Lügde-Prozess wird nun gestrafft

Janet König

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- © Bernhard Preuß, Montage Oliver Wendtland
(© Bernhard Preuß, Montage Oliver Wendtland)

Detmold. Die überraschenden Geständnissen aller drei Angeklagten zum Prozessauftakt im Fall um den hundertfachen Kindesmissbrauch auf derm Campingwald "Eichwald" in Elbrinxen machen den ursprünglichen Ablauf für die Beweisaufnahme hinfällig, denn die Kammer ist nun nicht mehr auf Aussagen der Kinder angewiesen. Einige Opferanwälte haben schon angedeutet, dass ihre Mandanten nicht vor Gericht erscheinen möchten. Die Jugendschutzkammer will das Programm nun in Absprache mit allen Prozessbeteiligten neu zusammenstellen.

Für Opferanwalt Peter Wüller ist bereits klar, dass zwei seiner Mandanten nicht im Zeugenstand aussagen werden. „Ich habe lange mit der Psychologin gesprochen und die hat dringend davon abgeraten", sagte Wüller. Die Kinder seien inzwischen so stabil, dass die Situation vor Gericht möglicherweise alte Wunden aufreißen könnte. Einen „Flashback" wolle man nicht riskieren.

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Die Rechtsanwälte Thorsten Fust und Thomas Brockmann, die zwei Brüder im Alter von 16 und 17 Jahren vertreten, wollen die Situation erst noch mit ihren Mandanten besprechen. Die Jugendlichen seien im Alter von 10 und 11 Jahren von Mario S. missbraucht worden. „Der Druck ist durch die Geständnisse zum Glück raus", sagte Fust. Der Herforder Rechtsanwalt Christian Thüner und drei seiner Kollegen kündigten an: „Unsere Mandanten werden nicht kommen."

Sobald die Jugendschutzkammer Rückmeldung von allen Opferanwälten habe, könne der Prozessablauf gestrafft werden. „Sonst entstehen lange Pausen", so Richterin Anke Grudda. Durch die Geständnisse sei es wahrscheinlich, dass nicht mehr alle zehn Prozesstage gebraucht würden, vermuten Prozessbeobachter.

Unterdessen besuchte SPD-Fraktionsvorsitzender Thomas Kutschaty mit seinem SPD-Landtagskollegen Jürgen Berghahn Lügdes Bürgermeister Heinz Reker. Kutschaty drückte in einem ausführlichen Gespräch seine Unterstützung aus.

Die Doku zum Fall Lügde

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