Martin Zingsheim kombiniert im Lügder Klostersaal Kabarett und Musik

Achim Krause

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Der Kabarettist Martin Zingsheim garniert bei seinem Auftritt im Lügder Klostersaal seine witzigen Sprachjonglagen mit seinem variablen Mienenspiel.  - © Achim Krause
Der Kabarettist Martin Zingsheim garniert bei seinem Auftritt im Lügder Klostersaal seine witzigen Sprachjonglagen mit seinem variablen Mienenspiel.  (© Achim Krause)

Lügde. Ganz ohne Popcorn, aber mit vielen bunten Bildern im Kopf hat das Publikum im Lügder Klostersaal wieder einmal einen höchst amüsanten Abend erlebt – dieses Mal mit dem Kabarettisten und Musiker Martin Zingsheim. Der 32-jährige Tausendsassa vom Typ liebenswerter Schwiegersohn, der ebenso gut komplizierte Wortkonstrukte mit Lacheffekt produzieren kann wie Klavierspielen und Singen, hielt seine Zuhörer knapp zwei Stunden im Dauermodus des bedingungslosen Vergnügens.

Zingsheim gilt mit seinen 32 Jahren zwar noch als Nachwuchstalent in der Kabarettszene, doch spätestens mit der Verleihung des Bayerischen Kleinkunstpreises 2015 und des begehrtesten Radio-Kabarettpreises, dem Salzburger Stier 2016, hat er sich etabliert. Mit seinem zweiten Programm „Kopfkino" hat der blitzgescheite Kölner wieder eine Reihe Geistesblitze zusammengestellt und sie mit spritziger Musik und witzigem Liedgut untermalt. Er garnierte seinen Auftritt mit einem bemerkenswerten Mienenspiel – mal wild rollenden Augen, mal unschuldigem Kinderblick oder einem kecken Um-die-Ecke-Gucken.

Martin Zingsheim kommt auf die Bühne, steht einfach nur da, spricht, spielt ein wenig auf dem Klavier und singt ein bisschen. Mehr braucht er eigentlich auch nicht, um die Besucher zu faszinieren. Seine Waffe ist das Wort, mit dem er einen Lacherfolg nach dem anderen erzielt. Mit seinen Kunstpausen hält er stets den Kontakt zum Publikum und testet dessen Mitdenkfähigkeiten.

Die brauchte man bei „Mann über Bord, Frau überglücklich" eher nicht. Alltagswitzchen gehören dazu – zum Beispiel, dass Hunde im Gegensatz zu den Menschen für „Wildpinkeln" nicht bestraft werden und man es deshalb einmal mit „Leine um den Hals" versuchen sollte. Höhepunkte sind jedoch seine wortakrobatischen Einlagen wie die im Eiltempo vorgetragenen tierischen Redewendungen oder das Lied mit den Zungenbrechern. Hier bewies Martin Zingsheim neben vielen anderen Gags selten erlebbare sprachliche und geistige Kabarett-Klasse.

In Sachen Ernährung zum Beispiel hat er eine Menge zu sagen. „Wer kommt schon auf die Idee, dass Apfelsaft aus mehr bestehen muss als aus Saft von Äpfeln. Und dass Suppen krümelig in Tüten aufwachsen müssen, leuchtet mir auch nicht ein."

Sein Markenzeichen ist vor allem die sprachliche Virtuosität, mit der er ständig neue Assoziationen herstellt. Das Themenspektrum erweist sich dabei als unerschöpflich, zumal der 32-Jährige nur relativ kurz bei einem Thema bleibt, um gleich wieder zum nächsten zu springen. Das Zuhören ist aufgrund seiner kuriosen Geschichten mit wilden Gedankenspielen, die ihm vermeintlich gerade in den Sinn kommen, eine reine Freude. Das verlangt dem Publikum keine tiefgründigen Analysen ab.

Die hat er schon selbst bei seinen aberwitzigen Assoziationen zur veganen Ernährung, zur Kindererziehung, zur katholischen Kirche, zu Kommentatoren bei Fußballspielen und bei noch viel mehr auf der Platte. „Normal und ruhig – das sind die wirklich Verrückten", sagt er und meint, dass ein „seehofereskes" Weltbild in der Gesellschaft die Oberhand gewinnt, wo jeder sich selbst der Nächste ist. Gesellschaftskritik verpackt er in Metaphern, die punktgenau treffen und sehr nah an der Wirklichkeit angesiedelt sind.

„Das Blöde an Vorurteilen ist, dass sie sich im Alltag immer wieder bestätigen", sinniert er. Martin Zingsheim gibt zu bedenken, dass sich die Kommunikation durch die Digitalisierung völlig verändert hat. „Sprache deckt auf, es gibt viel Entlarvendes im Netz." Er berichtet von einem Shitstorm gegen einen Bundestagsabgeordneten iranischer Herkunft in Sozialen Medien mit Kommentaren wie: „Scheiß Araber, geh’ doch zurück in die Türkei!"

Der studierte Musikwissenschaftler Martin Zingsheim ist Musiker durch und durch, was sich in seinen launig-bissigen Klavierkompositionen, von denen man gerne mehr hören möchte, und seiner angenehmen klaren weichen Stimme zeigt. Das Publikum im Klostersaal Lügde war denn auch an diesem Abend völlig aus dem Häuschen und feierte Martin Zingsheim, der jederzeit wieder gern gesehener Gast auf dieser Bühne ist.

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