19-jährige Zeugin spricht im Angesicht ihrer Peiniger

Erol Kamisli

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Helferin: Anke Heldt vom Weißen Ring aus Schaumburg ist an allen Prozesstagen in Detmold dabei. - © Bernhard Preuß
Helferin: Anke Heldt vom Weißen Ring aus Schaumburg ist an allen Prozesstagen in Detmold dabei. (© Bernhard Preuß)

Detmold. Der zweite Verhandlungstag im Lügder Missbrauchsprozess endet nach „nur“ vier Stunden, doch für Opferhelferin Anke Heldt vom Weißen Ring Schaumburg ist es ein historischer Tag. „Meine 19-jährige Klientin war jahrelang Missbrauchsopfer von Andreas V.. Nun hat sie sich in den Zeugenstand gesetzt und eine Stunde gegen ihren Peiniger ausgesagt“, erklärt Heldt (53).

Die junge Frau, die im Vorgespräch sehr nervös gewirkt habe, sei im Saal mutig aufgetreten und habe ausdrücklich gewünscht, dass die drei Angeklagten, die am Donnerstag allesamt gestanden hatten, während ihrer Aussage im Gerichtssaal bleiben. Dann wurde die Öffentlichkeit ausgeschlossen. „Diese Situation hatten wir auch bei einem Besuch des Gerichts vor zwei Wochen mit der Richterin besprochen, die die jugendlichen Zeugen aufklärte“, erinnert sich Heldt. Immer wieder habe die Juristin den Kindern und Eltern erklärt, dass sie keine Angst haben müssten.

„Ich glaube, dass dieser Besuch das Selbstvertrauen der 19-Jährigen gestärkt hat, die dann am zweiten Prozesstag ohne Angst von den sexuellen Übergriffen berichtet hat, die sie im Kindesalter erleiden musste“, so die 53-Jährige.

Nach einer Stunde hat die junge Frau ihre Aussage hinter sich und verlässt den Gerichtssaal in Begleitung von Anke Heldt. Ihr Fazit am Ende des Prozesstages: „Es war sehr aufregend, aber die 19-Jährige war sehr tapfer. Ich bin stolz.“

Doch der Arbeitstag für die Opferhelferin ist noch nicht zu Ende, denn sie betreut insgesamt fünf Kinder, die missbraucht worden sein sollen. „Die wollen über jeden Prozesstag informiert werden“, so Heldt. Ihre Klienten sind acht bis 19 Jahre alt und stammen aus dem Raum Rinteln und Lemgo. „Die Älteste aus der Gruppe zählte zu den ersten, die Jüngste zu den letzten der Lügde-Opfer“, fügt sie hinzu.

Seit November 2018 steht die Ehrenamtliche den Opfern und ihren Familien zur Seite. „Wir haben keinen vergleichbaren Fall begleitet. Mit Kindesmissbrauch hatten wir zwar schon zu tun, aber nicht in dieser Dimension“, sagt Heldt. Besonders bei den jüngeren Opfern stünden die Eltern im Fokus der Gespräche, die machten sich die große Vorwürfe, weil sie damals nichts vom Missbrauch gemerkt hätten.

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