Lügder Landarzt fordert im TV eine Männerquote beim Medizinstudium

Manfred Brinkmeier

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Kurzweiliger Streit: Auf Einladung von Peter Hahne (Mitte) diskutiert Dr. Bertel Berendes (links) im Fernsehsender Phoenix mit Professor Karl Lauterbach über den Landarztmangel. - © Foto: ZDF/Kramers.M
Kurzweiliger Streit: Auf Einladung von Peter Hahne (Mitte) diskutiert Dr. Bertel Berendes (links) im Fernsehsender Phoenix mit Professor Karl Lauterbach über den Landarztmangel. (© Foto: ZDF/Kramers.M)

Lügde/Berlin. Dr. Bertel Berendes aus Lügde ist immer wieder für eine Überraschung gut. Der streitbare Landarzt, der sich vehement für die Interessen seiner Patienten einsetzt, hinterließ dieses Mal im Fernsehsender Phoenix zur besten Sendezeit am Samstag eine Duftmarke. Sein Gegenüber Professor Dr. Karl Lauterbach (SPD) bekam fasst Schnappatmung, als er sich mit dem Vorschlag von Dr. Berendes auf Einführung einer Männerquote im Medizinstudium konfrontiert sah.

"Das meinen Sie doch nicht wirklich ernsthaft oder?", fragte der bundesweit bekannte Gesundheitsexperte der Sozialdemokraten den 74-jährigen Lügder verdattert. "Das meine ich ernsthaft", konterte der Lipper. "Ich bin in der Realität." Aufgrund der deutlich schlechteren Abiturnoten der Männer würden Frauen beim Medizinstudium nämlich bevorzugt genommen. Und der Lügder wartete mit Zahlen von der Universität Münster auf. Das führe dort dazu, dass in den letzten drei Semestern 80 Prozent der Studierenden weiblich seien.

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Diese Aussage von Dr. Bertel Berendes rief wiederum den Moderater der Fernsehsendung, Peter Hahne, auf den Plan. "Damit sind Sie weltweit wahrscheinlich der einzige Arzt, der eine Männerquote fordert. Das verspricht eine spannende Diskussion." Und die gab es im Verlaufe der 30-minütigen Sendung in der Tat. Zu der hatte Peter Hahne zum Thema Landärzte-Rückgang nur zwei Gesprächspartner eingeladen – Dr. Bertel Berendes und Professor Karl Lauterbach.

Er sei nicht nur gegen eine Männerquote, sondern auch dagegen, angehende Ärzte dazu zu zwingen, aufs Land zu gehen, betonte Lauterbach. Das sei vollkommen abwegig. "Wir müssen die Bezahlung erhöhen", lautete seine Schlussfolgerung. Und auch da konnte Dr. Berendes mit einem Beispiel aufwarten. Er verwies darauf, dass er für einen Arztbesuch am Köterberg – dafür sei er gut eine Stunde von seiner Praxis weg – gerade mal 22,07 Euro bekomme. Das müsse man mal mit einer Handwerkerrechnung vergleichen.

Lauterbach sprach sich auch für eine paritätische Bürgerversicherung aus, in der jeder gleich versichert sei. Dann gebe es die privilegierten Privatpatienten nicht mehr. Und auch hier fing sich der SPD-Gesundheitsexperte einen Konter des Lügder Landarztes ein. Aufgrund seiner Statistik vom Vortrag habe er gerade mal 100 Privatpatienten pro Quartal, allerdings 1.450 Kassenpatienten.

Zum Schluss forderte Peter Hahne seine beiden Gesprächspartner zum Rollentausch auf. Zu Dr. Bertel Berendes gewandt: "Was würden Sie als Gesundheitsminister als Erstes machen?" "Eine Männerquote", kam die Antwort wie aus der Pistole geschossen vom Lügder Landarzt – sehr zum Unwillen von Professor Karl Lauterbach, der im Hintergrund laut stöhnte.

Man könne aber auch die Zahl der Studienplätze in Medizin um mindestens 30 Prozent erhöhen, sieht der 74-Jährige eine weitere Möglichkeit, um die Zahl der männlichen Studierenden in Medizin zu erhöhen.

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