Missbrauchsfall Lügde: Anwalt legt Beschwerde gegen Ermittler ein

Janet König

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Die Polizei begleitet Mitte April die Abrissarbeiten der Parzelle von Mario S.. Immer wieder war die Ermittlu ngsarbeit in Kritik geraten. - © Archivfoto: Guido Kirchner/dpa
Die Polizei begleitet Mitte April die Abrissarbeiten der Parzelle von Mario S.. Immer wieder war die Ermittlu ngsarbeit in Kritik geraten. (© Archivfoto: Guido Kirchner/dpa)

Detmold. Das Verfahren wegen sexuellen Missbrauchs gegen einen 23-Jährigen ist gerade eingestellt worden, dennoch ist sein Verteidiger Christian Thüner sauer. Der Grund: Die Ermittler der EK-Eichwald sollen bei der Vernehmung seines Mandanten, der vom Opfer zum Beschuldigten wurde, massive Fehler begangen haben. Der Anwalt will daher beim Innenminister Beschwerde einlegen.

Die Dienstaufsichtsbeschwerde richtet sich gegen zwei Polizisten. „Was da passiert ist, ist einfach unfassbar", sagt Thüner. Sein Mandant, der als 16-Jähriger in einem Fall selbst vom Opfer zum Täter geworden sein soll, sei insgesamt eine Stunde und vierzig Minuten als Zeuge befragt worden. Es blieb nicht dabei – plötzlich richteten sich die Ermittlungen auch gegen ihn. Darüber sei der 23–Jährige jedoch nicht belehrt worden. Im Gegenteil: Die Polizisten hätten ihn unter Druck gesetzt und unzulässige Fragen gestellt.

„Die beiden Ermittler haben knapp zwei Stunden auf ihn eingeredet, dabei hätte die Vernehmung abgebrochen werden müssen", sagt Thüner. Das bestätigt auch Amtsgerichtsdirektor Michael Wölfinger. „Er ist nicht darauf hingewiesen worden, dass er nun als Beschuldigter vernommen wird." Das gehe aus dem Vernehmungsprotokoll hervor. Rein rechtlich hätte die Vernehmung damit nicht vor Gericht verwendet werden dürfen. Hätte der 23-Jährige sich nicht zu der ihm vorgeworfenen Tat geäußert, hätten somit weitere Zeugen gehört werden müssen.

Rechtsanwalt Thüner will die polizeiliche Vernehmungstaktik auch nach der Einstellung des Verfahrens nicht einfach so hinnehmen. Deshalb wende er sich nun direkt an den Innenminister. Die zuständige Polizei in Bielefeld wollte sich zu den Vorwürfen nicht äußern und verwies auf das Amtsgericht.

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