Missbrauch auf Campingplatz: Andreas V. findet Opfer im Internet

Erol Kamisli und Janet König

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Die Parzelle des Dauercampers Andreas V. ist mittlerweile leergeräumt. In diesem Häuschen hatte der 56-jährige zuvor gelebt. - © Vera Gerstendorf-Welle
Die Parzelle des Dauercampers Andreas V. ist mittlerweile leergeräumt. In diesem Häuschen hatte der 56-jährige zuvor gelebt. (© Vera Gerstendorf-Welle)

Lügde. Im Missbrauchsfall Lügde sind weitere, kaum vorstellbare Details aus der Anklageschrift gegen den Dauercamper Andreas V. bekannt geworden. Demnach soll Andreas V. seine Opfer auf skrupellose Weise gefügig gemacht haben. Das berichtet Spiegel Online unter Berufung auf die Anklageschrift.

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Weitere Artikel zum Missbrauchsfall in Lügde-Elbrinxen finden Sie im LZ-Spezial.

Andreas V. soll laut Anklage auch körperliche Gewalt gegen seine Opfer angewandt haben. In einem Fall soll er ein Mädchen festgehalten haben, um ihren Widerstand zu brechen. Dabei soll sich der Hauptbeschuldigte über Schmerzen der Kinder hinweggesetzt und auch Verletzungen in Kauf genommen haben.

Er habe seine Opfer gezielt unter Druck gesetzt und auch damit gedroht, Familienangehörigen etwas anzutun oder die Kinder draußen schlafen zu lassen. Viele seien Übernachtungsgäste seiner Pflegetochter gewesen. Nach dem Missbrauch seien die Kinder teilweise mir Spielzeug und Kleidung belohnt worden.

Inserate bei eBay-Kleinanzeigen

Der Lügder soll laut Anklage eine narzisstisch-dissoziale Persönlichkeit haben. Über die Plattform eBay-Kleinanzeigen soll der arbeitslose Dauercamper an neue potenzielle Opfer gekommen sein. Dort soll er in Inseraten gezielt nach alleinerziehenden Müttern gesucht und vorgegeben haben, ihre Kinder sollten Spielkameraden für seine Pflegetochter sein. Diese soll Andreas V. offenbar am häufigsten missbraucht haben, in der Anklage sei von mindestens 132 sexuellen Übergriffen die Rede. Angeklagt ist der Dauercamper in 293 Fällen.

Darüber hinaus könnten noch weitere mutmaßliche Täter zum Fall Lügde hinzukommen. Neben Heiko V. aus Stade, der seit dem 10. Januar in U-Haft sitzt, sollen noch weitere Männer über Livechats Andreas V. beim Missbrauch der minderjährigen Kinder zugeschaut haben. Die mutmaßlichen Chatpartner seien jedoch noch unbekannt, so die Detmolder Staatsanwaltschaft.

Den Opfern keinen Gefallen getan

Rechtsanwalt Johannes Salmen, Verteidiger des 56-jährigen Hauptbeschuldigten: „Ich kann keinen der Vorwürfe dementieren." Der Lagenser Rechtsanwalt kritisierte jedoch, dass die Anklageschrift zum jetzigen Zeitpunkt an die Öffentlichkeit gelangt sei.

„Damit wird eine ordentliche Vorbereitung verhindert und auch notwendige Gespräche mit meinem Mandanten und auch Ermittlern torpediert", sagt Salmen. Er wisse nicht, wer die Informationen weitergegeben habe, aber vor allem den Opfern habe er damit bestimmt keinen Gefallen getan. „Die werden schon jetzt, also Wochen vor dem eigentlichen Prozessbeginn, mit Tateinzelheiten konfrontiert", betont Johannes Salmen.

"Hat etwas von Voyeurismus"

Verärgert ist auch Opferanwalt Roman von Alvensleben aus Hameln, der ein Mädchen vertritt, das ebenfalls Opfer von Andreas V. wurde. „Ich finde es sehr bedenklich, dass zu diesem Zeitpunkt so viele Details an die Öffentlichkeit gelangen, das hat schon etwas es von Voyeurismus", schimpft von Alvensleben.

Der Schutz, der vielen minderjährigen Opfer, müsse in diesem Fall absolut im Vordergrund stehen. „Für meine Mandantin, ihre Mutter und ihr Umfeld ist es so schon schwer genug, das Ganze mit ihrem Anwalt durchzugehen." Durch die detaillierte Veröffentlichung nehme der Fall unterdessen eine ganz neue Dimension ein. „Da ist das Abscheulichste passiert, was man sich vorstellen kann."

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