Sternenkinder sollen kein Tabu mehr sein

Achim Krause

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Alexander Hauge vom Medizingerätehersteller Draeger führt Besucherinnen die Funktion eines Inkubators vor. Foto: Achim Krause - © Achim Krause
Alexander Hauge vom Medizingerätehersteller Draeger führt Besucherinnen die Funktion eines Inkubators vor. Foto: Achim Krause (© Achim Krause)

Lügde-Rischenau. „Sternenkinder sind genau wie das Sterben nach wie vor ein Tabu-Thema", sagt Tatjana Jäger, Vorstandsmitglied von „Sternenzauber und Frühchenwunder". Der junge Verein hat es sich zur Aufgabe gemacht, Frühchen- und Sterneneltern die schwere Zeit ein wenig leichter zu machen und für die kleinen Menschen – egal wie winzig – passende Kleidung zur Verfügung zu stellen.

Nach der Premiere im vergangenen Jahr veranstaltet „Sternenzauber und Frühchenwunder" am Samstag, 15. September, von 11 bis 18 Uhr zum zweiten Mal einen öffentlichen „Schau-mal-rein-Tag" im Dorfgemeinschaftshaus Rischenau. Bei der Premiere des Familienfestes kamen 2017 rund 400 Besucher aus allen Teilen der Republik in den Lügder Ortsteil.

Was viele Vereinsmitglieder eint sind Schicksalsschläge in Zusammenhang mit Schwangerschaft und Geburt. „Einen Anlaufpunkt zu haben, zu wissen, dass man in einer solchen Situation nicht allein steht, ist für viele Eltern wichtig. Denn egal wie groß das Baby ist oder wie lange es ausgetragen wurde, es gehört zum Familienleben dazu", konstatiert die Vereinsvorsitzende Mandy Kremer. „Wenn die Schwangerschaft nicht 40 Wochen dauert, sondern sich das kleine Wunder zu früh auf die Reise ins Leben begibt, beginnt unsere ehrenamtliche Arbeit. Zu wissen, dass in diesem Moment jemand an einen denkt – auch dieses Gefühl soll unsere Initiative bewirken."

Sogenannte Sternenkinder versterben während der Schwangerschaft, der Geburt oder kurze Zeit später . Seit Mai 2013 gelten auch Kinder, die mit einem Gewicht von weniger als 500 Gramm oder tot geboren werden, als Menschen. Sie können beim Standesamt offiziell mit Namen und Geburtstag erfasst sowie auf Wunsch auch beerdigt werden. Dank der heutigen medizinischen Versorgungsmöglichkeiten überleben aber auch immer mehr Kinder, die lange vor dem errechneten Geburtstermin zur Welt kommen.

Information

Mini-Kleider

Der gemeinnützige Verein „Sternenzauber & Frühchenwunder" mit Vorstandssitz in Hamm hat 1.200 Mitglieder. Tausende ehrenamtliche Helfer stellen für sogenannte Sternenkinder und Frühchen – egal wie klein – aus gespendeten Materialien passende Kleidung her. Betroffene Eltern erhalten zudem zwei kleine Erinnerungsstücke. Beliefert werden rund 400 Krankenhäuser, Hebammen, Frauenärzte, Hospize und Bestatter in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Luxemburg. Ansprechpartnerin in der Region Lippe ist Nadine Bogner. Sei ist unter der Rufnummer (05283) 948084 oder per E-Mail an nadinebogner@t-online.de zu erreichen.

In Krankenhäusern fehlt es allerdings an Bekleidung für diese Winzlinge. „Sie haben aber einen würdevollen Empfang auf der Welt verdient", sagt Jäger. Dazu gehöre auch Kleidung. Jäger: „Wir fertigen Bekleidung bis zur Größe 42. Auch farbenfrohe Decken für Inkubatoren der Kliniken, fröhliche Kuscheltiere und Dufttücher."

Taufaufleger, Storchenbeutel, Dufttücher, Moses-Körbchen und vieles mehr wurde bei diesem Treffen des Vereins „Sternenzauber & Frühchenwunder“ im Rischenauer Dorfgemeinschaftshaus vorgestellt. Rund 300 Krankenhäuer in vier Ländern werden mittlerweile vom Verein beliefert. Foto: Achim Krause - © Achim Krause
Taufaufleger, Storchenbeutel, Dufttücher, Moses-Körbchen und vieles mehr wurde bei diesem Treffen des Vereins „Sternenzauber & Frühchenwunder“ im Rischenauer Dorfgemeinschaftshaus vorgestellt. Rund 300 Krankenhäuer in vier Ländern werden mittlerweile vom Verein beliefert. Foto: Achim Krause (© Achim Krause)

Wie schon im Vorjahr haben die Lügderin Nadine Boger und ihr Mann das Rischenauer Dorfgemeinschaftshaus für die Veranstaltung gebucht. Dort stellt „Sternenzauber und Frühchenwunder" am Wochenende seine Arbeit vor. Interessierte können in mehreren Kreativ-Workshops Bodys, Pullover oder Hosen im Miniformat nähen. Zudem gibt es Referate zu den Themenbereichen „Sternchen"(11.30 und 15 Uhr) und „Frühchen" (13.30 und 16.30 Uhr), ein Kinderprogramm mit Spiel und Spaß und eine Tombola, Speisen und Getränke. Auch der Medizingerätehersteller Dräger ist wieder vor Ort. Im vergangenen Jahr führte Alexander Hauge die Funktionsweise eines lebensrettenden Inkubators vor. Viele Vereinsmitglieder beteiligen sich darüber hinaus mit eigenen Initiativen von Kuchen bis zur Kinderbetreuung am Tag der offenen Tür.

In mehreren Workshops nähten, häkelten und bastelten Frauen Gegenstände und Bekleidung für die Winzlinge. Foto: Achim Krause - © Achim Krause
In mehreren Workshops nähten, häkelten und bastelten Frauen Gegenstände und Bekleidung für die Winzlinge. Foto: Achim Krause (© Achim Krause)

Sie nutzen die Zeit aber auch, um sich näher kennenzulernen, denn viele kennen sich bisher nur über Facebook. Persönlichen Gespräche und der direkte Meinungs- und Erfahrungsaustausch über die Social-Media-Kontakte hinaus sind daher allen wichtig. „Eine tolle Stimmung! Wir verstehen uns blendend", betont Kremer. Der Verein „Sternenzauber & Frühchenwunder" freut sich über Unterstützung in Form von Stoffspenden, abgelegten Abend- oder Brautkleidern, Schnittmustern, Wolle, Bastelmaterial jeglicher Art sowie durch organisatorische Hilfen oder Geldspenden.

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