Missbrauchsfall Lügde: Prozess kann in Detmold stattfinden

Erol Kamisli und Janet König

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Idyllisch liegt der Campingplatz „Eichwald" im Weserbergland. Doch der Schein trügt. Hier sind mindestens 40 Kinder über Jahre hinweg sexuell missbraucht und gefilmt worden. Im Juni könnte der Prozess beginnen. - © Torben Gocke
Idyllisch liegt der Campingplatz „Eichwald" im Weserbergland. Doch der Schein trügt. Hier sind mindestens 40 Kinder über Jahre hinweg sexuell missbraucht und gefilmt worden. Im Juni könnte der Prozess beginnen. (© Torben Gocke)

Detmold. Der Prozess um den tausendfachen Kindesmissbrauch auf dem Campingplatz „Eichwald" in Lügde-Elbrinxen wird am Detmolder Landgericht stattfinden. Zuletzt hatten die Verantwortlichen wegen des enormen Umfangs des Falls die räumlichen Kapazitäten geprüft. Mindestens 40 Kinder und Jugendliche sollen von Andreas V. und seinen Komplizen über Jahre hinweg missbraucht worden sein – sie kommen alle als Zeugen in Betracht.

Darauf ist das Landgericht vorbereitet. „Wenn Zeugenaussagen von Kindern oder Jugendlichen notwendig sind, gibt es ein separates Zimmer, das bisher als Zeugenbetreuungsraum genutzt wird", sagt Landgerichtssprecher Wolfram Wormuth. Dieses könne zu einem Vernehmungsraum umfunktioniert werden, da es kindgerecht eingerichtet sei. Zudem würde das Gericht die Möglichkeit einer Videovernehmung in Betracht ziehen. „Wir warten auf die Anklageschrift und danach geht’s in die heiße Phase der Organisation", sagt Wormuth. Die Aklageschrift soll laut Oberstaatsanwalt Ralf Vetter bis Ende April vorliegen: „Der Zeitplan ist ambitioniert, aber wir wollen es schaffen, damit der Prozess im Juni starten kann." Innenminister Herbert Reul hatte am Montag im Fernsehen noch davon gesprochen, wie schwer sich die Auswertung der unglaublichen Datenmengen gestaltet. Zu einer Verzögerung wird es wohl dennoch nicht kommen, beabsichtigt die Staatsanwaltschaft.

Landgericht Detmold - © Bernhard Preuss
Landgericht Detmold (© Bernhard Preuss)

Nach derzeitigem Stand müssten alle Geschädigten im Prozess gehört werden, da der 56-jährige Hauptverdächtige und sein mutmaßlicher 34-jähriger Mittäter Mario S. zu den Tatvorwürfen schwiegen. Nur der 48-jährige Heiko V. aus Stade habe ein Teilgeständnis abgelegt. „In solchen Verfahren hat der Opferschutz oberste Priorität. Wenn ein Angeklagter redet, erspart er den Opfern viel Leid vor Gericht", sagt Johannes Salmen, Verteidiger von Andreas V. Zustimmung kommt von seinem Kollegen Jürgen Bogner, der Mario S. verteidigt. Er wolle seinem Mandanten bei „erdrückender Beweislage" zum Geständnis raten.

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