Missbrauchsfall Lügde: Verteidiger will Verfahren abtrennen

Erol Kamisli und Janet König

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Jann Henrik Popkes (© Archivfoto: Janet König)

Detmold. Schon vor Prozessstart im Lügder Missbrauchsfall werden Strategien deutlich – Rechtsanwalt Jann Henrik Popkes will seinen Mandanten Heiko V. aus dem Hauptverfahren raushalten. Der Schlänger Verteidiger will das Verfahren gegen den 49-jährigen Stader, dem Anstiftung und Beihilfe zum sexuellen Missbrauch von Kindern und der Besitz von Kinderpornografie vorgeworfen wird, abtrennen und gesondert verhandeln, berichtete zunächst Spiegel Online.

Schon seit der Inhaftierung Heiko V. am 10. Januar 2019 hatte Popkes immer wieder erklärt, dass die Vorwürfe, die sich gegen seinen Mandaten richteten, nicht vergleichbar mit den mehr als 450 Missbrauchsvorwürfen seien, die den beiden anderen Angeklagten, Andreas V. und Mario S., zur Last gelegt werden. Mehrmals hatte Popkes daher versucht, seinen Mandanten vorzeitig aus der U-Haft zu bekommen. Die Haftprüfungen waren zwei Mal gescheitert, eine dritte sagte der Verteidiger vor dem Landgericht Detmold wieder ab.

Sein Mandant war bereits nach kurzer Zeit in Haft geständig. Heiko V. habe laut Popkes den Besitz von Kinderpornografie zugegeben und auch eingeräumt, dass er über das Internet an Liveübertragungen des Hauptbeschuldigten teilgenommen hat, in denen es zu sexuellen Handlungen an einem Kind gekommen ist. "Ohne die Vorwürfe gegen meinen Mandanten zu bagatellisieren, ist es aber ein Unterschied, ob ich ein Kind selbst missbrauche oder ob ich ein Zaungast bin", wird Popkes bei Spiegel Online zitiert. Sein Ziel sei eine Bewährungsstrafe für Heiko V.. Bei dem Angeklagten wurden mehr als 42.000 Bild- und Videodateien mit einschlägigem Material sichergestellt. Ein Gutachter schätzte Heiko V. als nicht pädophil.

Der Detmolder Staatsanwaltschaft ist der „Wunsch" von Rechtsanwalt Popkes bekannt, sagte Sprecherin Johanna Dämmig. Letztendlich sei es eine Entscheidung der Jugendschutzkammer. „Aus Sicht der Staatsanwaltschaft hat eine Trennung keinerlei Auswirkungen auf das Strafmaß", erklärt Dämmig. Landgerichtssprecherin Dr. Melanie Rüter sagte, dass eine Abtrennung auf Antrag des Verteidigers oder von Seiten des Gerichts möglich sei, wenn die Kammer sie für notwendig halte. Zu dem konkreten Fall könne sie derzeit nichts sagen, die Kammer werde einen entsprechenden Antrag im Rahmen der Hauptverhandlung prüfen.

Dokumentarfilm zum Fall Lügde

Information

Neue Nebenkläger

Die Jugendschutzkammer hat noch ein weiteres Opfer als Nebenkläger zugelassen, das von Rechtsanwalt Christian Thüner aus Herford vertreten wird. Damit steigt die Zahl der Nebenkläger auf 28. Auch die Tante des Pflegekindes von Andreas V., soll laut Opferanwalt Roman von Alvensleben einen Antrag gestellt haben. „Es kann gut sein, dass noch weitere Geschädigte hinzukommen", sagt Landgerichtssprecherin Melanie Rüter.

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