Salzuflen unterhalb des Mehrfamilienhauses an der Parkstraße 61, wo es einen Abgang zum Park gibt. Jaschinskis Wohnort Lemgo kommt ebenfalls vor, und echte Lipper treten in der Geschichte auf. Nie aber würde er real existierende Personen in seinen Werken zu Tätern oder zu Opfern machen, versprach der Autor.

Was mit Polizeifesseln nicht funktioniert

Ein paar Dönekes durften gleichfalls nicht fehlen. Kurz entschlossen ließ sich Jaschinski von Besucherin Manuela Maslow mit Kabelbindern aus dem Baumarkt die Handgelenke verschnüren, doch mit einer schnellen ruckartigen Bewegung gegen den Körper schaffte er es, den Pin herauszubrechen, und schon war er frei. „Mit Polizeifesseln geht das allerdings nicht, die haben einen Metallkern", räumte der akribische Rechercheur ein.

Das Publikum bedachte diese gelungene Lesung, bei der jedes Detail stimmte, immer wieder mit reichlich Applaus und nutzte die vorweihnachtliche Gelegenheit zum Kauf der handsignierten Bücher.

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