Nach Pannen in Lügde: Minister schickt Aufpasser nach Bielefeld

veröffentlicht

  • 0
Mit den Ermittlungen betraut: Beamte des Polizeipräsidiums Bielefeld. - © Andreas Zobe
Mit den Ermittlungen betraut: Beamte des Polizeipräsidiums Bielefeld. (© Andreas Zobe)

Düsseldorf/Lügde. Nach der Pannenserie bei der Aufklärung des massenhaften Kindesmissbrauchs in Lügde nahe der Grenze zu Niedersachsen kümmern sich Beamte des nordrhein-westfälischen Innenministeriums nun um den Fortgang der Ermittlungen vor Ort. Das Innenministerium bestätigte inzwischen, zwei seiner Mitarbeiter seien im Präsidium, „um sich einen Eindruck der Ermittlungsarbeit und einen Überblick über die Abläufe zu verschaffen".

Nach den Osterfeiertagen sollten weitere Fachleute, darunter die ranghöchste Polizistin des Landes, folgen. „Dabei geht es um die Frage, ob und welche polizeifachliche Unterstützung von Seiten des Innenministeriums und nachgeordneter Behörden, wie beispielsweise das Landeskriminalamt, geleistet werden könnte."

Opposition fordert Rücktritt von Reul

SPD und Grüne hatten NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) vorgeworfen, die Lage nicht im Griff zu haben. Die SPD fordert seinen Rücktritt, die Polizeigewerkschaft hat sich hinter den Innenminister gestellt. Kurz nach Bekanntwerden des jahrelangen Kindesmissbrauchs, der nach bisherigen Erkenntnissen mindestens 40 Opfer betrifft, hatte Reul einräumen müssen, dass 155 CDs und DVDs aus der Obhut der Polizei verschwunden waren. Danach gab es noch mehrere weitere Pannen.

In den Wochen nach dem Verschwinden der CDs und DVDs waren - unter anderem bei Abrissarbeiten - immer wieder Datenträger gefunden worden, die die örtlich zuständigen Polizisten zuvor nicht entdeckt hatten. Laut Ministerium hat die Sonderkommission „Eichwald" bislang rund fünf Millionen Megabyte Daten gesichert. Dabei seien bereits 30.000 Fotos und knapp 11.000 Filme mit Kinder- und Jugendpornografie gefunden worden.

Parzellen der Verdächtigen abgerissen

Die Parzelle des Hauptverdächtigen auf dem Campingplatz war noch ohne die Aufsicht der Polizei abgerissen worden. Dabei hatte der Abrissunternehmer weitere Datenträger, unter anderem Video-Kassetten gefunden. Danach hatte es erneut Kritik an der Polizei gegeben, die die neuen Funde aber als für den Fall unerheblich einstufte.

Copyright © Lippische Landes-Zeitung 2019
Inhalte von lz.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

0 Kommentare
0 Kommentare

Das Kommentieren ist nur mit einem gültigen LZ-Plus-Zugang möglich. Jetzt testen!